Krawallmacher, Märtyrer und Philosophen | Die deutsche Anti-Atom-Bewegung | Galerie

Krawallmacher, Märtyrer und Philosophen

Köpfe der deutschen Anti-Atom-Bewegung in den 1970er- und 1980er-Jahren

Marianne Fritzen vor einer Polizei-Absperrung (2007). | Bildquelle: Ingrid & Werner Lowin/Bürgerinitative Umweltschutz Lüchow Dannenberg/dpa

Marianne Fritzen: Die Mutter des Widerstandes in Gorleben

Die Umweltaktivistin Marianne Fritzen galt als die Mutter des Widerstandes in Gorleben und war bis ins hohe Alter aktiv an Aktionen gegen die Atomkraft beteiligt. Am 22. Februar 1977 änderte sich ihr Leben grundlegend: Der damalige Ministerpräsident Niedersachsens, Ernst Albrecht (CDU), verkündete, dass in Gorleben ein "nukleares Entsorgungszentrum" gebaut werden würde, eine Atommülldeponie und eine Wiederaufbereitungsanlage.

Schon zwei Wochen später demonstrierten 20.000 Menschen – unter anderem dank Marianne Fritzen. Die Mutter von vier Kindern hatte direkt nach der Standortentscheidung begonnen, Flugblätter zu drucken und die Proteste zu organisieren. Schon 1973 hatte sie eine Bürgerinitiative gegen den Bau eines Atomkraftwerkes in Langendorf gegründet.

Im Jahr 1980 besetzten Atomkraftgegner aus ganz Deutschland die Baustelle und errichteten ein Hüttendorf – inklusive Kirche. Die "Republik Freies Wendland" wurde ausgerufen. Die Pläne für das AKW Langendorf und die Wiederaufbereitungsanlage wurden aufgegeben. Doch Gorleben ist immer noch als atomares Endlager im Gespräch, also geht der Protest weiter. Marianne Fritzen marschierte auch mit über 80 noch auf Demonstrationen mit. Und trug stolz das gelbe Kreuz, das Symbol der Anti-Atomkraft-Bewegung im Wendland.

Gegen den ersten Castor-Transport im April 1995 protestierten nach offiziellen Angaben 4.000 Demonstranten auf dem letzten Abschnitt im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Diese ersten Atommüll-Transporte in das Zwischenlager Gorleben lösten den sogenannten Kontaminationsskandal aus. Denn die Strahlung der Transportbehälter ging weit über den zulässigen Grenzwert hinaus. Die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel stoppte im Mai 1998 die Transporte vorläufig. Sie wurden jedoch im Jahr 2000 wieder aufgenommen – verantwortlich war zu dieser Zeit der grüne Umweltminister Jürgen Trittin. Daraufhin entschied sich Marianne Fritzen, aus der Partei "Die Grünen" auszutreten – aus Protest gegen den rot-grünen Atomkonsens.

Am 7. März 2016 ist Marianne Fritzen im Alter von 91 Jahren gestorben.

Marianne Fritzen vor einer Polizei-Absperrung (2007). | Bildquelle: Ingrid & Werner Lowin/Bürgerinitative Umweltschutz Lüchow Dannenberg/dpa
Sarg von Gründler (r.), Gründler während eines Hungerstreiks 1976 (l.u.), ein Pastor hält 1977 eine Rede vor der Gedenktafel für Gründler (l.o.) . | Bildquelle: picture-alliance/dpa, Kombo: ard.de
Jungk 1988 neben einem Transparent mit der Aufschrift "Die Atommafia handelt kriminell und nicht Robert Jungk". | Bildquelle: picture-alliance/dpa
Kalkar, (Nordrhein-Westfalen): Außenwand einer Scheune ist die verblasste Zeichnung von Atomkraftgegnern aus den 1970er Jahren . | Bildquelle: picture-alliance/dpa
Holger Strohm (l.o.), Cover seines Buches "Friedlich in die Katastrophe" (l.u.), Sternmarsch gegen den Bau des Atomkraftwerkes in Wyhl 1975 (r.). | Bildquelle: Detlef Romey (l.o. und l.u.), picture-alliance/dpa (r.), Kombo: ARD.de
Klaus Traube, Antiatom-Proteste. | Bildquelle: picture-alliance/dpa, Kombo: ARD.de
Atomkraftgegner protestieren am 20.07.2013 vor dem Kernkraftwerk Brokdorf in Brokdorf  für Abschaltung des Meilers,  Jo Leinen 1984 (r.). | Bildquelle: picture-alliance/dpa, Kombo: ard.de
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