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Film & Kino
Thriller "Verblendung" | Filmstart 12.01.2012
Düstere Hollywoodversion des Weltbestsellers
Harald Steinwender
Eine junge Hackerin und ein Journalist kommen einem Serienmörder auf die Spur. Nachdem Stieg Larssons Roman erstmals 2009 verfilmt wurde, wagt sich nun US-Regisseur David Fincher an den Bestseller. Der erste Teil seiner geplanten Trilogie ist ein düsterer Thriller, mitreißend gefilmt und bestens besetzt mit Rooney Mara und Daniel Craig.
Der schwedische Journalist Mikael Blomkvist (Daniel Craig) erhält von dem schwerreichen Industriellen Henrik Vanger (Christopher Plummer) den Auftrag, seine vor 40 Jahren verschwundene Großnichte Harriet zu suchen. Zur Seite steht Blomkvist dabei Lisbeth Salander (Rooney Mara), eine intelligente Computer-Hackerin, die mit der Gesellschaft im Dauerclinch liegt. Bald bemerkt das ungleiche Ermittlerteam, dass Harriet nicht die einzige Frau ist, die verschwand – offenbar sind sie einem Serienmörder auf der Spur.
Neuverfilmung eines Weltbestsellers
Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass Stieg Larssons posthum veröffentlichte "Millennium"-Trilogie erstmals adaptiert wurde. Die schwedisch-europäischen Koproduktionen mit Noomi Rapace und Michael Nyqvist in den Hauptrollen waren zwar einer konventionellen Fernsehästhetik verhaftet, boten jedoch seriöses Spannungskino, das viele Fans der Vorlage zufrieden stellte. Wozu also eine Neuauflage aus Hollywood?
Tatsächlich ist die zeitliche Nähe zu den ersten Verfilmungen das größte Manko von David Finchers neuerlicher Bestsellerverfilmung. Weltweit 15 Millionen Exemplare wurden von Larssons Romanen verkauft, die Kinofilme und ihre erweiterten Fernsehfassungen haben die Handlung und ihre Wendungen hinlänglich bekannt gemacht. Doch trotz der unvermeidlichen Déjà-vus und einer unangemessen pompösen Vorspannsequenz ist Fincher eine sehenswerte Neuinterpretation gelungen.
Eleganter und souveräner als die schwedische Filmfassung
Im Vergleich zu Niels Arden Oplevs "Verblendung"-Adaption ist Finchers Version eleganter, souveräner – und vor allem filmisch ästhetischer. Der Regisseur, der mit "Sieben" und "Zodiac" bereits zwei thematisch verwandte Thriller inszeniert hat, überhöht und stilisiert das Material mit elegant gleitenden Kamerafahrten und sorgfältig gestalteten Bildern. Die abgründigen Motive der Vorlage werden durch krasse Kontrapunkte verstärkt, zu denen etwa der zynische Einsatz von Enyas Popsong "Orinoco Flow" zur entscheidenden Konfrontation mit dem Serienmörder im weiß gekachelten Folterkeller zählt. Wie schon für "The Social Network" liefern Trent Reznor und Atticus Ross einen Filmscore, der die düstere Bildsprache kongenial ergänzt.
Starkes Ensemble
Das Schauspielerensemble ist hervorragend, allen voran Daniel Craig als zwischen Idealismus und Weltschmerz pendelnder Enthüllungsjournalist sowie Christopher Plummer und Stellan Skarsgård als Mitglieder der dysfunktionalen Industriellenfamilie. Die Entdeckung des Films aber ist Rooney Mara als Lisbeth Salander: Fragil und stark zugleich, verletzlich und aggressiv, androgyn und sexy – eine rotzige Punkrockgöre, eine schwarz schillernde Gothic-Prinzessin, ein furioses "Riot Grrrl". Natürlich wird es diejenigen geben, die Noomi Rapace die Treue halten werden. Doch Rooney Mara ist die glaubwürdigere Inkarnation von Stieg Larssons rächender Kindfrau, ihr Spiel alleine lohnt den Kinobesuch.
David Finchers "Verblendung" ist ein düster-eleganter Thriller, der zeigt, wie gut professionell inszeniertes Hollywoodkino sein kann, wenn es sich auf seine erzählerischen Tugenden besinnt.
Quelle: "Kino Kino"
br | Stand: 12.01.2012

