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Veranstaltung der Historischen Kommission der ARD zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk in den neuen Bundesländern
Zu Beginn dieses Jahres jährte sich der Start der ARD in den neuen Bundesländern zum zwanzigsten Mal. Daran hat die Historische Kommission der ARD mit dem rundfunkhistorischen und medienpolitischen Symposium "Entstehung und Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den neuen Bundesländern" in Berlin erinnert.
"Dieses Haus hat alles gesehen und alles gesendet, was es im 20. Jahrhundert an ideologischen Blaupausen gab." Mit diesen Worten eröffnete die Intendantin des rbb Dagmar Reim im Kleinen Sendesaal des traditionsreichen Hauses des Rundfunks an der Masurenallee in Berlin das rundfunkgeschichtliche Symposium 2012 der Historischen Kommission der ARD zu dem Thema "Entstehung und Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den neuen Bundesländern".
Festvortrag von Konrad Weiß zu "Rundfunk und Freiheit"
In seinem knapp vierzigminütigen Festvortrag zu dem Thema "Rundfunk und Freiheit" schilderte der Publizist und ehemalige Bürgerrechtler Konrad Weiß eindringlich den von der Zensur geprägten Alltag eines Dokumentarfilmers für das DDR-Fernsehen. "Freiheit muss nicht nur gedacht, sondern auch gesagt und gelebt werden dürfen" – diese Erkenntnis bildete, so Weiß, nach 1989 den Ausgangspunkt der Beratungen der Arbeitsgruppe Medien am "Zentralen Runden Tisch" über den Aufbau einer demokratischen Öffentlichkeit.
Erste Diskussionsrunde zu medienpolitischen Weichenstellung
Doch in welchem Umfang und in welcher Weise konnte das Personal der "Einrichtung" in den rundfunkpolitischen Neuanfang einbezogen werden? Michael Albrecht, Christoph Singelnstein und Prof. Dr. Ronald Frohne, neben Lothar de Maizière und Konrad Weiß Teilnehmer der von Ingrid Scheithauer moderierten ersten Paneldiskussion mit Zeitzeugen und Experten der Gründerjahre, erinnerten in sehr persönlichen Schilderungen an die harten Verhandlungsrunden mit dem von der Regierung Kohl eingesetzten "Rundfunkbeauftragten" und die Grenzen eines personellen Neuanfangs nach den langen Jahren der Diktatur.
Zweite Diskussionsrunde zur Aufbauzeit
Im Mittelpunkt der zweiten Paneldiskussion unter der Leitung von Elke Haferburg standen die Überlegungen der Medienpolitik und der damaligen Gründungsintendanten und des Intendanten des NDR, welche den Ausschlag für die Gründung des mdr als Drei-Länderanstalt und des ORB sowie für die Ausdehnung des Sendegebietes des NDR auf Mecklenburg-Vorpommern und die Programmgestaltung der Aufbauzeit gaben. Die ehemaligen Ministerpräsidenten Prof. Dr. Biedenkopf und Stolpe hoben nochmals die Bedeutung hervor, die die starke regionale Prägung des neuen, westlich geprägten Rundfunks für die Selbstvergewisserung einer durch den raschen Systemwechsel verunsicherten Bevölkerung in den neuen Ländern hatte. Die Stärkung eines regionalen Identitätsbewusstseins, Rückenwind für den Aufbau demokratischer Strukturen, die Herstellung der inneren Einheit – alle Diskutanten waren sich einig darüber, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk im Osten einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat, wenn diese Ziele erreicht wurden.
Am Ende dieser Diskussionsrunde, die die ehemaligen Intendanten Prof. Plog, Prof. Dr. Rosenbauer und Prof. Reiter, die ehemaligen Ministerpräsidenten Prof. Dr. Biedenkopf und Stolpe und der Direktor des Grimme-Instituts Kammann bestritten, herrschte Einigkeit darüber, dass angesichts der dramatischen Folgen der Globalisierung für Europa zwanzig Jahre nach dem rundfunkpolitischen Neubeginn im Osten nicht mehr nur die lokale und regionale Handschrift den besonderen gesellschaftspolitischen Wert öffentlich-rechtlicher Programmangebote ausmacht, sondern mehr denn je ihre Offenheit für die großen europäischen Zukunftsthemen: "Europa zu erklären, das ist eine Riesenaufgabe".
