Krawallmacher, Märtyrer und Philosophen | Die deutsche Anti-Atom-Bewegung | Galerie

Krawallmacher, Märtyrer und Philosophen

Köpfe der deutschen Anti-Atom-Bewegung in den 1970er- und 1980er-Jahren

Sarg von Gründler (r.), Gründler während eines Hungerstreiks 1976 (l.u.), ein Pastor hält 1977 eine Rede vor der Gedenktafel für Gründler (l.o.) . | Bildquelle: picture-alliance/dpa, Kombo: ard.de

Hartmut Gründler: Märtyrer im Kampf gegen die Atomkraft

Die Anfänge der Anti-Atom-Bewegung brachten gleich ihren radikalsten Verfechter hervor: Im Jahr 1977 verbrannte sich der Tübinger Lehrer Hartmut Gründler selbst – aus Protest gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Seit 1970 war er in der  Umweltschützer-Szene aktiv. Bald reichte es ihm nicht mehr, seine Überzeugung durch Worte kundzutun: Er eiferte seinem Vorbild Gandhi nach und trat immer wieder in den Hungerstreik. So auch 1975 bei den Demonstrationen gegen das geplante Atomkraftwerk in Wyhl, einem baden-württembergischen Weinort. In Deutschland waren zwar schon neun Meiler am Netz, trotzdem schlug die Stimmung erst 1975 um – mit der Begeisterung für die "saubere" Energieerzeugung war es erst mal vorbei. In Wyhl besetzten Winzer und Bauern zum ersten Mal den Bauplatz eines geplanten Atomkraftwerkes. Sie blieben acht Monate lang. Das Kraftwerk wurde nie gebaut.

Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und seine Regierung bekannten sich jedoch weiterhin ausdrücklich zur Atomkraft. Gründler kämpfte mit allen Mitteln, er hungerte, protestierte, hielt Vorträge, zeigte den Forschungsminister Hans Matthöfer erfolglos wegen "zukünftigen Völkermordes" an. Am Buß- und Bettag, dem 16. November 1977, übergoss er sich in Hamburg mit Benzin –  als "letzte und äußerste Form des Protestes". Zwei Tage später erlag Gründler seinen Verletzungen. Auf seinen Wunsch hin wurde das Buch "Als Christ in der politischen Entscheidung" von Helmut Schmidt an seinen Sarg genagelt.

Sarg von Gründler (r.), Gründler während eines Hungerstreiks 1976 (l.u.), ein Pastor hält 1977 eine Rede vor der Gedenktafel für Gründler (l.o.) . | Bildquelle: picture-alliance/dpa, Kombo: ard.de
Jungk 1988 neben einem Transparent mit der Aufschrift "Die Atommafia handelt kriminell und nicht Robert Jungk". | Bildquelle: picture-alliance/dpa
Kalkar, (Nordrhein-Westfalen): Außenwand einer Scheune ist die verblasste Zeichnung von Atomkraftgegnern aus den 1970er Jahren . | Bildquelle: picture-alliance/dpa
Holger Strohm (l.o.), Cover seines Buches "Friedlich in die Katastrophe" (l.u.), Sternmarsch gegen den Bau des Atomkraftwerkes in Wyhl 1975 (r.). | Bildquelle: Detlef Romey (l.o. und l.u.), picture-alliance/dpa (r.), Kombo: ARD.de
Klaus Traube, Antiatom-Proteste. | Bildquelle: picture-alliance/dpa, Kombo: ARD.de
Marianne Fritzen vor einer Polizei-Absperrung (2007). | Bildquelle: Ingrid & Werner Lowin/Bürgerinitative Umweltschutz Lüchow Dannenberg/dpa
Atomkraftgegner protestieren am 20.07.2013 vor dem Kernkraftwerk Brokdorf in Brokdorf  für Abschaltung des Meilers,  Jo Leinen 1984 (r.). | Bildquelle: picture-alliance/dpa, Kombo: ard.de
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