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Kolonialgeschichte (Teil 2)
Afrikas langer Weg in die Unabhängigkeit
Julia Harres
Die Rivalität der europäischen Großmächte war nach der Kongo-Konferenz nur vorübergehend gezügelt, das Machtstreben der Kolonialmächte war zu groß. So wurde auch Afrika in die beiden Weltkriege hineingezogen. Danach war es für viele Kolonien noch ein langer Weg in die Unabhängigkeit.
Zwischen Briten und Deutschen kam es schnell zu einem Konflikt um Ostafrika, der fast zu einem Krieg geführt hätte - ebenso wie der Konflikt zwischen Großbritannien und Frankreich um den Süd-Sudan. In Südafrika lehnten sich die Buren - Nachfahren hauptsächlich niederländischer, aber auch deutscher und französischer Siedler - gegen die Britische Krone auf, was 20.000 Menschen das Leben kostete.
Der mit dem Macht- und Expansionsstreben verbundene Rüstungswettlauf mündete 1914 in den Ersten Weltkrieg. Auch Afrika wurde zum Kriegsschauplatz. Gleich zu Beginn der Kampfhandlungen besetzten britische Truppen Togoland, kurz darauf fielen auch Kamerun und Deutsch-Südwestafrika an die Alliierten. Lediglich in Deutsch-Ostafrika konnten sich deutsche Verbände halten.
Nach der Kriegsniederlage musste das Deutsche Reich schließlich auch formell auf seine kolonialen Besitzungen verzichten. Der Versailler Vertrag sprach Deutsch-Südwestafrika, große Teile Deutsch-Ostafrikas, Teile Kameruns und West-Togos den Briten zu. Kamerun und der östliche Teil Togos fielen an Frankreich, während das Gebiet des heutigen Ruandas und Burundis, das ehemals ein Teil Deutsch-Ostafrikas war, den Belgiern zugesprochen wurde.
Indirekte und direkte Herrschaft
Während die Deutschen ihr Streben nach dem "Platz an der Sonne" aufgeben mussten, konnten insbesondere Großbritannien und Frankreich ihre Kolonialgebiete weiter ausbauen. Um die flächenmäßig riesigen Gebiete zu verwalten, etablierten sie verschiedene Systeme. So war die französische Kolonialverwaltung von direkter Herrschaft geprägt: Ausschließlich französische Beamte waren mit den wichtigsten Aufgaben in der Kolonialverwaltung betraut. Das führte dazu, dass in einigen Gebieten traditionelle Verwaltungsstrukturen zerschlagen wurden.
Die Briten übten dagegen eine indirekte Kontrolle über ihre Kolonien aus, wodurch bestehende Herrschaftssysteme erhalten blieben - sofern die Führungseliten keinen Widerstand leisteten und kooperierten. Wer sich allerdings nicht fügen wollte, musste seine Position zugunsten eines Beamten der Krone räumen. Das britische Verwaltungssystem war deutlich kostengünstiger als das der Franzosen. Allerdings war auf diese Weise die Gefahr größer, dass sich die traditionellen Herrscher gegen die Kolonialmacht auflehnten.
Zum Widerstand bereite Herrschaftseliten konnten sich größtenteils auf die Unterstützung durch die Bevölkerung verlassen, da die als Besatzer empfundenen Europäer bei dieser verhasst waren. Die europäischen "Herren" raubten die Rohstoffe, verlangten Zölle und hohe Steuern oder verpflichteten die afrikanische Bevölkerung gar zur Zwangsarbeit. Konsequenterweise kam es 1929 in Gabun und 1948 auf Madagaskar zu Aufständen.
Afrika wird erneut Kriegsschauplatz
Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Afrika erneut Kriegsschauplatz. Erste deutsche Truppen des so genannten Afrikakorps landeten 1941 im libyschen Tripolis. Mit dem deutschen Afrika-Feldzug wollte der deutsche Diktator Adolf Hitler die Truppen seines italienischen Verbündeten Benito Mussolini unterstützen und die Alliierten aus Libyen, Ägypten und Tunesien vertreiben. Nach anfänglichen Erfolgen des Afrikakorps gelang es den Briten 1943 jedoch, die deutsch-italienischen Verbände vom afrikanischen Kontinent zu vertreiben. Italien hatte bereits 1941 seine Kolonien Eritrea und Italienisch-Somaliland an Großbritannien verloren.
