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23.05.2012

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Archiv | Kultur

Beginn des Inhaltes

Afrika-Konferenz "Kontinuitäten und Brüche" (Teil 2)

Ein Kontinent holt auf

Gastbeitrag von Professor Thomas Bierschenk, Universität Mainz

Inzwischen hat sich in vielen afrikanischen Gesellschaften eine freie Presse entwickelt. Im Fußball ist Afrika ein "Global Player" geworden, das Bildungswesen erholt sich langsam von seinem kolonialen Erbe, und afrikanische Literatur-Nobelpreisträger und Weltmusiker zeugen davon, dass auch die kulturelle Bedeutung zugenommen hat.

In den Städten Afrikas hat sich eine moderne Medienlandschaft entwickelt, die auch in den ländlichen Raum hinein strahlt. Dadurch haben sich - auch unter dem Einfluss anderer Faktoren wie dem Schulbesuch und der stärkeren staatlichen Durchdringung des Alltags - postkoloniale nationale Gemeinschaften herausgebildet. Wer Afrika nur unter der Perspektive ethnischer Konflikte und lokaler Identitäten betrachtet, übersieht diese Konsolidierung von Nationen.

Die ursprünglich staatlich kontrollierten Massenmedien haben in jüngerer Zeit Konkurrenz bekommen von unabhängigen Radio- und TV-Stationen, einer blühenden Boulevardpresse sowie von kleinen, kassetten- oder disc-basierten Medien, die auch inoffizielle Perspektiven auf den afrikanischen Alltag und regimekritische Positionen zu verbreiten helfen.

Kultur als Indikator gesellschaftlichen Wandels

Auf dem Gebiet der Kulturproduktion hat Afrika in den vergangenen 50 Jahren Literatur-Nobelpreisträger und international renommierte Künstler hervorgebracht. Das elitäre Kunstschaffen hat jedoch auf die gesellschaftlichen Prozesse in den eigenen Ländern nur sehr begrenzten Einfluss nehmen können. Dagegen hat sich das weite Feld der populären, meist städtischen Kulturproduktion (Musik, Theater, Video, Comics, etc.) immer wieder als Indikator und Kommentator gesellschaftlicher Verhältnisse erwiesen.

Sämtliche politische Trends der vergangenen 50 Jahre lassen sich hier beobachten, angefangen mit den Nationalismen nach der Unabhängigkeit, der späteren Ambivalenz gegenüber machtbesessenen Diktatoren, bis hin zu den aktuellen Öffnungs- oder auch Abschottungsprozessen im Zeitalter der Globalisierung.

Boom der Religiosität

Seit geraumer Zeit schon erlebt der Kontinent einen gewaltigen Boom der Religiosität, von dem man sich in Europa - dessen relative Areligiosität im Weltvergleich eine ausgesprochene Ausnahme darstellt - kaum eine Vorstellung macht. Von diesem Boom profitieren beide großen, universal agierenden Religionen, Islam und Christentum, die ihrerseits in zunehmend vielfältiger werdenden Ausprägungen vorkommen, und deren Beziehungen zueinander sich in Afrika meist friedlicher gestalten als anderswo.

Aber auch bisher lokal begrenzte Formen von Religiosität blühen auf und regionalisieren sich - wenn sie sich nicht sogar globalisieren. Es entwickeln sich nicht nur verschiedene Formen religiöser Mischungen und neue Formen der Internationalisierung von Religion, zunehmend wird Religion - die zur Zeit der Unabhängigkeit eher private Angelegenheit war - auch im öffentlichen Raum präsent.

Ökonomische Zukunft des Kontinents

Alle diese, von heftigen Krisen begleiteten Wandlungsprozesse sind vielfältig miteinander verzahnt, nur einige von ihnen konnten hier angesprochen werden. Viele andere wären zu nennen - vom Fußball, in dem Afrikaner im wahrsten Sinne des Wortes mittlerweile Global Player sind, bis zu den Universitäten, die es im subsaharanischen Afrika 1960 außerhalb Südafrikas im strengen Sinne noch nicht gab.

Richtet man den Blick wieder auf die Ökonomie, dann ist das Ende der Apartheid in Südafrika nicht nur ein monumentales politisches Ereignis. Es ist auch von wahrscheinlich entscheidender Bedeutung für die Lösung der ökonomischen Entwicklungsprobleme des Kontinents. Denn richtet man den Blick nach vorn, dann wird sich die ökonomische Zukunft des Kontinents - neben Nigeria - wahrscheinlich dort entscheiden.

Stand: 06.04.2010

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