Şeyda Rebai: Muslimische Bloggerin

Seyda Rebai. | Bildquelle: Seyda Rebai

Şeyda Rebai - muslimische Bloggerin

"Ich erlebe Neugier, Mitgefühl, Toleranz. Und auch Vorurteile."

Şeyda Rebai ist Studentin und muslimische Bloggerin. Im Interview spricht sie über ihren Weg zum Glauben und erzählt, wie Mitmenschen auf ihren islamischen Kleidungsstil und ihr Kopftuch reagieren.

Şeyda Rebai. | Bildquelle: Şeyda Rebai

Şeyda Rebai, woran glauben Sie?

Şeyda Rebai: Ich glaube an einen einzigen, barmherzigen und allmächtigen Gott, den Schöpfer des Kosmos, an seine Engel, die von ihm offenbarten Schriften (unter anderem die Thora und Bibel), an seine Propheten (so z.B. Abraham, Josef, Moses, Jesus und Muhammad), den Jüngsten Tag, sowie an das Schicksal. Und das war auch schon die Zusammenfassung der sechs Glaubensgrundsätze im Islam. Der Glaube umfasst jedoch auch das Handeln danach und ist nicht auf das Herz beschränkt.


Zur Person

Die 21-jährige Şeyda Rebai studiert "Islamische Studien" an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Neben ihrem eigenen Blog "seydavision" hat sie gemeinsam mit ihrem Mann vor einiger Zeit außerdem das Videoprojekt "MuslimCube" gestartet.

Wie sind Sie zu Ihrem Glauben gekommen - und wann?

Nach einer langen, dunklen Sinnkrise fing ich mit 15 Jahren zum ersten Mal an zu reflektieren. Ich beobachtete die Natur, Lebewesen, den Sternenhimmel und dachte mir, dass all das nicht von selbst entstanden sein kann. Denn ohne Plan kann doch nicht solch ein komplexes, gewaltiges System wie das Universum entstehen, das zudem noch in jeder kleinsten Zeiteinheit in Gang ist und regeneriert wird. Ich las den Koran und war zutiefst fasziniert von den durchgehenden Aufrufen zur Reflexion. Ich wusste: Solche Worte konnten nur von einem Schöpfer stammen.

Welche Rolle spielt Ihr Glaube - im Alltag, im Leben, im Beruf?

Nachdem mit 15 der Wendepunkt meines Lebens begann, blühte ich auf allen Ebenen auf. In der Schule, in der Gesellschaft, mit meinen Wesenszügen. Der Islam half mir selbst über Dinge wie Menschenrechte, Umweltverschmutzung und mein Konsumverhalten nachzudenken und anschließend aktiv zu werden. Durch ihn führe ich eine glückliche Ehe und halte gute Beziehungen zu meinen Mitmenschen. Meine Religion ist für mich eine allumfassende Lebensweise. Sie gibt mir in allem Moral, Werte und Normen.

Welche Reaktionen bekommen Sie von Menschen?

In der Oberstufe begann ich, zusätzlich zum islamischen Kleidungsstil, die Haare zu bedecken. Nun wurde ich öffentlich als Muslima erkennbar. So spürte ich zum Beispiel, wie vorsichtig und respektvoll plötzlich der Umgang meiner männlichen Mitschüler mit mir wurde. Mit Nichtmuslimen mache ich sehr positive Erfahrungen. Selbst wenn ich Fahrrad fahre, begegne ich vielen lächelnden Gesichtern. Ich erlebe Neugier, Mitgefühl und Toleranz. Und auch Vorurteile, die wir aber schließlich alle haben.

In welchen Momenten zweifeln Sie an Ihrem Glauben oder hadern mit ihm?

Glaube, der eigentlich vielmehr eine tief und fest verankerte Überzeugung ist, und Zweifel bilden einen Widerspruch. Deswegen herrscht grundsätzlich kein Zweifel am Glauben. Hadern tun wir jedoch alle, da es weder einen perfekten Menschen, noch einen perfekten Muslim gibt. So gibt es viele kleine Momente im Alltag, in denen man nicht immer schafft, alles richtig zu machen. Aber dafür ist die Reue da, denn Gott ist der Allvergebende.

Erzählen Sie uns von einem besonderen Glaubenserlebnis!

Ich erlebe unzählige. Tagtäglich geschehen kleine und große Wunder, hinter denen für mich nichts anderes als eine Allmacht stecken kann. Selbst wie mein Mann und ich zueinander gefunden haben, ist für mich ein Glaubenserlebnis. Ein anderes ist, dass immer wenn mich eine Sache sehr beschäftigt und ich eine beliebige Seite des Korans aufschlage, ich jedes Mal eine Antwort erhalte, selbst wenn der Gedanke sehr präzise ist. Aber auch die vielen Gebete, die unmöglich zu erfüllen sein schienen und trotzdem in Erfüllung gingen.

Das Interview führte Martin Walter

Stand: Tue Jun 13 14:24:42 CEST 2017 Uhr

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