Berufs-Porträt Lehrer für die ARD-Themenwoche 2016 "Zukunft der Arbeit"

Lehrer Jonas Mikuletz während des Unterrichts mit einem Schüler. | Bildquelle: Privat

Berufs-Porträt Lehrer

"Die Arbeit mit Schülern ist erfüllend - und anstrengend!"

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen weiß Jonas Mikuletz (41), dass er einen sehr gefährlichen Beruf ausübt - er ist Lehrer. Was sich für viele wie ein Witz anhört, ist Realität. Denn die Gefahr ist gerade bei Lehrern groß, sich mit jahrelangen 60-Stunden-Arbeitswochen selbst auszubeuten. So lange, bis sie ausgebrannt sind.

ARD.de: Sie sind Lehrer - warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Jonas Mikuletz: Ich denke, dass Bildung das höchste Gut in unserer westlichen Dienstleistungsgesellschaft ist. Da ich durch meine Eltern eine gewisse pädagogische Vorprägung erhalten habe, war der Weg zum Lehrerberuf für mich nicht mehr weit. Die Vielfältigkeit des Berufes und die Arbeit am und mit Menschen haben mich schon immer fasziniert.

 


Socialmedia. | Bildquelle: ARD

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Ein Beruf mit viel Freizeit?

Nachdem Sie das Berufs-Porträt gelesen haben - glauben Sie (noch immer), dass Lehrer wenig arbeiten? Diskutieren Sie unten mit!

 

Wie verlief die Ausbildung - auf welchen Wegen sind Sie das geworden, was Sie heute sind?

Ich genoss eine klassische gymnasiale Schulbildung mit dem Abschluss der Allgemeinen Hochschulreife. Im Studium belegte ich die Fächer Geographie, Geschichts- und Sportwissenschaft. Im folgenden, zweijährigen Gymnasialreferendariat machte ich noch eine Zusatzausbildung zum Naturwissenschafts- und Techniklehrer. Bis zum eigentlichen Berufseinstieg vor zwölf Jahren arbeitete ich allerdings nebenher zusätzlich noch in der Gastronomie, im Tiefbau und in der Automobilproduktion als Gabelstaplerfahrer. Diese Erfahrungen möchte ich auf keinen Fall missen.

 

Können Sie bitte Ihren typischen Arbeitstag von Dienstbeginn bis Feierabend beschreiben?

Um 6:00 Uhr klingelt der Wecker. Um 7:30 Uhr stehe ich dann im Leherzimmer, und erste Dinge müssen mit dem Kollegium abgeklärt werden. Dann folgen durchschnittlich fünf Unterrichtsstunden pro Tag und anschließend ein bis zwei Zeitstunden an der Schule. Je nach Arbeit, die anfällt, sitze ich dann noch eine bis vier Stunden zuhause am Schreibtisch.

 

Lehrer Jonas Mikuletz. | Bildquelle: privat

 

Ist Ihr Beruf so, wie sie ihn sich vorgestellt haben, ehe Sie ihn ausgeübt haben?

Im Großen und Ganzen ja. Ich habe ja selbst schon als Schüler mitbekommen, was den Lehrerberuf ausmacht und wie er ganz allgemein funktioniert. Dass ich dann in der Realität täglich vier bis fünf Stunden auf einer Bühne stehe und das Publikum im Gegensatz zum Theater die Vorstellung nicht unbedingt freiwillig oder gar zum Genießen besucht, damit musste ich erst umzugehen lernen.

 

Wie hat sich Ihre Tätigkeit seit Ihrem Berufseinstieg im Jahr 2005 bis heute verändert ?

Bis heute hat sie sich tatsächlich noch nicht so sehr verändert. Die Zeit meines Einstiegs in den Beruf ist noch nicht so lange her. Die Digitalisierung  - auch des Lehrerberufes - stand damals schon in den Startlöchern. Die gängigen Computerprogramme wurden alle schon genutzt. Die Anwendung des Smartphones im und für den Unterricht allerdings wird eine sehr spannende Sache. Hier wird sich in den kommenden Jahren einiges tun.

