Glossar zur ARD Themenwoche 2018: Gerechtigkeit von A bis Z

Glossar

Verschiedene Wörter zum Thema Gerechtigkeit. | Bildquelle: ARD.de

Gerechtigkeit von A bis Z

Politisch, philosophisch, persönlich: Gerechtigkeit ist ein komplexer und individueller Begriff, den Menschen unterschiedlich interpretieren und verwenden. Was gerecht und fair ist, darüber gehen die Empfindungen auseinander. Die ARD Themenwoche beleuchtet das Thema Gerechtigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln. Das Glossar listet häufig verwendete Begriffe von A bis Z auf.

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Niemand darf aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter oder sexueller Identität diskriminiert werden: Seit 2006 gilt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) mit dem Ziel Benachteiligungen jeder Art zu verhindern. (Siehe auch: Grundgesetz)

Äquivalenzeinkommen (ÄE)

Alle Einkommen in einem Haushalt werden zusammengerechnet und dann durch die Mitglieder nach einem bestimmten Berechnungsschlüssel geteilt, Erwachsene zählen hier anders als Kinder und Jugendliche. Die Berechnung mit Faktoren erleichtert die Vergleichbarkeit von Einkommen. Das Äquivalenzeinkommen wird unter anderem zu Fragen der Einkommensgerechtigkeit verwendet. Grundlage für die Berechnung ist die OECD-Skala (Organisation for Economic Co-operation and Development), der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Armut/Armutsgefährdung

Die Europäische Union hat definiert: Wer mit 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) in der Bevölkerung auskommen muss, gilt als armutsgefährdet. Arm ist, wer mit weniger als 50 Prozent haushalten muss. Das ist in Deutschland ein Jahreseinkommen von weniger als 11.530 Euro. 2016 liegt die Armutsgefährdungsquote in Deutschland bei 15,7 Prozent. Altersarmut bedroht mehr Frauen als Männer, denn Frauen bekommen aufgrund ihrer Erwerbsbiographien häufig weniger Rente.

Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE)

Ein sozialpolitisches Konzept: Jeder Bürger bekommt ein Grundeinkommen - ohne Prüfung seiner finanziellen Verhältnisse und ohne eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Das bedingungslose Grundeinkommen ersetzt alle anderen staatlichen Zahlungen und sichert die Existenz jedes Bürgers. Je nach Modell wird das Bürgergeld über Steuern wie zum Beispiel Konsum- und Luxusgüter, Einsparungen in der Bürokratie oder Besteuerung von Finanzprodukten finanziert.

Durchschnittseinkommen

Alle Einkommen einer Gruppe werden zusammengerechnet und durch alle Gruppenmitglieder dividiert, das Ergebnis ist der rechnerische Mittelwert der Einkünfte. So liegt beispielsweise der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich ohne Sonderzahlungen bei insgesamt bei 3.771 Euro (Männer 3.964, Frauen 3.300). (Vergleiche: Medianeinkommen)

Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG)

Das Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) soll für Transparenz sorgen und sicherstellen, dass Frauen und Männer bei gleichwertiger Arbeit gleichen Lohn erhalten. Das EntgTranspG sieht seit 2017 einen Auskunftsanspruch (bei Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern), betriebliche Prüfverfahren (mehr als 500 Mitarbeiter) und eine Berichtspflicht (mehr als 500 Mitarbeiter) vor.

Ergebnisgerechtigkeit

Nach diesem Konzept profitiert jedes Mitglied einer Gesellschaft gleichermaßen vom Nutzen dieser Gesellschaft. Die Regeln der Verteilung legt die Gemeinschaft fest. (Siehe auch: Verteilungsgerechtigkeit und Regelgerechtigkeit)

Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap (Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern) beschreibt den  Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern. Für die Berechnung ist das Statistische Bundesamt zuständig. Es gibt zwei Variationen: den unbereinigten und den bereinigten. Im unbereinigten Gender Pay Gap werden konkrete Unterschiede im durchschnittlichen Stundenlohn gemessen, im bereinigten fließen strukturelle Unterschiede wie Teilzeitarbeit, Kindererziehungszeiten, oder die Berufsauswahl mit in die Berechnung ein.

