Druide Volkert Volkmann im Interview

Ein keltischer Fürst aus Holz. | Bildquelle: Kulturgeister e.V.

Volkert Volkmann - Musiker, Heilpraktiker, Druide

"Antworten auf wichtige Fragen erhalte ich alleine im Wald"

Göttliche Kräfte offenbaren sich in jedem Stein, jedem Baum und jeder Pflanze, sagt der Druide Volker Volkmann. Im Interview spricht er über seinen Glauben an die Natur, die Stille des Waldes und eine Nahtod-Erfahrung.

Volkert Volkmann. | Bildquelle: Volkert Volkmann

Herr Volkmann, woran glauben Sie?

Volkert Volkmann: Ich gebe mir Mühe, nicht nur einfach an irgendetwas zu glauben, sondern praktisches Wissen zu erlangen. Daher ist mein "Glaubenssystem" die Naturreligion. Sie ist vermutlich die älteste, natürlich gewachsene Religionsform unserer Zeit. Von anderen Glaubenssystemen, z.B. Christentum, Islam oder Judentum, unterscheidet sich Naturreligion deutlich dadurch, dass es keine "Offenbarungsreligion" ist, bei der Priester oder Propheten bestimmen, was richtig oder falsch im Sinne einer Gottheit ist. Vielmehr ist jeder Mensch angehalten, den Kontakt mit Göttern, Geistern und Naturwesen selbst zu suchen und eigene Weisheit zu finden. Spiritualität heißt für uns naturreligiöse Menschen, in erster Linie dem Wohl allen Seins verpflichtet zu sein. Es heißt in Liebe, achtsam, verantwortlich und tolerant zu handeln. Ich glaube, dass sich die göttlichen Kräfte in jedem Stein, jedem Baum, jeder Pflanze, jedem Tier und jedem Menschen offenbaren, wenn man es zulässt bzw. sich darin übt.


Zur Person

Volkert Volkmann lebt in einem kleinen Dorf in Hessen. Der Meditationslehrer erhielt 1979 in Schottland seine naturreligiöse Weihe und die Erlaubnis, sein Wissen als Lehrender weiterzugeben. Er ist Vorstand der "KultURGEISTER", dem Dachverband für traditionelle Naturreligion, und lebt den vorchristlichen, keltischen Glauben aktiv.

Wie sind Sie zu Ihrem Glauben gekommen – und wann?

Ich bin 1973 auf der Suche nach meinen Wurzeln fast zufällig mit meinen ersten großen Lehrern in Kontakt gekommen. Sie begleiteten meine ersten Schritte in die Bereiche der Esoterik, Geheimwissenschaften und Philosophie. Auf der Suche nach fun­diertem Wissen lernte ich bei verschiedenen Gruppierungen und Gemeinschaften, erhielt 1979 die Godenweihe, absolvierte 1985 den Wicca Master Degree und bin seit 1997 Druide. Seit dem Ende meiner Ausbildungen leite ich selbst rituelle Handlungen, Jahreskreis-Feiern und initiiere Kunst-Events in der Natur. 

Welche Rolle spielt Ihr Glaube - im Alltag, im Leben, im Beruf?

Volkert Volkmann sitzt mit Instrument auf einem bemosten Stein im Wald. | Bildquelle: Volkert Volkmann

Mein naturreligiöser Glauben ist der Kern meiner Lebensphilosophie. Er hilft mir, achtsam und liebevoll zu handeln und voller Mitgefühl durchs Leben zu gehen. Gleichzeitig erfahre ich den Wert und die Freude des Lebendigseins. Meine langjährigen täglichen Übungen (körperlich und mental) helfen mir selbst und vielen anderen Menschen körperlich und geistig fit zu bleiben und offen für die Botschaften der anderen Seite, die der Götter und Natur-Geister. Ein großer  Teil des alten Wissens über Heilkunde und Medizin erweitert und verbessert die Arbeit in meiner Naturheilpraxis.

Welche Reaktionen bekommen Sie von Menschen?

Sehr viele naturreligiöse Menschen fürchten Repressalien und trauen sich nur zögerlich an die Öffentlichkeit, weil sie schlechte Erfahrungen machen mussten. Allerdings finden unsere Veranstaltungen mittlerweile sehr viel mehr Zustimmung und Akzeptanz. So veranstalten wir Waldkunst-Events mit Kunstwerken aus Naturmaterial, bei Baumtagen mit Baum­pflanzun­gen haben wir in knapp 20 Jahren schon einige Hektar Mischwald und Baumkreise aufgeforstet. Auch unsere Lichterspiralen mit Harfenmusik erfreuen sich vieler begeisterter Besucher. Die Reaktionen sind sehr positiv und man merkt, wie sehr die Naturerfahrung Menschen verändert.

In welchen Momenten zweifeln Sie an Ihrem Glauben oder hadern mit ihm?

Im naturreligiösen Glauben zu leben, bestätigt sich eigentlich ständig. Kein Wunder, da man seine Entscheidungen selbst trifft und auch die Konsequenzen dafür tragen muss. Es gibt niemanden, der die Verantwortung für einen übernimmt und auch keinen, der die Sünden für andere büßt. Vielmehr wissen wir, dass jede "Tat", die man vollbringt, dreifach zu einem zurückkehrt, im Guten wie im Bösen. Religion ist in meinen Augen etwas, das Menschen verbindet und zu neuen besseren Lösungen für alle Menschen auf diesem Planeten beitragen kann. Dabei sind Frieden und Liebe die Voraussetzung tolerant miteinander umzugehen. Die Göttinnen und Götter schützen uns nicht vor Kriegen oder Naturkatastrophen.

Erzählen Sie uns von einem besonderen Glaubenserlebnis!

Mein wichtigstes Erlebnis war eine Nahtod-Erfahrung in früher Jugend. Dabei wurde mir bewusst, wie kostbar jeder Augenblick des Lebens ist. Aus dieser Erfahrung erwuchs der Wunsch wirkliches – inneres Wissen – zu erlangen und die Antworten auf Fragen des Lebens zu finden. Besonders intensive und heilige Erfahrungen waren die Geburten meiner Kinder, bei denen ich anwesend sein durfte, deren Segnungen an der heiligen Quelle in Barenton (Gemeinde in Frankreich, Anm. der Red.) und die vielen zauberhaften Treffen mit naturreligiösen Menschen an den heiligen Plätzen unserer Ahnen, oft abseits der Wege in der Stille des Waldes. Besonders und einzigartig war es am Heidentag der "KultURgeister" mit so vielen naturreligiösen Menschen im Kreis gemeinsam zusammenzukommen und die alten Tänze zu tanzen und Lieder zu singen. Antworten auf wichtige Fragen erhalte ich meistens alleine im Wald.

Das Interview führte Martin Walter

Stand: Thu Jun 08 09:42:28 CEST 2017 Uhr

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