Themenwochen-FAQs: Antworten auf Fragen rund um das Thema Glück

Junge Frau auf einer Wiese streckt die Arme aus. | Bildquelle: colourbox.com

Fragen rund um das Glück

Individuell - was bringt mir Glück, was nicht?

Annika Franck

Glück ist für die meisten Menschen erstrebenswert. Aber was trägt eigentlich dazu bei? Was kann ich selber tun? Und wann habe ich keine Chance?

Kann man Glück lernen?

Positiv denken, sich etwa mit einem Glücks-Tagebuch auf die schönen Dinge im Leben zu besinnen, Dankbarkeit üben - diese Dinge können zu mehr Zufriedenheit beitragen. Dabei stimmt es aber nur zum Teil, dass jeder seines Glückes Schmied ist. Zwar ist ein einzelnes Glücks-Gen noch nicht identifiziert, dennoch ist die Glücks-Fähigkeit auch genetisch bedingt. Die amerikanische Psychologin Sonja Lyubomirsky meint: 50 Prozent unseres Glücks hängen vom Erbgut ab, zehn Prozent vom Zufall, und 40 Prozent von unserem bewussten Handeln.

Glücksforschung - früher und heute l  br/swr/wdr

Über die Suche nach dem Glück und das "Flow-Prinzip" l wdr

Genetik oder gelernt - wie wird man glücklich? (Studie engl.) l www

Glückstraining nach Eckart von Hirschhausen l www

Was sind die häufigsten Glückskiller?

Die Haupt-Glückskiller sind Arbeitslosigkeit und damit das Gefühl, sozial ausgeschlossen zu sein, chronische Erkrankungen und chronische Schmerzen. Auch große Unterschiede zwischen Arm und Reich machen unglücklich sowie das Gefühl, unfrei zu sein.

Im Gegensatz dazu listet der Volkswirtschaftler Karlheinz Ruckriegel von der TH Nürnberg fünf zentrale Glücksfaktoren auf: 1. Gute soziale Beziehungen; 2. Körperliche und geistige Gesundheit; 3. Eine befriedigende Tätigkeit oder ein Engagement, denn die Menschen möchten etwas Sinnvolles mit ihrem Leben machen; 4. persönliche Freiheit; 5. Eine Haltung, die Dankbarkeit für das, was man hat, mit einbezieht.

Karl Heinz Ruckriegel: Glücksforschung - auf den Punkt gebracht l www

Macht Glaube glücklich?

Studien ergeben, dass gläubige Menschen, die aktiv am Gemeindeleben teilnehmen, auch zufriedener sind. Das hänge, meint der Volkswissenschaftler Karlheinz Ruckriegel, damit zusammen, dass diese Menschen sich in der Regel in einer sozialen Gemeinschaft befinden. "Und wenn Dinge passieren, die man sich nicht mehr erklären kann, dann gibt es immer noch die Möglichkeit, eine andere Instanz hinzuzuziehen", meint Ruckriegel. Zudem stünden die meisten Religionen und Glaubensgemeinschaften - ausgenommen sind fundamentalistische Strömungen - für ein Wertesystem, das soziale Belange in den Vordergrund stellt.


"Ich habe nicht das große Glück gesucht"

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Wie finde ich die perfekte Work-Life-Balance?

Zunächst raten Experten dazu, die persönlichen Ziele zu definieren. Wichtig dabei: Eine Durchmischung aus zufriedenstellender Arbeit, sozialen Kontakten, einem Auge auf gute Gesundheit, Sport, gesunde Ernährung. Randolf Rodenstock, Unternehmer, Wirtschaftsfunktionär und Vorstandsvorsitzender des Roman Herzog Instituts, stört sich an der Trennung zwischen "Work", also der Arbeit, und dem "Life", dem Leben: "Arbeit ist auch ein beglückender Teil des Lebens, der zur Weiterentwicklung und zur Zufriedenheit beiträgt", sagt er.

Eine Möglichkeit, die persönlich beste Balance zu finden, ist ein Dankbarkeits-Tagebuch, das den Blick aufs eigene Leben ändern kann. "Zuversicht ist wichtig", betont der Volkswirtschaftler Karlheinz Ruckriegel. Und: "Born for Shopping ist zu wenig!"

 Studie zu Arbeitszeit und Work-Life-Balance (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, engl.) l www

Kann man nach einem schweren Schicksalsschlag wieder glücklich(er) werden?

Der Tod eines geliebten Menschen, eine schwere Krankheit, der Verlust des Arbeitsplatzes - es gibt viele Krisen, durch die die Betroffenen in ein tiefes Loch fallen. "Aber die Menschen haben auch die Fähigkeit, sich nach solchen Erlebnissen wieder zu erholen", betont der Soziologe Jan Delhey von der Jacobs University in Bremen. Ein Beispiel ist die Leistungsschwimmerin Kirsten Bruhn, die seit einem Verkehrsunfall querschnittsgelähmt ist und eine der Patinnen der ARD-Themenwoche "Zum Glück". Auch heute ist Bruhn Leistungsschwimmerin  und sagt, dass sie heute glücklicher ist als vor dem Unfall. Doch das gelingt nicht allen Menschen, und auch nicht nach allen Schicksalsschlägen, wie Soziologe Delhey einschränkt: "Ältere Menschen, die ihren Partner verlieren, passen sich nicht mehr so leicht an." Zudem gebe es Untersuchungen, dass Menschen, die mehrfach arbeitslos waren, auch mit einem neuen Job das ursprüngliche Glücksniveau nicht mehr erreichen.


"Meinen glücklichsten Tag hätte es ohne den unglücklichsten nicht gegeben"

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Glückstraining oder Gehirnwäsche - was ist dran am Versprechen, Glück könne man trainieren?

Positiv denken müssen, sich immer weiter selbst optimieren, Coaching in allen Lebensbereichen - teilweise entsteht der Eindruck, dass auch Glücklichsein in unserer Leistungsgesellschaft zum Standardprogramm gehört. "Für viele Menschen kommt das Glücks-Streben als weiterer Stressfaktor in ihrem Leben dazu", warnt der Psychologe und Psychotherapeut Günter Scheich. Glücksseminare und Glückscoaches weckten häufig überhöhte Erwartungen an das Leben, an die anderen Menschen, und an die Person selbst. "Da kann ein Selbstdruck entstehen, der dem ähnelt, den wir auch bei tückischen Erkrankungen sehen und der für deren Ausprägung eine Rolle spielt", betont Psychologe Scheich.

Kann das Streben nach Glück Burnout und Depression fördern?

Burnout entsteht häufig aus einem zu hohen Erwartungsdruck an sich selbst. Und daher kann auch ein zu bemühtes Streben um Glück und Zufriedenheit großen Druck aufbauen, der dann Burnout und Depressionen begünstigen kann. Denn Stress entsteht nicht nur bei der Arbeit, sondern auch, wenn man sich selbst im Privatleben zusätzlich überfordert. "Man darf die Dinge nicht zu sehr wollen", sagt der Mediziner Christoph Bamberger, Professor an der Hamburger Uniklinik. Das Wort "muss" sollte durch das Wort "kann" ersetzt werden.

Stand: Fri Nov 15 22:21:00 CET 2013 Uhr

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