Karsten Schwanke: "Ich fühle mich mitverantwortlich für das Glück der Zuschauer"

Meteorologe und Wettermoderator Karsten Schwenke. | Bildquelle: ARD/Ralf Wilschewski

Karsten Schwanke, Meteorologe und Wettermoderator

"Ich fühle mich mitverantwortlich für das Glück der Zuschauer"

Mit dem Wetter kennt sich Karsten Schwanke bestens aus: Er ist Meteorologe und moderiert die Wettervorhersage vor der 20-Uhr-Tagesschau. Und weil unsere Stimmungslage zu einem nicht geringen Teil vom Wetter abhängig ist, hat er einen kleinen Trick, mit dem er uns selbst bei Dauerregen etwas aufheitern will.

 

ARD.de: Was bedeutet für Sie "Glück"?

Karsten Schwanke: Gesundheit und Frieden - so lapidar das klingt, wir können es nicht oft genug betonen, ich was für einen behüteten Welt wir aufwachsen und leben. "Glück" selbst ist eher ein Gefühl, das sich schlecht in Worte fassen lässt. Es entsteht in den Momenten, die mich berühren und oft auch sprachlos zurücklassen - sprachlos vor Glück eben. Meist sind es die stillen, kleinen Momente, die sich durch nichts in der Welt kaufen lassen.

Bei welcher Gelegenheit waren Sie das letzte Mal glücklich?

Ich habe vorhin ein kleines Geschenk für einen Freund gekauft - und dabei einen Laden entdeckt, in dem es wahnsinnig schönes Geschenkband gibt, in verschiedenen Farben und Stoffen. Das Geschenk wird jetzt von zig Schleifen umhüllt und sieht einfach super aus (lächelt).

 

Wann ist Ihnen ein "großes Glück" begegnet, und wie hat dieses Ereignis Ihr weiteres Leben geprägt?

Großes Glück ist selten. Aber der 11. November 1989, der Mauerfall, war so ein besonderer Glückstag. Für mich als DDR-Bürger natürlich ein einschneidendes Erlebnis. Auch in den Tagen und Wochen vor und nach diesem Tag gab es so viele, besondere Momente, die alle zusammen "groß" waren.

Karsten Schwanke in Spitzbergen. | Bildquelle: privat

Ein anderes großes Glück ist der Beruf, den ich ausübe. So konnte ich als Reporter und Moderator die entferntesten Orte der Welt bereisen. Wie zum Beispiel Spitzbergen in der Arktis. Der Polartag, also 24 Stunden Sonnenschein, hat mich überwältigt. Obwohl ich theoretisch aus der Schule weiß, dass dort im Sommer die Sonne nicht untergeht - es ist bizarr. Die Sonne bewegt sich im Kreis um einen herum und man braucht einen Kompass, um festzustellen, ob es jetzt 12 Uhr mittags oder nachts ist.

 

Haben Sie einen Trick, um sich einen Glücksmoment zu verschaffen?

Die Natur zu suchen. Draußen, an der frischen Luft und den Blick in den Himmel gerichtet. Da fehlt nicht mehr viel und ich bin glücklich. Ziemlich gut gelingt mir das auch auf längeren Jogging-Runden - da wird das Gehirn durchgepustet und alles fällt von einem ab.

 

Wie stark hängt Ihr Glück vom Wetter ab?

Naturerlebnisse haben eine besondere Anziehungskraft auf mich. Ganz besonders die vielen Farben am Himmel - bei einem Gewitter oder einem Sonnenuntergang. Das sind Momente, in denen ich immer wieder kurz innehalte, um dieses Schauspiel genießen zu können. Auch das ist für mich Glück.

 

Wenn das Wetter gerade wieder einmal so richtig mies ist, geben Wettermoderatoren gerne einen Ausblick auf strahlenden Sonnenschein irgendwann in ferner Zukunft. Tun sie das, weil sie sich für das Wohlbefinden der Bevölkerung mitverantwortlich fühlen?

Das ist natürlich eine Gratwanderung, denn letztlich müssen wir zuallererst das Wetter richtig vorhersagen. Ich verstehe mich aber durchaus als Dienstleister den Zuschauern gegenüber und fühle mich auch etwas mitverantwortlich für deren Glücksempfinden. Da ich die Stimmungslage von vielen Freunden, Bekannten oder Kollegen hautnah mitbekomme, wäre es doch reichlich unsensibel, nicht darauf einzugehen. Aber: Nichts versprechen, was zu überhöhten Erwartungen führt. Dann geht nämlich der Schuss nach hinten los.

 

Das Interview führte Ingo Fischer

Stand: 09.10.2013, 17.54 Uhr

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