Generationengerechtigkeit

Unterschiedliche Generationen mit unterschiedlichen Lebensbedingungen sollen möglichst gerecht behandelt werden: Das Konzept der Generationengerechtigkeit steht vor enormen Herausforderungen in materiellen, ökologischen und sozialen Fragen zu Rentenversicherungen, Verteilung wirtschaftlicher Ressourcen oder sozialen Gerechtigkeit.

Gini-Index (Gini-Koeffizient)

Der Gini-Index ist ein statistisches Mittel und zeigt ungleiche Verteilungen, zum Beispiel beim Einkommen: Haben alle etwa gleich viel? Gibt es einige wenige, die ganz viel verdienen, andere wiederum ganz wenig? Je höher der Wert, desto ungleicher ist das Einkommen verteilt, ein Wert von 0 bedeutet absolute Gleichheit, ein Wert von 100 absolute Ungleichheit. In 2016 lag der Gini-Index für Deutschland bei 30,1. Im  Vergleich dazu: Spanien 35,9, Griechenland 36,7, Frankreich 33,1 oder Dänemark 29,1, Schweden 27,3 sowie Norwegen 25,9.

Globale Gerechtigkeit

Wie gerecht geht es zu in der Welt? Unter dem Begriff der globalen Gerechtigkeit versammeln sich Fragen rund um die wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Herausforderungen die die Globalisierung mit sich bringt. Dazu gehören der internationale Handel, die globalen Finanzmärkte, der weltweite Klimaschutz, zentrale Fragen der Armut und der Bevölkerungsentwicklung, Arbeitsmärkte und Entwicklungspolitik, aber auch die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen.

Grundgesetz, Artikel 3

In Artikel 3 im Grundgesetz steht: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, gleichberechtigt und vor Benachteiligungen durch Diskriminierung jeglicher Art geschützt. Diese Gleichheit vor dem Gesetz soll sicherstellen, dass alle Menschen die gleichen Chancen haben, ihr Leben zu gestalten. (Siehe auch: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG))

Grundsicherung für Arbeitsuchende

Die Grundsicherung für Arbeitsuchende, das Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich Hartz IV genannt, ist im Zweiten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB II) geregelt. Hier sind zum einen die finanziellen Leistungen, zum anderen die Anforderungen an Arbeitslose definiert. Zurzeit beträgt der Regelsatz für Erwachsene ohne Kinder 416 Euro, mit dem der Lebensunterhalt gesichert werden soll. In diesem Regelsatz sind die Kosten für Unterkunft nicht enthalten, diese werden zusätzlich bezahlt.

Medianeinkommen (Mittleres Einkommen)

Die Einkommen einer bestimmten Gruppe werden von niedrig nach hoch sortiert. Der mittlere Wert definiert das Medianeinkommen, das den Datensatz in eine untere und eine obere Hälfte teilt. Auf einem Zahlenstrahl von 1-2–3-4-5-6-7 ist der mittlere Wert die 4. Im Gegensatz zum Durchschnitt, wo ein höherer Einzelwert auch immer den Durchschnitt erhöht, verdeutlicht das Medianeinkommen die tatsächlichen Unterschiede. (Vergleiche: Durchschnittseinkommen)

Regelgerechtigkeit

Gleiches Recht für alle in diesem Konzept: Alle Mitglieder einer Gemeinschaft unterliegen denselben Regeln. Der Staat sorgt für die gesetzliche Gerechtigkeit in seinen verbindlichen Gesetzen. (Siehe auch Ergebnisgerechtigkeit und Verteilungsgerechtigkeit)

Solidarisches Grundeinkommen

Das solidarische Grundeinkommen, eine Idee des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller (SPD), soll Unterstützung für Langzeitarbeitslose bringen. Diese sollen Arbeiten in den Kommunen gemeinnützig übernehmen, wie zum Beispiel öffentliche Gärten hegen, Sperrmüll beseitigen oder Menschen beim Einkaufen begleiten, und dafür den Mindestlohn erhalten. Das solidarische Grundeinkommen ist an den "sozialen Arbeitsmarkt" gekoppelt, der Langzeitarbeitslose in sozialversicherungspflichtige Jobs bringen soll.

