Volkswirtschaftler Joachim Weimann Geld macht doch glücklich

Porträt Prof. Dr. Joachim Weimann. | Bildquelle: privat

Joachim Weimann, Volkswirtschaftler und Autor

"Geld macht doch glücklich"

Joachim Weimann glaubt nicht an die Befunde der Glücksforschung, nach denen wir in den vergangenen Jahrzehnten trotz gestiegener Einkommen nicht zufriedener geworden seien. ARD.de hat mit dem Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Magdeburg über seine These gesprochen, dass Geld - entgegen der landläufigen Meinung - doch glücklich macht.

 

ARD.de: Was bedeutet für Sie "Glück"?

Joachim Weimann: Wenn man von "Glück" spricht, muss man zwischen zwei Dingen unterscheiden: die Lebenszufriedenheit und das affektive Glück. Lebenszufriedenheit bezieht sich auf unsere gesamte Lebenssituation und schließt viele Aspekte ein: Gesundheit, familiäre Situation, beruflicher Erfolg, Einkommen, der soziale Kontext und vieles mehr. Das affektive Glück ist das, was wir in einem Moment als pure Emotion empfinden. Wir umarmen einen lieben Menschen und empfinden Glück dabei, unser Lieblingsverein verliert ein Spiel, und wir werden traurig. Wenn man über Glück spricht, muss man diese beiden Dinge sorgsam auseinanderhalten, denn sie gehören zwar unbedingt zu dem Gesamtkomplex Glück, aber sie können sehr unterschiedlich ausfallen.

 

Bei welcher Gelegenheit waren Sie das letzte Mal glücklich?

Ich habe das Glück, ein Leben führen zu dürfen, das mir eine hohe Lebenszufriedenheit verschafft. Insofern war ich heute genauso glücklich wie in den Tagen zuvor. Mein affektives, emotionales Glücksgefühl ist im Moment nicht sehr ausgeprägt, weil mich mein Rücken seit einer Woche mit einem Dauerschmerz quält. Gesundheit ist einfach eine wichtige Komponente beim Glücklichsein.

 

Wann ist Ihnen in Ihrem Leben ein "großes Glück" begegnet, und wie hat sich dadurch Ihr Leben verändert?

Hier sprechen Sie eine dritte Bedeutung von Glück an: Glück haben im Sinne von "das große Los ziehen". Momente, in denen ich in diesem Sinne Glück hatte, gab es einige in meinem Leben. Sie haben sich an den wichtigen privaten und beruflichen Weichen ergeben, die jeder Mensch erlebt und sind deshalb wenig spektakulär. Ich hatte das Glück, ein paar Mal den richtigen Menschen zur richtigen Zeit zu begegnen. Zum Beispiel meiner Frau.

 

Haben Sie einen Trick, um sich einen Glücksmoment zu verschaffen?

Nein, ich habe keinen Trick. Aber meine Lebenserfahrung sagt mir, dass es so etwas wie das "Glück des Tüchtigen" tatsächlich gibt. Wenn man Glück haben will und glücklich werden möchte, muss man den Dingen eine Chance geben. Man muss manchmal viel tun, um glücklich zu werden, so wie man manchmal sehr oft würfeln muss, um eine Sechs zu bekommen. Aber nur wer würfelt, hat überhaupt die Chance darauf. Das gilt für die Lebenszufriedenheit genauso wie für die anderen Formen des Glücks.

 

Cover des Sachbuchs "Geld macht doch glücklich. Wo die ökonomische Glücksforschung irrt". | Bildquelle: Verlag Schäffer Poeschel

Sie sind Mit-Autor eines Sachbuches mit dem Titel "Geld macht doch glücklich" - wie kommen Sie zu dieser materialistisch anmutenden Ansicht?

Das ist keine "Ansicht" im Sinne einer "Meinung", sondern das Ergebnis der empirischen Glücksforschung, die wir untersucht haben. Menschen werden seit vielen Jahren systematisch danach befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Leben sind. Diese Daten zeigen uns, dass unser Einkommen sehr wohl eine wichtige Rolle für unsere Lebenszufriedenheit spielt - was in der letzten Zeit häufig verneint worden ist. Wir stellen in unserem Buch die Forschung zu dieser Frage vor und kommen zu dem Schluss, dass die Daten letztlich eben doch zeigen, dass Geld glücklich macht.

 

Das Interview führte Ingo Fischer

Stand: Tue Sep 17 17:00:00 CEST 2013 Uhr

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