 

Wenn Sie in die Zukunft blicken - wie wird Ihr Beruf dann aussehen - wird es ihn in, sagen wir, 20 bis 30 Jahren überhaupt noch geben?

Ja, es wird ihn ganz sicher noch geben! Er wird sich im Großen und Ganzen auch nicht allzu sehr verändern. Die Person und ihre Fähigkeiten, die da vorne vor einer Klasse steht, wird immer das entscheidende Element für guten Schulunterricht sein. Ich denke, dass der "erzieherische" Anteil meiner Arbeit noch größer werden wird. Die Momente, in denen ich denke, dass den Eltern an der ein oder anderen Stelle vielleicht ein wenig mehr erzieherische Vorarbeit an ihrem Kind ganz gut zu Gesicht gestanden hätte, werden sicher mehr werden.

 

Lieben Sie Ihren Beruf?

Ja, ich liebe ihn. Er ist sehr anstrengend, aber er gibt mir auch sehr viel zurück. Das spüre ich vor allem dann, wenn ich Kontakt zu meinen ehemaligen Schülerinnen und Schülern habe und ich sehe, wie sie sich entwickelt haben und was aus ihnen geworden ist. Zu wissen, dass man dazu einen kleinen Anteil beigetragen hat, ist sehr erfüllend.

 

 

Was denken Ihre Freunde über Ihre berufliche Tätigkeit - und in welchem Verhältnis steht die Höhe der gesellschaftlichen Anerkennung zu Ihrer Besoldung?

Das Gehalt ist in Ordnung, die Anerkennung in meinem Freundes- und Bekanntenkreis ist auf jeden Fall in einem hohen Maße da, was aber vermutlich auch an der Zusammensetzung dieses Kreises liegt. Die allgemeine gesellschaftliche Anerkennung lässt meiner Meinung nach etwas zu wünschen übrig. Dass der Beruf sehr anstrengend ist, ist in weiten Kreisen leider nicht bekannt.

 

Angenommen, Sie wären heute in dem Alter, in dem Sie sich für Ihren jetzigen Beruf entschieden haben - würden Sie noch einmal dieselbe Wahl treffen?

Ja, ich würde nochmal denselben Beruf ergreifen. Ich habe das passende für mich gefunden. Und ich sehe, was ich bewirken kann - das kann, wie gesagt, sehr erfüllend und befriedigend sein.

 

Was raten Sie jungen Menschen, die heute Lehrer werden wollen?

Sie sollen sich ihre Ideale bewahren, mit denen Sie in den Beruf starten. Und sie sollten auf ihre psychische Gesundheit achten und die Zeichen erkennen, die einem sagen: "Etwas weniger kann auch mehr sein!" Ich kenne viele Lehrer aus meinem Bekanntenkreis, die jahrelang eine 60-Stunden-Woche durchziehen, die sie ganz langsam in den Burn-Out treibt. Die Arbeit mit Schülern ist anstrengend und dessen muss man sich bewusst sein.

 

Wie wird sich Ihrer Meinung nach die zunehmende Digitalisierung auf die Arbeitswelt und auf die Gesellschaft auswirken - welche Chancen und welche Risiken sehen Sie?

Sie wird uns sehr viele Chancen bieten und wenn wir diese klug und umsichtig nutzen, kann sie uns mehr Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens schenken. Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können, wird unsere größte Lernaufgabe sein. Die 120 Whatsapp-Nachrichten täglich mit der Frage, wo man gerade ist und wie es einem im Moment gerade geht und was man tut, gehören dabei eher in den Bereich des Unwichtigen.

 

Das Interview führte Ingo Fischer.

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Stand: Wed Oct 19 17:00:00 CEST 2016 Uhr

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