Matthias Dhammavaro Jordan

Der ehemalige buddhistische Mönch, Matthias Dhammavaro Jordan. | Bildquelle: piivat

Matthias Dhammavaro Jordan, Achtsamkeitstrainer und ehemaliger buddhistischer Mönch

"Wer glücklich sein will, muss loslassen können"

Mit 33 Jahren trat Matthias Dhammavaro Jordan nach einer Thailand-Reise in ein buddhistisches Kloster ein und führte anschließend zwölf Jahre lang ein Leben als Mönch. ARD.de sprach mit dem Autor, Achtsamkeits- und Meditationstrainer über die Hürden auf dem Weg, sein Glück zu finden.

 

ARD.de: Was bedeutet für Sie "Glück"?

Matthias Dhammavaro Jordan: Glück bedeutet für mich ein Zustand des Seins, wenn das Leben gerade alle meine Bedürfnisse befriedigt, wenn es keine großen Schwierigkeiten oder Konflikte gibt und ich deswegen ein inneres, zufriedenes, freudvolles Lächeln fühle.

 

Bei welcher Gelegenheit waren Sie das letzte Mal glücklich?

Das letzte Mal fühlte ich dieses innere Lächeln vor ein paar Tagen, als ich meinen Sohn anschaute, unsere tiefe Verbindung spürte und mich darüber freute, dass es uns beiden miteinander gut geht. Dann stellte ich an diesem Morgen die Möbel meines Zimmers um und freute mich darüber, wie es dann aussah, und ich fühlte tief in mir: Jetzt gerade, in diesem Moment, ist alles wirklich gut in meinem Leben.

 

Matthias Dhammavaro Jordan in seiner Zeit als buddhistischer Mönch. | Bildquelle: privat

Wann ist Ihnen ein "großes Glück" begegnet, und wie hat sich dadurch Ihr Leben verändert?

Als ich damals, 1986, als Tourist in Thailand unterwegs war, hatte ich das große Glück, dass mir jemand von der Möglichkeit erzählte, an einem Meditationskurs in einem buddhistischen Kloster teilzunehmen. Nach diesen zehn Tagen war für mich alles anders. Ich fühlte mich sehr beseelt, erfüllt, beschenkt, ja - glücklich, auf so viele meiner Fragen Antworten bekommen und die Meditation kennengelernt zu haben. Diesem glücklichen Umstand verdankte ich es, dass ich mich zwei Jahre später als buddhistischer Mönch ordinieren ließ. Das hat mein Leben grundlegend verändert, denn ich lebte zwölf Jahre dieses Leben.

 

Haben Sie einen Trick, um sich einen Glücksmoment zu verschaffen?

Der "Trick" ist für mich, eine Haltung dem Leben und seinen Ereignissen gegenüber einzunehmen, die den gegenwärtigen Moment schätzt. Ich erfreue mich an den kleinen Dingen des Alltags und erinnere mich daran, dass es nicht unbedingt selbstverständlich ist, ein gesundes, freudvolles Kind zu haben, eine Frau an meiner Seite, die mich liebt, einen vollen Kühlschrank, ein Dach über dem Kopf und einen - noch - gesunden Körper und all die anderen angenehmen Dinge des Lebens. Dinge, die wir meist als selbstverständlich annehmen und oft erst dann zu wertschätzen beginnen, wenn sie uns irgendwann einmal verlassen haben.

 

Matthias Dhammavaro Jordan: "Ruheloser Geist trifft Achtsamkeit - Aus der Zeit in den Moment" (März 2013). | Bildquelle: Via Nova Verlag

Jeder Mensch ist auf der Suche nach Glück - aus welchen Gründen finden es viele nicht?

Die meisten Menschen laufen mit der Vorstellung durchs Leben, dass das Glück etwas Großes, Unnahbares und etwas sehr Seltenes ist. Und wenn es dann mal zu mir kommt, sollte es auch immer und ewig bei mir bleiben. Mit dieser Vorstellung und Hoffnung bewegt sich der Geist in die Zukunft und so passiert genau das, was ich oben beschrieben habe: Die Aufmerksamkeit in die Zukunft gerichtet, laufen wir an den "kleinen", schönen, angenehmen Dingen des Alltags direkt vorbei, ohne sie wertzuschätzen - ja oft, ohne sie überhaupt wahrzunehmen.

 

Und wie können wir das ändern?

Tief in uns haben wir ein Wissen, das vielleicht aus den Erfahrungen entstanden ist, die uns das Leben lehrte: dass nie etwas so geblieben ist, wie es sich uns anfangs darstellte. Wir berühren hier eine Grundwahrheit unserer Existenz: die Tatsache der Unbeständigkeit. Wenn wir unser Glück an Ereignisse binden, deren Natur die Unbeständigkeit ist, verbunden mit der Hoffnung, dass etwas immer so bleiben soll, werden wir leiden müssen. Akzeptiere ich jedoch die Unbeständigkeit als Tatsache des Lebens, erfreue ich mich wieder an diesen alltäglichen Ereignissen, bin glücklich mit ihnen, solange sie bei mir sind - und kann sie gehen lassen, wenn der Moment des Abschieds gekommen ist. 

 

Das Interview führte Ingo Fischer

Stand: Wed Sep 18 10:20:00 CEST 2013 Uhr

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