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23.05.2012

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Film & Kino

Beginn des Inhaltes

Historiendrama "Anonymus" | Filmstart 10.11.2011

Die "Wahrheit" über William Shakespeare

Gebhard Hölzl

War Shakespeare ein Betrüger? Blockbuster-Regisseur Roland Emmerich geht dieser Frage mit einem für ihn untypischen Historiendrama nach und erzählt von einem Adligen, der als Ghostwriter Klassiker wie "Hamlet" verfasst.

Filmausschnitte aus "Anonymus" Foto: Sony Pictures, Kombo: ARD.de

Intrigen prägen zum Ende des 16. Jahrhundert das Leben am englischen Hof. William Cecil (David Thewlis) und dessen Sohn Robert (Edward Hogg), Berater von Königin Elizabeth I. (Vanessa Redgrave), wollen, dass der Schotte James VI. ihr auf dem Thron nachfolgt. Die Grafen von Sussex (Sam Reid) und Southampton (Xavier Samuel) halten James VI. für den falschen Kandidaten. Der Meinung ist auch Edward de Vere, der Graf von Oxford (Rhys Ifans).

Mit Theaterstücken politisch Einfluss nehmen

Edward, einst enger Vertrauter der Königin, greift daraufhin zur Feder und beginnt, Bühnenstücke zu verfassen. Diese spiegeln die politische Situation und begeistern das Volk. So nimmt Edward de Vere entscheidenden Einfluss auf die Thronfolge. Da der Aristokrat sich aber aufgrund seines Rangs nicht als Autor offenbaren darf, braucht er einen Strohmann – und den findet er in einem mäßig begabten Schreiberling und Schauspieler namens William Shakespeare (Rafe Spall).

Eine historisch brisante These als Fakt präsentiert

Die Debatte um die Urheberschaft der Werke Shakespeares schwelt seit mehr als 100 Jahren. Den Zeitgenossen Francis Bacon und Christopher Marlowe werden sie gerne zugeschrieben, unter den Shakespeare-Revisionisten gilt jedoch Edward de Vere als wahrscheinlichster Autor. Er war im Gegensatz zum bürgerlichen Niemand Shakespeare aus Stratford-upon-Avon ein vielseitig gebildeter Mann, der der Monarchin nahe stand und über die Vorgänge am Hof bestens Bescheid wusste. Königsdramen wie "Hamlet" oder "Richard III." waren ihm durchaus zuzutrauen: Edward de Vere kannte adelige Ränkespiele wie jene, die in "Ein Sommernachtstraum" oder "Romeo und Julia" beschrieben werden. Für diesen "Anonymus" interessiert sich nun Roland Emmerich ("Independence Day"), der schwäbische "Master of Disaster": Emmerich hinterfragt die These nicht, dass de Vere in Wahrheit Shakespeare sei, sondern präsentiert sie schlicht als Fakt.

Bilder aus "Anonymus"

Galerie PiktogrammWar es de Vere?

Filmszene aus "Anonymus" Foto: Sony Pictures

Mark Twain, Charles Dickens oder Sigmund Freud: Schon viele kluge Köpfe haben sich darüber den Kopf zerbrochen: Wer war der Autor der Stücke, die William Shakespeare zugeschrieben werden? [br]

Vielschichtiger, historischer Krimi

Emmerich hat einen historischen, verschachtelten Krimi inszeniert. Eröffnet wird "Anonymus" mit einem am New Yorker Broadway von heute vorgetragenen Monolog über den Stratford-Barden, dann geht es in die historische Vergangenheit. Das berühmte Globe Theatre brennt, ein junger Mann namens Ben Jonson (Sebastian Armesto) rettet in letzter Sekunde geheimnisvolle Manuskripte aus den Flammen. Der virtuos und temporeich inszenierten Actionszene folgt ein vielschichtiges Verwirrspiel, das in Zeit und Raum hin und her springt und sich einem Puzzle gleich Stück für Stück vervollständigt. Es geht um Fakt und Fälschung, dunkle Verschwörungen und randalierenden Pöbel, Liebe und Inzest und natürlich um Kunst und Politik.

Emmerichs bislang bester Film

Emmerichs größter Trumpf sind seine vorzüglichen Schauspieler, allen voran Rhys Ifans, der deutschen Kinozuschauern vor allem als guter Nebendarsteller aus Filmen wie "Notting Hill", "Hannibal Rising" oder "Radio Rock Revolution" bekannt ist. Hier beweist Ifans, dass er durchaus auch in der Lage ist, einen Film zu tragen. Bestens unterstützt wird er von Vanessa Redgrave und deren Tochter Joely Richardson, die als alte beziehungsweise junge Königin Elizabeth brillieren. Die solide, opulente Inszenierung lässt den Zuschauer bald die tatsächlich längst widerlegte "Edward-de-Vere-Shakespeare-Verschwörung" vergessen. Man taucht vielmehr ein in den politisch-literarischen Machtkampf, und der fasziniert. "Anonymus" ist in Babelsberg für 30 Millionen Euro entstanden. Es ist Regisseur Emmerichs bislang bester Film.

Quelle: "Kino Kino"

br | Stand: 09.11.2011

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