Wojtek Czyz: "Erst durch meine Amputation habe ich erkannt, was Glück bedeutet"

Wojtec Czyz beim Weitsprungwettbewerb der Paralympics 2012, bei dem er die Silbermedaille gewann. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Wojtek Czyz, paralympischer Goldmedaillengewinner

"Erst durch meine Amputation habe ich erkannt, was Glück bedeutet"

Wojtek Czyz zählt zu den erfolgreichsten Sportlern in Deutschland. Dabei beendete ein schwerer Sportunfall, in dessen Folge sein linker Unterschenkel amputiert wurde, zunächst jäh seinen Traum von einer Profifußballkarriere. Nur elf Monate später wurde er Deutscher Meister im 100-Meter-Lauf und im Weitsprung. Danach stellte er mehrere Weltrekorde auf und gewann unter anderem vier paralympische Goldmedaillen. Mit ARD.de hat er darüber gesprochen, wie er nach dem Unfall sein Glück in Rekordzeit wiedergefunden hat.

 

ARD.de: Was bedeutet für Sie "Glück"?

Wojtek Czyz: Glück bedeutet, gesund zu sein. Und Zeit zu haben für sich und seine Familie.

 

Bei welcher Gelegenheit waren Sie heute glücklich?

Als ich heute Morgen aufgestanden bin und dabei die ersten Sonnenstrahlen erspäht habe, hat mich das sehr glücklich gemacht.

 

Wann ist Ihnen ein "großes Glück" begegnet, und wie hat sich dadurch Ihr Leben verändert?

Durch meine Amputation habe ich erkannt, was Glück im Leben wirklich bedeutet. Und das sind gerade nicht die materiellen Dinge.

 

Wojtec Czyz in einer Wettkampfpause bei den Paralympics 2008 in Peking. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Haben Sie einen Trick, um sich einen Glücksmoment zu verschaffen?

Nein. Glücklich sein kann man nicht erzwingen.

 

Sie dachten zunächst an Suizid, nachdem Sie mit 21 Jahren infolge eines Sportunfalls das linke Bein verloren haben. In welchem Moment haben Sie damals gemerkt, dass Sie trotz dieses Schicksalsschlages ein glückliches Leben führen können?

Ich habe eine neue Motivation erfahren, als ich verstanden habe, dass es für mich noch mehr gibt als den Fußball. Einen neuen Weg nach einem Schicksalsschlag zu finden heißt, wieder glücklich sein zu können.

 

Das Interview führte Ingo Fischer

Stand: 30.09.2013, 11.46 Uhr

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