Interview mit Abdelkarim

Comedian Abdelkarim Zemhoute. | Bildquelle: Pressefoto

Abdelkarim, Comedian

"Wir werden alle tolerant geboren"

Abdelkarim ist Bielefelder mit marrokanischen Wurzeln und erzählt authentisch und selbstironisch Geschichten aus seinem Leben. Sein rasanter Aufstieg auf den Comedyshows und in den renommierten Kabarettbühnen brachte ihm Auszeichnungen. Im Interview mit ARD.de erklärt er, warum man mit Comedy toleranter wird.

ARD.de: Was ist für Dich Toleranz?

Abdelkarim: Toleranz heißt für mich einfach mal klar kommen. Man sollte jeden Menschen so akzeptieren wie er ist, anstatt sich in sinnlosen Diskussionen und Gedankengängen die facettenreiche Lebenswirklichkeit zu zerreden.

Bei welcher Gelegenheit hast du Dich zum letzten Mal tolerant gezeigt?

Das war in der Nachweihnachtszeit. Ein schwules Pärchen hat mich gefragt, ob ich beim Tannenbaum-Entsorgen helfen könnte. Sie weisen mir den Weg und ich schleppe. Ich wusste ganz genau: Wenn ich das mache, ist meine Street Credibility (dt. Übersetzung: Glaubwürdigkeit auf der Straße) für das Jahr 2014 aufgebraucht. Aber ich hab's trotzdem gemacht. Mein Freund Ali hat mir erst davon abgeraten, dann hat er mir geholfen. Damit's schnell geht.

Wann warst Du das letzte Mal intolerant?

Im Kino. Ich wollte mit Ali ins Kino, aber er wollte unbedingt irgendeinen Müllfilm gucken - vollgespamt mit Weltuntergangsszenarien und Special Effects, die vom nicht vorhandenen Drehbuch ablenken sollten. Da hört für mich Toleranz auf.

Kann man Toleranz lernen?

Das Schöne an Toleranz ist, dass man sie nicht erst lernen muss. Ich bin mir sicher, dass wir alle tolerant geboren werden. Jedes Kind kommt mit einer extra Portion Toleranz auf die Welt. Deswegen bekommen Kinder zum Beispiel nie Panik, wenn ich mit Vollbart und Koffer in den Zug steige. Wir Erwachsenen sollten lernen uns die angeborene Toleranz nicht von negativen Einflüssen verderben zu lassen.

Wo fehlt es in unserer Gesellschaft besonders an Toleranz?

Wo Toleranz besonders fehlt kann ich nicht sagen. Aber sie fehlt definitiv im Alltag. Man sollte nicht nur auf die Sozialarbeiter hoffen und die Politik machen lassen. Zwar leisten vor allem die Sozialarbeiter hervorragende Arbeit, aber man sollte selber auch aktiv werden. Man kann z.B. damit anfangen, dass man sich ehrlich fragt: "Wie tolerant bin ich und tu' ich wirklich alles, was ich tun könnte für mehr Toleranz und Akzeptanz?".

In Deinem Programm spielst Du mit den Vorurteilen zwischen Deutschen und Ausländern. Sind das Situationen, wie Du sie tatsächlich erlebst oder erlebt hast?

Das wahre Leben schreibt die lustigsten und interessantesten Geschichten. Die allermeisten Geschichten sind entweder so passiert oder sie haben im wahren Leben ihren Ursprung und wurden für die Bühne etwas überspitzt.

Glaubst Du Comedy macht toleranter?

Gemeinsames Lachen ist immer gut. Daher macht Comedy definitiv toleranter. In meinem Programm kommen erfreulicherweise alle möglichen Menschen aus allen Altersstufen und ethnischen Herkunftsecken zusammen. Und wenn sie gemeinsam über Lustiges und Absurdes aus dem Alltag lachen, dann bekommt die angeborene Toleranz eine extra Portion Luft zum Atmen.

Das Interview führte Karola Kallweit.

Stand: 20.05.2015, 02.28 Uhr

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