Linda Zervakis: "Es ist ein riesiges Glück, meinen Job machen zu dürfen"

Linda Zervakis im Tagesschau-Studio. | Bildquelle: NDR/Dirk Uhlenbrock

Linda Zervakis, Tagesschau-Sprecherin und Themenwochen-Patin

"Es ist ein riesiges Glück, meinen Job machen zu dürfen"

Dass sie seit Mai Sprecherin der Tagesschau-Hauptausgabe ist, kann Linda Zervakis selbst noch kaum glauben: Zu schlecht schätzte die Tochter griechischer Gastarbeiter ihre Chancen ein, dass aus ihr einmal "etwas Großes" wird. Und doch hat sie es geschafft. Im Interview mit ARD.de spricht sie über ihre Aufgabe als Themenwochen-Patin.

 

ARD.de: Was bedeutet für Sie "Glück"?

Linda Zervakis: In erster Linie mein Sohn. Wenn er am Tag wieder drei neue Wörter kann oder sich freut, dass Mama um die Ecke kommt: Das sind Glücksmomente. Wichtig sind auch Freunde und Familie. Um einen aufzufangen und um Zusammenhalt zu spüren.

Bei welcher Gelegenheit waren Sie das letzte Mal glücklich?

Glücklich ist man oft in Momenten, in denen man merkt, dass man mit Humor weiterkommt. Als ich kürzlich mit einer anderen Fahrradfahrerin zusammengeknallt bin, hab ich mich erst über sie geärgert. Aber durch ihre freundliche Reaktion hat sie mir sofort den Wind aus den Segeln genommen. Mit Humor oder mit Freundlichkeit kann man viele Situationen lösen.

 

Haben Sie einen Trick, um sich einen Glücksmoment zu verschaffen?

Mir hilft, mit meinem Sohn einfach mal vor die Tür zu gehen, den Alltag in eine Schublade zu stecken - und einfach mal "Cut" zu sagen.

 

Welchen besonderen Bezug zum Glück haben Sie als Patin der ARD-Themenwoche? 

Da spielt meine persönliche Geschichte eine große Rolle. Ich komme aus einer Familie ohne großartige Beziehungen, ohne ein Umfeld, bei dem man dachte: Aus der wird garantiert noch mal irgendwas ganz Großes; ganz im Gegenteil. Es ist ein riesiges Glück, meinen Job machen zu dürfen. Ich muss mich ja selber immer noch mal kneifen, wenn ich um 20:00 Uhr zur "Tagesschau" begrüße. Ich habe nicht getrickst, bin einfach meinen Weg gegangen. Und habe mich zwischendurch vielleicht manchmal Sachen getraut, die sich nicht jeder getraut hat. Als Patin der ARD-Themenwoche möchte ich zeigen, dass man auch ohne geradlinigen Lebenslauf etwas erreichen kann.

 

Den Deutschen wird eine gewisse Unfähigkeit zum Glücklichsein nachgesagt. Sie haben durch Ihr Elternhaus den Vergleich mit der griechischen Kultur - können Sie das bestätigen?

Viele Deutsche neigen tatsächlich zum Pessimismus. Ich weiß nicht, welche Wolke über diesem Land hängt. Uns geht es doch gut. Mein Eindruck ist: Wer sich ein bisschen in der Welt umschaut, der kommt wieder zurück und merkt, dass es gar nicht so schlecht ist. Ich war im Sommer in Griechenland und habe erlebt, dass es vielen Menschen dort wirklich dreckig geht. Trotzdem machen sie einen entspannten Eindruck. Mir scheint, dass sie von ihrer Haltung her glücklicher sind.

 

Das Interview führte Ingo Fischer

Stand: 04.10.2013, 09.55 Uhr

Darstellung: