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Doku: "Die Höhle der vergessenen Träume" | Filmstart 3.11.2011
Die ältesten Höhlengemälde der Menschheit
Louis Vazquez
Über 20.000 Jahre war die französische Chauvet-Höhle von einem Felssturz versiegelt - und mit ihr unberührte Höhlengemälde, die aus einer Zeit stammen, als Neandertaler noch über die Erde streiften und es Mammuts und Eiszeitlöwen gab. Nur wenige Menschen haben seitdem Zugang zur Höhle erhalten. Werner Herzog durfte die Magie dieser Räume in einer 3D-Doku einfangen.
1994 entdecken Hobby-Forscher im Flusstal der Ardèche in Südfrankreich den Zugang zu einer Höhle, die durch einen Felsrutsch versiegelt war. In ihr finden sich nicht nur Überreste steinzeitlicher Tiere, sondern auch die ältesten Höhlengemälde der Menschheit. Sie sollen vor weit über 30.000 Jahren entstanden sein. Um die empfindlichen Funde erhalten zu können, ist der Zutritt zur Chauvet-Höhle nur wenigen Wissenschaftlern gestattet. Für Werner Herzog aber gab es eine Ausnahme. Im Frühjahr 2010 konnte er mit einer kleinen Filmcrew exklusiv drehen. Die einmaligen Einblicke nutzt er zu einer dokumentarischen Reflektion über den Ursprung des Menschen.
Herzog erzählt aus der Perspektive des neugierigen Entdeckers. Sein Film beginnt mit Bildern von außen, zeigt die erste Höhlenbesichtigung des Filmteams und thematisiert die komplizierten Drehbedingungen: Ein schmaler Metallsteg, der durch die Höhle führt, darf nicht verlassen werden. Peter Zeitlinger an der Kamera gelingen dennoch höchst beeindruckende Bilder.
Dreidimensionale Einblicke
Manche der Höhlenmalereien simulieren Bewegung, indem die Konturen der Tiere gedoppelt werden wie im Comic. Mit dem Spiel des Lichts auf den Felswänden lassen sie an eine Art Proto-Kino denken. Herzog liefert interessante Denkanstöße, gibt aber auch die Möglichkeit zu eigenen Reflexionen. Im Finale zeigt er die Malereien minutenlang ohne Kommentar in verschiedenen Einstellungen. Hier leistet die 3D-Technik zur Abwechslung einmal Wichtiges: Die Texturen wirken derart plastisch auf den hervorstehenden Felsen, dass es fast schmerzt, nicht selbst vor Ort sein zu dürfen. Eine andere Szene wirkt dagegen wie ein ironischer Verweis auf die übliche Verwendung von 3D, wenn ein Wissenschaftler prähistorische Waffen vorführt und Speerspitzen aus dem Bild ragen wie im Popkorn-Kino.
Dokumentarische Glanzleistung
Es fällt nicht schwer, in den Höhlenforschern Elemente der Abenteuerfiguren wiederzufinden, die Herzog immer interessiert haben. Und auch das Absurde erregt wie gehabt seine Aufmerksamkeit. Herzog vergleicht die Arbeit der Forscher mit der Rekonstruktion des Telefonbuchs von Manhattan: Die konkreten Menschen und ihre Lebenswelt lassen sich hinter den erfassten Daten nur vermuten. Ihre Geschichten können nur erträumt werden.
"Die Höhle der vergessenen Träume" ist ein emotionaler, spiritueller und manchmal skurriler Film geworden, denn natürlich führt das Träumen zu Herzog-typisch eigenwilligen Momenten. Gleichwohl ist der Film nicht weniger als eine dokumentarische Glanzleistung – selbst besuchen kann man diese Wiege der Kunst ja nicht.
Quelle: "Kino Kino"
br | Stand: 31.10.2011
Film-Info
- Filmtitel:
- Originaltitel: Cave of Forgotten Dreams (USA/Frankreich/Deutschland/Kanada, 2010)
- Regie:
- Werner Herzog
- Darsteller:
- Werner Herzog
- Dominique Baffier
- Jean Clottes
- Länge:
- 95 Min.
- Kinostart:
- 03. November 2011
- FSK:
- ab 6 Jahre






