Macht das Internet intolerant? - Teil 4

Mann spielt Gitarre. | Bildquelle: colourbox.de

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Online-Debatten und Veganismus

"Der Ton macht die Musik"

Anikke Fischer

Trotz all der fiesen Beleidigungen und Schimpfwörter gibt es zahlreiche Gegenbeispiele, die zeigen, dass Diskussionen im Netz auch in einem respektvollen Rahmen geschaffen werden können.

Der veganen Bloggerin Kathrin Tetzlaff gelingt genau das. Dafür schafft sie in ihrem Blog "einbisschenvegan.de" eine angenehme Atmosphäre unter den kommentierenden Lesern, die durch freundliche Leserbeiträge geprägt ist. Vielleicht gelingt ihr das auch deshalb, weil sie mit ihrem Motto "Jeder Teller zählt!" ganz klar definiert, welche Gruppe sie anspricht: "Ich bediene Menschen, die Veganismus toll finden, es aber nicht zu 100 Prozent schaffen." Denn selten habe sie es mit einer "heterogeneren Gruppe" zu tun gehabt: "Es gibt nicht den einen Veganer, und es gibt viele unterschiedliche Gründe, vegan zu werden. Es sind auch nicht alle tierlieb."

Der Vorteil der Gesprächskultur innerhalb eines monothematischen Blogs ist ihrer Ansicht nach folgender: "Ich vergleiche es mit einem Musikfestival: Wenn die Fans auf dein Konzert kommen, wollen sie auch deine Band hören. Das allein schafft schon mal Gemeinsamkeit. Wenn sie aber auf ein Musikfestival gehen, spielen dort 20 verschiedene Gruppen und ebenso unterschiedlich sind auch die Einstellungen der Besucher." Für den weiteren Umgangsstil ist dann der Blogbetreiber verantwortlich, sagt Tetzlaff: "Der Ton macht die Musik."

Ihr eigenes Kommentarverhalten auf anderen Seiten handhabt die Erzieherin so: "Manche Kommentare sollte man sich auch einfach mal verkneifen. Im wahren Leben denkt man auch Vieles und spricht es nicht aus."

Dass ein Dialog zwischen Veganern und Nicht-Veganern trotz aller Unterschiede gelingen kann, davon ist die vegane Philosophin Friederike Schmitz nach wie vor überzeugt. Schließlich hält sie Vorträge zum Thema Tier-Ethik, zu denen sich auch Nicht-Veganer gesellen. "Und dabei entstehen oft sehr interessante Diskussionen."

Damit solche geschaffen werden können, braucht es nach Ansicht des Ernährungssoziologen Simon Reitmeier "einen respektvollen Umgang mit anderen Meinungen. Und: Man sollte niemanden auf- oder abwerten wegen seines Ernährungsstils. Sonst landet man immer dabei, dass sich einer über den anderen erhebt und es nur darum geht, wessen Weg der bessere ist."

Stand: 15.11.2014, 06.15 Uhr

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