Götz Werner: "Streben nach Glück"

Drogist und "dm"-Gründer Götz Werner. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Götz Werner, dm-Gründer und Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens

"Streben nach Glück muss man sich leisten können"

Als Gründer der Drogeriemarktkette "dm" hat sich Unternehmer Götz Wolfgang Werner einen Namen gemacht. Mit seinem betont unautoritären Führungskonzept beschritt er völlig neue Wege - und bewies, dass Vertrauen in seine Mitarbeiter dem wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens keinesfalls im Wege steht. Mit ARD.de sprach er über seine Idee eines "bedingungslosen Grundeinkommens" als wesentliche Voraussetzung, überhaupt nach Glück streben zu können.

 

ARD.de: Was bedeutet für Sie "Glück"?

Götz Werner: Wenn ein Moment stimmig ist, das ist ein Glück. Dafür braucht es die richtige Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wer im Einklang mit seiner Umwelt und seinen eigenen Intentionen und Fähigkeiten aktiv wird, der ist glücklich.

 

Bei welcher Gelegenheit waren Sie das letzte Mal glücklich?

Wenn ich erkenne, wie ich meine Frau glücklich machen kann. Jeden Tag gibt es viele momentane Glücksgefühle. Die Frage ist, ob man sie bemerkt.

 

Forderung nach dem bedingungslosen Grundeinkommen bei 1.-Mai-Demo (2009). | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Wann ist Ihnen ein "großes Glück" begegnet, und wie hat sich dadurch Ihr Leben verändert?

Ich habe das Glück gehabt, meine Frau getroffen zu haben. Und ich habe das Glück gehabt, dass meine Chefs 1972 mein Konzept für einen discountierenden Drogeriemarkt nicht umsetzen wollten, sodass ich mich selbstständig gemacht habe. Und zu jedem großen Glück, aus dem eine Verbindung zu einem Menschen oder zu einer Aufgabe erwächst, braucht es anschließend immer wieder das nötige Quäntchen Glück, damit die Beziehung lebendig bleibt und nicht erstarrt.

 

Haben Sie einen Trick, um sich einen Glücksmoment zu verschaffen?

Mit einem Trick geht es nicht. Das Glück kann man nicht erzwingen. Aber man kann der Welt und den Menschen aufgeschlossen begegnen. Meine Erfahrung ist, wenn es mir gelingt, mich einer Situation erlebend gegenüberzustellen, kann ich eher den Moment bemerken, in dem ich weiß, dass etwas richtig ist. Dass es stimmig ist.

 

Cover Götz-Werner-Autobiografie: "Womit ich nie gerechnet habe" (erschienen September 2013). | Bildquelle: Econ-Verlag

Kann jeder Mensch glücklich werden - oder ist dies von bestimmten Voraussetzungen abhängig?

Glück braucht Einsicht und Selbstverantwortung. Für Selbstverantwortung ist Freiheit die Grundlage. Die Aufgaben zu ergreifen, die man selbst als sinnvoll erkennt, kann nur derjenige, der es sich leisten kann, "Nein" zu sagen. Und das kann nur ein Mensch, dessen Existenzbedürfnisse gesichert sind. Darum plädiere ich für ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden Bürger.

 

Das Interview führte Ingo Fischer

Stand: 17.09.2013, 12.32 Uhr

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