Ernst Fritz-Schubert: "Glück kann man lernen"

Ernst Fritz-Schubert vor einer Schultafel mit der Aufschrift "Glück". | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Ernst Fritz-Schubert, Erfinder des "Schulfachs Glück"

"Glück kann man lernen"

2007 startete Ernst Fritz-Schubert als Direktor einer Heidelberger Schule ein außergewöhnliches Projekt. Um das Klima dort zu verbessern, erfand er das "Schulfach Glück". ARD.de wollte von ihm wissen, wie er persönlich den Begriff "Glück" definiert - und was man lernen muss, um glücklich zu werden.

 

ARD.de: Was bedeutet für Sie "Glück"?

Ernst Fritz-Schubert: Die deutsche Sprache hat uns einen sehr weit gefassten Glücksbegriff geschenkt. Für mich ist deshalb Glück weit mehr als nur der positive Zufall, wie er beim Lotteriegewinn vom Himmel fällt oder das Hochgefühl, wie es sich bei frisch Verliebten einstellt. Zum Glück oder besser gesagt zum Lebensglück gehören vor allem die Fülle der glücklicheren und weniger glücklichen Ereignisse des Lebens und der Umgang mit ihnen.

 

Bei welcher Gelegenheit waren Sie das letzte Mal glücklich?

Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, die mich glücklich machen. So wie der Pickel auf der Nase von gestern, den ich heute Morgen vergeblich im Spiegel suchte.

 

Wann ist Ihnen ein "großes Glück" begegnet, und wie hat dieses Ereignis Ihr weiteres Leben geprägt?

Als meine Tochter geboren wurde und neben dem Glücksmoment und dem unbeschreiblichen Stolz urplötzlich das Gefühl in mir erwachte, nun wirklich erwachsen geworden zu sein.

 

Haben Sie einen Trick, um sich einen Glücksmoment zu verschaffen?

Negative Gedanken vermiesen schon am Morgen den Tag. Unter der Dusche mache ich mich schon morgens auf die Suche nach den schönen Ereignissen, die an diesem Tag auf mich warten. Vorfreude ist ein unglaublicher Stimmungsaufheller. Genauso kann ich mir am Abend die Erlebnisse vorstellen, für die ich besonders dankbar bin, so werden vergangene Glücksmomente neu belebt.

 

Sie sind der Erfinder des Schulfachs Glück - ist Glück denn überhaupt erlernbar?

Ja, was macht denn einen glücklichen Menschen aus? Er hat gelernt, dass das Wesentliche in seinem Leben von seinen Haltungen und Einstellungen abhängt. Er ist kein Erdulder, sondern ein wirksamer Gestalter seines Lebens, der für sich Sinn gefunden hat und achtsam mit sich, seinen Mitmenschen und der Natur umgeht. In vielen Studien wurde bewiesen, dass man das lernen kann, um so körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen.

 

Das Interview führte Ingo Fischer

Stand: Fri Oct 04 15:23:00 CEST 2013 Uhr

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