Das Ende der Geduld

Persönliche Empfehlung zur ARD Themenwoche Gerechtigkeit

Das Ende der Geduld

ARD.de-Redakteurin Ina Mersch

Ina Mersch. | Bildquelle: ARD.de

Nach einer wahren Begebenheit erzählt der Film "Das Ende der Geduld" von der Jugendrichterin Corinna Kleist, die nach einer Auszeit ans Jugendgericht Neukölln versetzt wird - ein Problembezirk mit extrem hoher Kriminalitätsrate. Aus persönlichem Engagement für Täter und Opfer heraus, versucht sie die bürokratischen Abläufe zu straffen und trifft dabei auf große Widerstände. Am Ende kostet sie ihr Kampf für eine effektivere Strafverfolgung das Leben. Eine persönliche Empfehlung von ARD.de-Redakteurin Ina Mersch zur ARD Themenwoche Gerechtigkeit.

Ein Denkmal für die Richterin Kirstin Heisig 

Wie kann man jugendliche Intensivtäter vor einem Leben schützen, das geprägt ist von Hass und Gewalt? Und wie kann man mögliche Opfer schützen? Corinna Kleist (gespielt von Martina Gedeck), alias Kirstin Heisig, findet darauf eine verblüffend einfache Antwort: die juristischen Möglichkeiten ausschöpfen! Aber: mit einem beschleunigten Verfahren. Innerhalb weniger Tage sollen die Täter vor Gericht stehen und mit ihren Taten konfrontiert werden - auch mit dem Leid der Opfer.

Hierfür muss sie sich Netzwerke schaffen (bei der Polizei, bei der Staatsanwaltschaft und bei den Familien der Straftäter) und den juristischen Apparat umbauen. Ihr Vorhaben wird zur Lebensaufgabe. Für das von ihr erfundene "Neuköllner Modell" führt sie einen zähen, über viele Jahre dauernden Kampf. Am Ende wird dieser zu einem Kraftakt, dem sie ihr Privatleben opfert und am Ende auch ihr Leben. Was im Film offen bleibt, gilt als erwiesen, Kirstin Heisig beging Suizid, sie erhängte sich im Wald.

Ein Kampf gegen Windmühlen, der mich schwindelig werden lässt. Und doch erscheint mir der Ansatz zwingend, weil er ganzheitlich ist und auch die soziale Situation der Täter und ihrer Familien erfasst  - und diese zur Problemlösung mit ins Boot nimmt.  Der Film wirft aber auch einen schonungslosen Blick auf die Schwerfälligkeit eines juristischen Apparates, der mit seinen Maßnahmen die Symptome bekämpft ohne sich den Ursachen zu nähern.

Stand: Tue Nov 13 00:00:00 CET 2018 Uhr

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