Dritte Diskussionsrunde mit Blick in die Zukunft
Wie groß diese Aufgabe ist - im Zeichen der epochalen Medienrevolution, die mit der Digitalisierung einher geht - wurde im dritten Panel deutlich, das vom Medienjournalisten Steffen Grimberg moderiert wurde. Ministerpräsident Beck, Staatsminister Dr. Beermann, Bundesverfassungsrichter Prof. Paulus, EBU-Präsident Philippot, die ARD- Vorsitzenden Monika Piel, die Intendantinnen Prof. Dr. Wille und Dagmar Reim sowie Intendant Marmor zeichneten in einer rund neunzigminütigen Schlussrunde ein facettenreiches Bild der den öffentlich-rechtlichen und den privaten Rundfunk in Europa gleichermaßen betreffenden Herausforderungen, die mit dem Aufstieg des Internets und seiner Angebotsvielfalt, mit der Dominanz weltweit agierender Internetkonzerne wie Google und mit der zunehmenden Europäisierung der Medienpolitik verbunden sind.
Einen Video-Mitschnitt der dritten Diskussionsrunde finden Sie hier:
3. Diskussionsrunde: Vom Osten nach Europa: Bedeutung und Leistungsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Zukunft
Eine Zusammenfassung dieser dritten Diskussionsrunde des Tages, die, wie das Symposium insgesamt, live im Internet übertragen wurde, sendet Phoenix am Mittwoch, dem 19.9.2012, um 17:15 Uhr.
Programm und Teilnehmer des Symposiums
10:00 Uhr Einführung
Dagmar Reim, Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb),
Prof. Dr. Heinz Glässgen, Vorsitzender der Historischen Kommission der ARD
10:15 Uhr Vortrag: "Rundfunk und Freiheit"
Konrad Weiß, 1989/90 Vertreter der Bürgerbewegung "Demokratie jetzt" und Leiter der Arbeitsgruppe Medien am "Zentralen Runden Tisch", 1990 Abgeordneter im Parlament der DDR
11:00 Uhr, 1. Diskussionsrunde: Vom staatlich gelenkten Rundfunk der DDR zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk – Medienpolitische Weichenstellungen
Michael Albrecht, ARD-Koordinator DVB, 1990 letzter Intendant des Deutschen Fernsehfunks (DFF),
Prof. Dr. Ronald Frohne, Rechtsanwalt in New York, 1990 Stellvertreter des Rundfunkbeauftragten,
Lothar de Maizière, Rechtsanwalt, 1990 Ministerpräsident der DDR,
Christoph Singelnstein, Leiter des Programmbereichs Information und Chefredakteur des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb), 1990/1991 geschäftsführender Intendant des Rundfunks der DDR
Konrad Weiß, 1989/90 Vertreter der Bürgerbewegung "Demokratie jetzt" und Leiter der Arbeitsgruppe Medien am „Zentralen Runden Tisch“, 1990 Abgeordneter im Parlament der DDR
Moderation: Ingrid Scheithauer, Medienjournalistin
13:30 Uhr, 2. Diskussionsrunde: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk nach der Wende als Beitrag zur regionalen Identifikation und zur demokratischen Entwicklung im Osten
Prof. Dr. Kurt Biedenkopf, Rechtsanwalt, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen 1990 bis 2002,
Uwe Kammann, Direktor des Adolf-Grimme-Instituts,
Prof. Jobst Plog, Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR) 1991 bis 2008,
Prof. Udo Reiter, Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (mdr) 1991 bis 2011,
Prof. Dr. Hansjürgen Rosenbauer, Intendant des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB) 1991 bis 2003,
Manfred Stolpe, Ministerpräsident des Landes Brandenburg 1990 bis 2002,
Moderation: Elke Haferburg, Direktorin des Landesfunkhauses Mecklenburg-Vorpommern des NDR, Journalistin
15:30 Uhr, 3. Diskussionsrunde: Vom Osten nach Europa: Bedeutung und Leistungsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Zukunft
Kurt Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder seit 1994,
Dr. Johannes Beermann, Staatssekretär Landesregierung Freistaat Sachsen,
Lutz Marmor, Intendant des Norddeutschen Rundfunks (NDR),
Prof. Dr. Andreas L. Paulus Richter, des Bundesverfassungsgerichts (Erster Senat),
Jean-Paul Philippot, Präsident der Europäischen Rundfunkunion (EBU),
Monika Piel, Vorsitzende der ARD und Intendantin des Westdeutschen Rundfunks (WDR),
Dagmar Reim, Intendantin des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb),
Prof. Dr. Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (mdr),
Moderation: Steffen Grimberg, Journalist
17:00 Uhr Schlusswort:
Prof. Dr. Heinz Glässgen, Vorsitzender der Historischen Kommission der ARD
ARD.de | Stand: 13.09.2012
Links in der ARD
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Video vom Symposium
3. Diskussionsrunde: Vom Osten nach Europa: Bedeutung und Leistungsfähigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der Zukunft [intern]
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Radiobeitrag von Jan Borgwardt
Zusammenfassung des Symposiums [intern]
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WDR5.de
Der Blick zurück: ARD diskutiert über die Anfänge in den neuen Ländern [wdr]
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Beck und Piel: Gespräche mit Zeitungsverlegern über Tagesschau-App weiter führen


