Home is where my WLAN is

Ein ausgeschilderter Hotspot. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Off - oder online: Leben im digitalen Zeitalter

Home is where my WLAN is - #rly?*

Anna Stadelmann

Mein Lebensraum ist das Internet: Jeden Tag und überall bin ich mit meinen Lieblingsmenschen und Netzbewohnern auf der ganzen Welt verbunden. Ein unendlich spannender, inspirierender, nie versiegender Nachrichtenstrom versorgt mich mit Input und ich sauge gierig auf, was mir bit- und byteweise ins Hirn gespült wird. *(Erläuterungen zum Netzjargon finden sie in der rechten Spalte unter "Links im WWW")

Oft blicke ich, nur mittelgut gelaunt, auf mein Handy und ertappe mich dabei, wie ich plötzlich wie manisch in mich hineinkichere. Weil ein Meme in meiner Timeline landet, das eine Situation perfekt trifft. Ein Tweet erscheint, der einfach alles sagt. Oder eine liebe Nachricht ankommt, die sämtliche #Orrrr, #FAIL und #WTF verblassen lässt. Zurück bleibt ein einziges, herzerwärmendes #Hach.

Denn ein animiertes Katzen-GIF ist viel mehr als ein paar bewegte Pixel, davon bin ich überzeugt. Das Teilen - seien es Nachrichten, Ideen oder eben Katzenbilder - hat dank der sozialen Netzwerke eine neue Dimension gewonnen: Die Quellen sind unendlich viele geworden; die Welt ist größer, interessanter und bunter geworden.

Nicht ohne mein WLAN. In der ganz persönlichen Bedürfnispyramide der Autorin, sind die sozialen Netzwerke und das Internet die Basis für ein zufriedenes Dasein.

Kein Wunder, dass sich eine ungeahnte Nervosität in mir breit macht, wenn die Verbindung zum weltweiten Netz abzureißen droht. Um diesen Super-GAU der Unerreichbarkeit abzuwenden, logge ich mich möglichst überall ins lokale WLAN ein. Sei es bei der Arbeit, bei Freunden oder im Klinikbett: Home is, where my WLAN is.

Doch dass dieses Bedürfnis nach ständiger Vernetzung durchaus relativ ist, wurde mir schlagartig klar, als ich voriges Jahr durch Indien reiste. Meine Freundin Annika und ich waren uns bei der Wahl unserer Unterkünfte immer schnell einig. Egal wie erschöpft wir von diesem lauten, bunten und schrillen Land waren - unsere erste Frage an der Rezeption lautete: "Do you have Wi-Fi?" Denn nur mit einer stabilen Internetverbindung fühlten wir uns wirklich angekommen.

Nach einigen Wochen im warmen Süden des Landes wollten wir unsere erste Nacht am Fuße des Himalaya verbringen. In Narkanda, einem auf 3.000 Höhenmetern gelegenen Dorf, erwartete uns eine schöne Unterkunft - mit süßem Chai und schnellem Internet. Was wollten wir mehr?

Das sollte sich am Abend zeigen, als wir uns bettfertig machen wollten. Es gab keine Heizung, geschweige denn warmes Wasser. Das Bettzeug war kalt und feucht, und an einen erholsamen Schlaf nicht zu denken. Da half auch der schönste Blick auf die Berge nicht - und erst recht nicht dieses verrückte Internet.

Fröstelnd und mit blauen Lippen überarbeiteten Annika und ich unsere Prioritätenliste: Erst Wärme, dann WLAN! Damit gingen wir auf die Suche nach einer beheizten Herberge und waren auf der Reise um mindestens eine Erkenntnis reicher geworden: Ein Leben ohne Internet ist durchaus möglich. Solange nur die Füße warm sind!

Stand: Wed Nov 19 10:30:00 CET 2014 Uhr

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