Berufsrisiko Tod, ARD-Themenwoche 2016 "Zukunft der Arbeit"

Die "Deutschland Reportage" jetzt auf Abruf

Berufsrisiko Tod - Wenn Arbeit das Leben kosten kann

Es gibt Berufe, die lebensgefährlich, aber in unserer Gesellschaft unverzichtbar sind. Die Arbeit dieser Menschen und ihre Bereitschaft, sich selbst in größte Gefahr zu begeben, rettet anderen Menschen das Leben. Die Journalisten der "Deutschland Reportage" haben Bombenentschärfer, Höhlenretter und Bodyguards bei ihrer Arbeit begleitet und mit ihren Familien über die ständige Todesgefahr gesprochen.

Wie verabschiedet man sich morgens von seiner Familie, wenn jeder Arbeitstag tödlich enden kann? Wie gehen die Angehörigen damit um? Wie stark bestimmt diese Gefahr Arbeits- und Privatleben?

Tanya Beimel ist eine von zwei Bombenentschärferinnen in Deutschland. Täglich wird sie an Orte gerufen, die weiträumig abgesperrt sind, weil von Weltkriegsbomben immer noch akute Gefahren ausgehen. Ihr Arbeitsplatz liegt im Zentrum der Gefahr.

Wie geht man mit dem extremen Druck um?

2010 ist in Göttingen eine Fliegerbombe völlig überraschend explodiert, kurz bevor mit der eigentlichen Entschärfung begonnen werden sollte. Drei Bombenentschärfer starben. Das Unglück zeigte, dass bei diesem Job das Restrisiko nie auf null reduzierbar ist. Tanya Beimel nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer mit zu einer Bombenentschärfung und berichtet, wie sie mit diesem extremen Druck umgeht, warum sie sich jeden Tag aufs Neue der Gefahr stellt und was dieser spezielle Beruf mit ihr macht.

Andreas Wolf begibt sich leidenschaftlich gerne selbst an Orte, die lebensgefährlich sein können: Höhlen. Als Höhlenforscher ist er Spezialist in diesem unwegsamen Terrain. "Für mich sind das oft unentdeckte Landschaften, die wunderschön sind", so Wolf. Doch immer mehr Laien wagen sich in die Höhlen. "Unvorbereitet endet ein Höhlenbesuch schnell in einem Notfall. Die Dunkelheit lässt keine Orientierung zu und Handys funktionieren im Gestein nicht. Hier ist es kalt, eng und nass. Und um Hilfe zu schreien, ist so gut wie zwecklos", berichtet Wolf.

 

Mann in Höhle. | Bildquelle: RB

Als Höhlenretter begibt sich Andreas Wolf selbst in Lebensgefahr. An schwierigen Stellen können ihn keine Seile vor einem Absturz sichern.

In diesen Situationen wird Andreas Wolf um Hilfe gerufen. Als Leiter der Höhlenrettung Murnau (Bayern) ist er für einige stark frequentierte Höhlen zuständig und muss zusammen mit seinem Team Vermisste oder Verletzte in der Höhle aufspüren, medizinisch versorgen und bergen. Hierbei wagt er sich auch in für ihn unbekannte Gänge. Dann herrscht auch für den sonst so gut vorbereiteten Experten Lebensgefahr. Für seine Familie keine einfache Berufswahl. "Aber irgendwer muss es ja machen", so Wolfs Ehefrau. Wie geht der Familienvater mit dieser Gefahr um, wie erklärt er seinem Sohn das Risiko seines Berufes und was macht es mit einer Familie, wenn der schlimmste anzunehmende Umstand, der Tod, bei der Arbeit als Höhlenretter nicht wegzudiskutieren ist?

Das eigene Leben für Fremde aufs Spiel gesetzt

Auch ein Bodyguard gibt Einblicke in seinen Arbeitsalltag. Zu seinen Kunden gehören Promis und wirtschaftsstarke Großverdiener. "Die stellen mich alle an, weil es ein gewisses Risiko gibt, dass sie Opfer eines Verbrechens werden. Mein Job ist es, das zu verhindern. Unmittelbar, mit meinem Körper", erklärt der Leibwächter. Woher kommt die Bereitschaft, das eigene Leben für Fremde aufs Spiel zu setzen?

Die "Deutschland-Reportage" begleitet Tanya Beimel bei ihrer Arbeit an einer Bombe, Andreas Wolf in die Höhle und einen Leibwächter bei einem Einsatz und zeigt, welche Gedanken die Arbeitseinsätze bestimmen, wenn Unglücke nicht auszuschließen sind. Die Reportage zeigt die gefährlichen und aufregenden Seiten ihrer Tätigkeiten, aber auch die Auswirkungen auf das Privatleben.

Zwischen Beruf und Berufung

Denn hinter diesen Helden stecken ganz normale Menschen, die ihren Beruf auch hinterfragen und vor sich und ihrer Familie rechtfertigen. Auch ihre Angehörigen kommen zu Wort, die mit dem Berufsrisiko ihrer Partner jeden Tag leben müssen. Der Film lotet aus, wo der Unterschied zwischen Beruf und Berufung liegt. In Berufsfeldern, die von keinem Computer und keiner Maschine übernommen werden können.

 

Ein Film von János Kereszti

Eine Bremedia Produktion im Auftrag von Radio Bremen für Das Erste

Stand: Fri Nov 04 23:00:00 CET 2016 Uhr

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