Die Ereignisse in Europa wirkten sich insbesondere auch auf Westafrika aus. Während sich Französisch-Kamerun und -Äquatorialafrika der Exilarmee General Charles de Gaulles und somit den Alliierten anschlossen - de Gaulle hatte den Gebieten im Falle des Sieges größere Autonomie zugesagt -, bekannten sich Französisch-Westafrika und Algerien zum mit den Nazis kollaborierenden Vichy-Regime. Auch hier kam es zu Kämpfen.
Nach der Kapitulation Nazi-Deutschlands begannen die europäischen Siegermächte erstmals, sich ernsthaft Gedanken über eine Unabhängigkeit ihrer afrikanischen Kolonien zu machen. Es schien ihnen wirtschaftlich günstiger, sich aus Afrika zurückzuziehen und auf das eigene Land zu konzentrieren. Diese Gedanken wurden zwar zunächst wieder verworfen, doch in den Kolonien verstärkten sich die Unabhängigkeitsbestrebungen spürbar - so bildeten sich etwa in Benin bereits 1945 erste Parteien, die eine Loslösung von Frankreich forderten, Gewerkschaften sprossen aus dem Boden, es gab Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen.
Kampf gegen die Fremdbestimmung
Ein Ruck ging durch Afrika, und der Drang nach Freiheit ließ sich nicht länger unterdrücken. In Belgisch-Kongo kam es in den 1950er Jahren zu Unruhen. Die Briten äußerten als erste Nation ihre Bereitschaft, ihre Kolonien in die Unabhängigkeit zu entlassen. Allerdings sollten sie als Teil des Commonwealth of Nations eng an das Empire angebunden bleiben. Auch dagegen regte sich Widerstand, sodass es 1952 zum Mau-Mau-Aufstand in Kenia kam.
Frankreich verfolgte ähnliche Pläne und gründete 1944 die Französische Union nach dem Vorbild des britischen Commonwealth. Auf diese Weise steuerte Paris "nur" noch die gemeinsame Außen-, Verteidigungs-, Justiz- und Währungspolitik der Mitgliedsländer. In Algerien kam es 1954 zu einem Freiheitskrieg, der acht Jahre später zur Unabhängigkeit Algeriens führte. Bei Referenden entschiedenen sich 1958 andere französische Kolonien - mit Ausnahme Guineas - zunächst noch für eine Anbindung an Frankreich, für die sie als Mitglieder der Communauté Française mit innerer Autonomie belohnt wurden. Doch der Druck in der Bevölkerung gegen die Fremdbestimmung wuchs weiter, sodass die Staaten 1960 in die formale Unabhängigkeit entlassen wurden. Allerdings hatte sich Frankreich zuvor nach Kräften bemüht, ihm genehme Regime einzusetzen, um die Kontrolle weiterhin zu behalten.
Die anderen Kolonialmächte Portugal, Spanien, Italien und Belgien wollten ihre Kolonien nicht aufgegeben und zogen sich erst nach und nach auf Druck der gesellschaftlichen Unabhängigkeitsbewegungen aus Afrika zurück.
Als letztes afrikanisches Land erhielt Namibia, das einstige Deutsch-Südwestafrika, seine Unabhängigkeit. Bis zum Jahr 1990 hatte Namibia unter südafrikanischer Verwaltung gestanden.
Stand: 08.04.2010
Inhalt:
- Teil 1: Afrika in der Gewalt europäischer "Wohltäter"
- Teil 2: Langer Weg in die Unabhängigkeit
Links in der ARD
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Deutsche Kolonialgeschichte [wissen]
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Traum oder Trauma? [br/swr/wdr]
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"Ein folgenschwerer Teil unserer Geschichte"
Interview über Relikte der Kolonialzeit mit der Afrikanistin Bechhaus-Gerst [tagesschau]
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Namibia: Der lange Weg von der Kolonie zur freien Republik
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Afrika: 50 Jahre Unabhängigkeit
Eine Webdokumentation [arte]
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50 Jahre nach der Unabhängigkeit [dw]
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Interviews, Reportagen, Porträts und Hintergrundberichte [ard mediathek]