Soziale Gerechtigkeit / Sozialstaat

Soziale Ungerechtigkeit ist schnell definiert: Einkommen, die nicht zum Leben reichen, Renten nahe dem Existenzminimum, keine Chancengleichheit für Kinder aus bildungsfernen Schichten oder große Vermögen einzelner zu Lasten der Gemeinschaft. Soziale Gerechtigkeit steht für gleiche Rechte, gleiche Behandlung, gleiche Verteilung der Ressourcen einer Gesellschaft, aber auch gleiche Pflichten der einzelnen Mitglieder einer Gesellschaft. (Siehe auch: Verteilungsgerechtigkeit)

Soziale Mobilität

Wie steht es um die Entwicklungschancen in einer Gesellschaft? Beförderung, Berufswechsel oder Wechsel der sozialen Stellung: Die Betrachtung der sozialen Mobilität verdeutlicht, wie Bewegungen die Chancen jedes Einzelnen in einer Gruppe beeinflussen.

Steuergerechtigkeit

Mit Steuergeldern werden öffentlichen Aufgaben wie zum Beispiel Infrastruktur, Bildung, Gesundheitswesen oder Polizei finanziert. Dabei gilt das Leistungsfähigkeitsprinzip: Besserverdienende zahlen mehr als Geringverdiener, Familien werden anders veranschlagt und die Gleichmäßigkeit der Besteuerung: Alle in einer Steuerklasse werden gleich belastet.

Verfahrensgerechtigkeit

Nachvollziehbare Entscheidungskriterien wie Rechtmäßigkeit, Genauigkeit oder Konsistenz sorgen dafür, ob und wie die Entscheidungen wahrgenommen werden. Entscheidungen im Rahmen der gesellschaftlichen Spielregeln werden als fair empfunden, solange sie in diesem Rahmen bleiben. (siehe auch: Regelgerechtigkeit)

Verfügbares Einkommen

Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalten berechnet sich aus allen Einkünften, die in einem Haushalt zur Verfügung stehen, nachdem alle Abgaben wie Steuern subtrahiert oder Einkünfte wie Kindergeld addiert wurden. Im Jahr 2016 lag der Wert laut dem Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder bei 21.919 Euro pro Einwohner. Zum Vergleich: Im Jahr 1991 hatten die Menschen in Deutschland 12.560 Euro zur Verfügung.

Verteilungsgerechtigkeit

Gerecht verteilen, was es zu verteilen gibt: Grob vereinfacht geht es in diesem Konzept um die Ressourcen, die eine Gesellschaft zu verteilen hat und die Fairness, mit der sie es tut. Beim Einkommen ist es der Lohn, den der Einzelne aufgrund seiner Leistungen erhält oder welche Steuern der Staat auf Einkommen erhebt. Bildungsangebote, die der Staat zur Verfügung stellt und die der Allgemeinheit gleichermaßen zur Verfügung stehen, sollen die Fairness unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Alter oder Religion, sicherstellen. (Siehe auch: Ergebnisgerechtigkeit, Regelgerechtigkeit, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz)

Volkseinkommen

Das Volkseinkommen setzt sich aus dem Unternehmens- und Vermögenseinkommen sowie den Arbeitnehmerentgelten eines Landes zusammen. Das Arbeitnehmerentgeld ist die Summe aller Löhne und Gehälter vor Abzug aller Sozialbeiträgen und Steuern. Das Unternehmens- und Vermögenseinkommen setzt sich aus den Unternehmensgewinnen (netto nach allen Ausgaben wie Löhnen, Versicherungen und ähnlichem) und Vermögensgewinnen, beispielsweise Mieten und Zinsen zusammen.

Zeitarbeit

Befristet arbeiten: Leiharbeiter sind bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt und werden für Projekte, Aufträge oder Engpässe an andere Firmen ausgeliehen. Die Bedingungen für alle Beteiligten sind im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) geregelt.

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