Robot Advisors statt Bankberater für die ARD-Themenwoche 2016 "Zukunft der Arbeit"

Roboterfinger tippt auf Computertastatur. | Bildquelle: colourbox.de

Online-Vermögensverwaltung auf dem Vormarsch

Robo-Advisor statt Bankberater

Andreas Braun / boerse.ARD.de

Die Finanzbranche steht vor einer dramatischen Umwälzung. Die Digitalisierung vieler Geschäftsprozesse ist die Herausforderung der kommenden Jahre. Die Bankfiliale wird zum Auslaufmodell. Anlageberater und Vermögensverwalter werden zunehmend ersetzt durch intelligente "Robo-Advisor".

Der Vermögensverwalter der Zukunft ist eine ausgeklügelte Software: Sie ermittelt die Anlagebedürfnisse des Kunden über die Auswertung eines kurzen Online-Fragebogens. Sie checkt seine Risikobereitschaft, und sie errechnet in wenigen Millisekunden eine Anlagestrategie. Die besteht aus einer überschaubaren Anlage von Indexfonds (so genannten ETFs). Damit setzt der Anleger auf einen Mix Aktien, Anleihen oder Rohstoffen.

Per Mausklick zur Vermögensverwaltung

Gefällt dem Nutzer das Musterportfolio, kauft er es mit wenigen Mausklicks direkt beim angeschlossenen Broker. In gewissen zeitlichen Abständen wird ein vollautomatisches "Rebalancing" durchgeführt, die Anteile der verschiedenen Fonds werden auf ihre Ausgangsquote "zurückgesetzt".

Sein Vermögen über einen solchen Robo-Advisor anzulegen, ist längst keine Finanz-Science-Fiction mehr. Allein in Deutschland gibt es ein Dutzend kleinerer Anbieter, die diese Art der Online-Vermögensverwaltung offerieren. Sie heißen Vaamo, Scalable Capital oder Liqid.


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Längst interessieren sich aber auch größere Vermögensverwalter und Großbanken für die neuen Finanztechnologien, die unter dem Kürzel „FinTech“ derzeit für Aufruhr in der Finanzindustrie sorgen.

Kosten im Promillebereich

Die Vorteile der Anlage-Robos liegen auf der Hand: Ist der Anlage-Algorithmus einmal programmiert, läuft die Erstellung einer Anlagestrategie praktisch vollautomatisch. Auch der Kauf und Verkauf von Fondsanteilen geht regelbasiert und ohne Zutun eines Beraters oder Fondsmanagers vonstatten.

Die Kosten bei der automatisierten Vermögensanlage spielen sich zwischen einem Viertel und einem Prozent des Anlagebetrags jährlich ab. Nur minimale Transaktionsgebühren fallen beim Kauf und Verkauf der Index-Produkte an. Die komplette Vermögensübersicht kann der Anleger auch jederzeit auf seinem Smartphone abrufen, ja sogar der gesamte Auswahl- und Abschlussprozess ist mobil zum Teil möglich. Eine Bankfiliale hat der Kunde der Zukunft ohnehin noch nie von innen gesehen.

In punkto Rendite können sich die Robo-Advisor nach eigenen Angaben mit ausgeklügelten Vermögensverwaltungen messen. In deren Genuss kommen Privatkunden in der Regel erst ab Einlagen im zweistelligen Millionenbereich.

Die Neulinge in der Branche setzen die ihre ausgeklügelten Anlagestrategien teils schon bei Beträgen ab 100 Euro in den Anlegerdepots um. Mit wenigen Tausend Euro Einsatz hat man bereits eine große Palette an Robo-Advisors zur Auswahl.

Billionen-Markt in Aussicht

Der Markt, den sich bislang noch eine von Start-up-Unternehmen aufteilen, ist noch hierzulande überschaubar, die Firmen operieren in der Regel noch mit zweistelligen Millionenbeträgen an Anlegergeldern. Das Potenzial aber ist enorm. Eine Studie der Beratungs-Gesellschaft Oliver Wyman geht davon aus, dass bis zum Jahr 2020 eine halbe Billion Dollar über die Roboter-Verwalter angelegt wird. In den USA ist die neue Art der Geldanlage bereits deutlich weiter verbreitet. Pioniere wie Betterment oder Wealthfront verwalten hier bereits Milliarden-Beträge.

Händedruck zwischen Mensch und Roboter in Anzügen. | Bildquelle: colourbox.de

Für das Bankenestablishment enthält die Entwicklung eine Menge Drohpotenzial. Teure Filialen werden zum Kostenklotz, Anlageberater in Banken geraten in die Defensive. Der Vertrieb eigener Fonds und Anlagelösungen steht auf dem Spiel.

Im deutschen Bankensystem haben die Direktbanken als erste die Zeichen der Zeit erkannt. Ein echter Robo-Advisor tarnt sich bei der Commerzbank-Tochter Comdirect als "AnlageAssistent". Auch die ConsorsBank, Tochter der französischen Großbank BNP Paribas, bietet ETF-Musterportfolios an, die je nach Anlagebetrag und Risikoneigung zusammengestellt und kostengünstig gekauft werden können.

Kooperation statt Konfrontation

Aber auch die Großbanken planen im Bereich der automatisierten Vermögensverwaltung nachzulegen. Die Deutsche Bank etwa plant im Rahmen ihrer Digitalisierungs-Strategie ein eigenes Tool auf den Markt zu bringen. Hinter der Anwendung „Sina“ steckt aber die Technologie von Vaamo, einer Frankfurter Start-up-Schmiede, die ihr Know-How an die Spanier in Lizenz verkauft.

Auch zwischen traditionellen Vermögensverwaltern und der FinTech-Szene gibt es bereits erste Berührungspunkte. So nutzt die KSW Vermögensverwaltung aus Nürnberg inzwischen die Algorithmen der Münchener Scalable Capital. Und sogar das Family Office HQ Trust aus dem Hause Quandt hat sich den neuen Technologien geöffnet. Über den Berliner Kooperationspartner Liqid kommen Anleger mit Starteinlage ab 100.000 Euro in den Genuss einer Vermögensverwaltung wie für die  Superreichen.

Der Roboter ist immer öfter dabei

Den Arbeitsalltag in Banken und Vermögensverwaltungen werden die neuen Technologien nachhaltig verändern. Der klassische Bank- und Anlageberater wird immer häufiger durch den Robo-Advisor ersetzt werden. Im besten Fall nutzt der Berater die Dienste eines Anlage-Tools, um für den Kunden eine wirklich bedarfsgerechte Geldanlage zu erstellen.

Für viele Anleger, gerade der jüngeren Generation, dürfte ein Robo-Advisor aber in naher Zukunft wohl die wichtigste Anlaufstelle in Sachen Geldanlage darstellen, vielleicht sogar die einzige.

Stand: Wed Nov 02 00:40:00 CET 2016 Uhr

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