Wieso glaubt der Mensch und warum sterben Reglion nicht aus

Ein Mann bei dem hinduistischem Holi-Festival, ein indisches Frühlingsfest.. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Hintergrund

Warum glaubt der Mensch?

Carolin Albrand

Unsere Existenz wirft fundamentale Fragen auf. Reduzieren lassen sie sich auf: Wer bin ich? Warum bin ich hier? Und was passiert mit mir, wenn ich sterbe? Religionen versprechen Antworten. Zwar keine allumfassenden, aber die bietet auch die Wissenschaft nicht.

Zusammenfassung

  • Religionen kommen und gehen. Im Vergleich mit der Menschheitsgeschichte sind die jetzigen Weltreligionen eine junge Modeerscheinung. 
  • Der Schlüssel zum "Glauben" liegt in der Evolution des menschlichen Bewusstseins. 
  • Im Kern aller Religionen steht der Wunsch nach Struktur. Heute wird die rechtliche und politische Grundordnung durch das Grundgesetz sichergestellt. 

Spätestens seit der Aufklärung hat Religion in Europa an Bedeutung verloren. Doch fast alle Menschen glauben an etwas. Auf der Suche nach sich selbst oder einem Sinn im Leben stellen viele Menschen diesen Glauben in Frage. Sei es in einer existentiellen Lebenskrise, beim Tod eines Angehörigen oder wenn sie anderen Menschen begegnen, die ihren Glauben leben.

Was ist der Ursprung des Glaubens? Betrachtet man die Menschheitsgeschichte, stellt man fest, dass Religionen kommen und gehen. Die heutigen Weltreligionen sind vor rund zwei- bis dreitausend Jahren entstanden. Sie mögen uns mitunter altertümlich erscheinen. Gemessen an der Entwicklung des Homo Sapiens sind sie jedoch eine recht junge Erscheinung.

Was ist der Ursprung religiösen Denkens?

Viele Theorien gehen davon aus, dass der Schlüssel zum "Glauben" in der Evolution des menschlichen Bewusstseins liegt. Im Laufe der Zeit entwickelte der Mensch die Fähigkeit, sich selbst wahrzunehmen.

 Der Mensch kann sich – im Gegensatz zum Tier – seiner Bedürfnisse bewusst werden und verschiedene Lösungsansätze durchdenken, um diese zu erfüllen. Mit diesem Bewusstsein kam auch die Erkenntnis, dass am Ende unserer Existenz unausweichlich der Tod steht. 

"Erst wenn Menschen sich ihrer Sterblichkeit bewusst werden, kommt der Wunsch auf, diesen beängstigenden Zustand (zumindest zeitweise) aufzuheben", beschreibt der Physiker und Wissenschaftsjournalist Ulrich Schnabel das Bedürfnis nach Religion in seinem Buch "Die Vermessung des Glaubens".

Der Psychiater J. Anderson Thomson setzt bei seiner Betrachtung in "Warum wir (an Gott) glauben" auf Charles Darwin: Die Entwicklung eines religiösen Glaubens und dessen Fortbestand sicherte unser Überleben. "Überleben konnten wir nur durch Zusammenarbeit. Bei unseren Vorfahren entwickelte sich [durch den gemeinsamen Glauben] ein 'Gruppengefühl'."  

Die Erschaffung Adams des Malers Michelangelo Buonarroti in der Sixtinischen Kapelle.. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Wann genau der Mensch erstmals religiöse Aktivitäten zeigte, ist nicht bekannt. Für eine grobe Schätzung können Bestattungsrituale helfen. Laut Schnabel wird das älteste bekannte Grab im israelischen Qafzeh auf knapp 100.000 Jahre geschätzt.

Mit dem Bewusstsein für den Tod entstand eine Vorstellung des Jenseits. Und mit dieser Vorstellung begann die Inszenierung des Sterbens. Die Toten wurden beigesetzt und mit Dingen geschmückt, die sie im Leben nach dem Tod vielleicht brauchen konnten, wie beispielsweise Waffen und andere Gebrauchsgegenstände.

Vom religiösen Wertesystem zum Grundgesetz

Im Kern aller Religionssysteme steht der Wunsch nach Struktur. Alle Religionen und Glaubenssysteme, die sich auf die Ursache, das Wesen und den Zweck unserer Existenz beziehen, beschreiben einen Gott oder mehrere heilige Götter oder Lehrer, die mit den Menschen in Beziehung treten und in unser Leben eingreifen könnten. Im Kern bieten sie Handlungsempfehlungen und Moralvorstellungen.


Viele Menschen nutzen nur noch Versatzstücke dieser Lehren, um ihr persönliches Wertesystem aufzubauen. Mit Werten wie Mitgefühl und Nächstenliebe können sie sich identifizieren, die religiöse Sexualmoral dagegen lehnen sie ab. 

In der heutigen Zeit wird die rechtliche und politische Grundordnung durch das Grundgesetz gewährleistet. Das Verhältnis von Kirche und Staat steht auf dem Prüfstand. Davon zeugen Debatten um den Religionsunterricht, die Karfreitagsruhe oder den verkaufsoffenen Sonntag. Religion wird für unsere Gesellschaftsstrukturen nicht mehr benötigt, da wir ihre moralischen Gebote anteilig in unsere Gesetze übertragen haben.

Stand: Tue Jun 13 14:44:05 CEST 2017 Uhr

Trailer zur Themenwoche 2017: Woran glaubst du?. | Bildquelle: MDR Video

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