Macht das Internet intolerant?

Ein Schild mit der Beschriftung "Arschloch" platziert auf einem Teller. | Bildquelle: colourbox.de

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Online-Debatten und Veganismus

Von "Leichenfressern" und "Körnerkackern"

Anikke Fischer

In den Kommentarspalten im Internet geht die Post ab: Bei bestimmten Themen ist schon vorher abzusehen, dass die Leser mit Freuden verbal aufeinander einprügeln. Sind wir Menschen wirklich so intolerant, wie es hier manchmal den Anschein hat? Wir haben uns als ein Beispiel von vielen die emotionalen Online-Debatten zu Veganismus ausgesucht.

"Gutmenschen-Ethik-Extremist", "Mörder“, "Intoleranter Vegan-Nazi", "Leichenfresser", "Körnerkacker": nur einige Beispiele dafür, wie der verbale Schlagabtausch von Veganern und Nicht-Veganern im Netz schnell in Beleidigungen ausartet. Denn sobald Themen wie Fleischkonsum oder Tierhaltung in den Mittelpunkt von Diskussionen in Kommentarspalten rücken, geraten sachliche Debatten oft schnell in den Hintergrund. Dabei ließe sich das Thema "vegan leben oder nicht" trefflich diskutieren, findet die vegane Philosophin Friederike Schmitz. Zum Beispiel anhand von Fragen wie: "Ist es okay, Tiere als Waren oder Ressourcen für unsere Zwecke zu gebrauchen? Inwieweit müssen wir auf Tiere Rücksicht nehmen? Ist das Töten von Tieren per se ein Problem?"

Auch der - nicht vegane - Ernährungssoziologe Dr. Simon Reitmeier sieht interessante Denkansätze. "Wie würden Landschaft und Landwirtschaft aussehen, wenn sich alle vegan ernähren würden? Wie würden sich nationale und regionale Essgewohnheiten verändern? Und: Kann man einen Ernährungsstil für die Allgemeinheit verbindlich machen, der so viel Disziplin voraussetzt, wenn schon jetzt viele Menschen Probleme haben, sich gesund zu ernähren?"

Verbaler Krieg statt sachlicher Diskussion beim Thema Veganismus - vielleicht ist das gar nicht so verwunderlich. Schließlich ist Erregung laut Psychologie-Professor Arvid Kappas von der Jacobs University Bremen einer der Hauptfaktoren, der Leser zum Kommentieren von Themen treibt. Dabei müsse es sich nicht zwingend um Wut oder Ärger handeln, denn auch Freude könne zum Schreiben veranlassen. Mit der Abgabe eines Kommentars sei den Emotionen Ausdruck verliehen, wodurch sie schnell wieder verpufften: "Die Erregung sinkt, und das gibt dem Menschen ein gutes Gefühl."

Stand: Sat Nov 15 06:15:00 CET 2014 Uhr

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