Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Weitere ARD Online-Angebote.

23.05.2012

Wir sind eins. ARD
Das Logo von ARD.de

http://www.ard.de/-/id=1283102/1nrw190/index.html

Film & Kino

Beginn des Inhaltes

Bud Spencer zum 80. Geburtstag

Bohnen, Doppel-Backpfeifen und Narkosehämmer

Sonja Kaute

Er war Olympia-Teilnehmer, ist Pilot, Sänger, Komponist und Erfinder. Berühmt geworden ist er allerdings als der gutmütigste Raufbold der Filmgeschichte. Seine Fans treffen sich auch heute noch zu Partys mit Armdrücken und einer großen Portion Bohnen direkt aus der Pfanne. Am 31. Oktober wurde Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer, 80 Jahre alt. Ein Porträt mit Filmausschnitten.

Bud Spencer isst Bohnen aus der Pfanne in "Die rechte und die linke Hand des Teufels" Foto: 3L Film

"Wenn du noch ein Mal mit den Augen zwinkerst, zwinkere ich mit den Fingern." Drohungen wie dieser aus "Vier Fäuste für ein Halleluja" folgen stets minutenlange Prügelorgien, durch die sich Bud Spencer zusammen mit seinem Filmpartner Terence Hill - der mit bürgerlichem Namen Mario Girotti heißt - in zahlreichen Filmen kämpft. Das ungleiche Duo hat Generationen von Zuschauern zum Lachen gebracht. Für viele, die in den 1970er und 1980er Jahren aufgewachsen sind, gehören seine Filme zu den schönsten Kindheitserinnerungen. Die Film-Brüder Spencer und Hill nahmen den eingestaubten italienischen Western aufs Korn - und schufen damit ein eigenes Genre.

Mit viel Körpersprache, Situationskomik und einer dichten Geräuschkulisse erinnern ihre Filme an Comics oder Stummfilme. Seine Leinwand-Gegner setzt Bud Spencer am liebsten mit beidhändigen Doppel-Backpfeifen oder einem von oben auf den Kopf treffenden Faustschlag, dem "Narkosehammer", außer Gefecht. Gerne auch gleich ein halbes Dutzend Feinde auf einen Schlag. Die Kraft dafür holt sich der korpulente Filmheld aus gigantischen Mengen Bohnen und Würstchen, die er vorzugsweise direkt aus der Pfanne vertilgt.

"Ich mache seit 30 Jahren das gleiche und will das so"

Noch heute feiern seine Fans Bud Spencer auf regelmäßig stattfindenden Fantreffen - natürlich mit Bohnenessen, Wettbewerben im Armdrücken und "Hau-rein-Cocktails". Die besten Filmzitate und -dialoge werden auf Fan-Websites und in Internetforen akribisch gesammelt.

Die deutschen Synchronisationen interpretieren die Originale allerdings teilweise neu. Folglich werden auch die deutschen Synchronsprecher verehrt. "Hat dir eigentlich schon mal jemand mit 'nem Vorschlaghammer 'nen Scheitel gezogen?" ("Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle") ist eines der klassischen Zitate Bud Spencers. Oder: "Antworte, sonst pflüge ich dich durch die Botanik, dass man dich für ne abgeknickte Tulpe hält!" ("Plattfuß am Nil").

Solo kämpfe Spencer als Kommissar "Plattfuß" für die Schwachen. Er ging in seiner Rolle als grober, recht dümmlicher, aber gutmütiger Haudegen jahrzehntelang auf. Er habe nie den Willen gehabt, anspruchsvolle Filme zu machen, beteuerte er in zahlreichen Interviews. "Ich mache seit 30 Jahren das gleiche und will das so", sagte er 1995 der Zeitschrift "Bunte".

Bescheidener Filmheld

Seine Filme haben Kultstatus. Trotz beeindruckender Erfolge ist der Italiener jedoch auf sympathische Art bescheiden geblieben. So weigert er sich zum Beispiel, seine komischen Rollen als Schauspielerei zu bezeichnen.

2004 sagte Carlo Pedersoli in einem Interview für das Magazin "Neon": "Sogar ein Schimpanse könnte Schauspieler in einem Kinofilm werden: Jede Einstellung wird 25 Mal wiederholt. Die meisten Westernhelden sind halbe Analphabeten - macht nichts, es reicht ja auch, wenn sie 40 Wörter nuscheln können. Grauenhaft!" Seine Filmfigur Bud Spencer hätte es vermutlich so ausgedrückt: "Ein Schauspieler hat auch nicht mehr Grips als ’n Spatz Fleisch an der Kniescheibe." Wenngleich Carlo Pedersoli mit dem Film-Bud wenig gemein hat, mag er diesen: "Er ist nicht besonders schlau - aber ich bin mächtig stolz darauf, dass Kinder ihn so lieben."

Studium der Rechtswissenschaften

Carlo Pedersoli wurde am 31. Oktober 1929 in Neapel geboren. Nachdem die Familie zuerst nach Rom und dann nach Südamerika gezogen war, kehrte er wieder zurück nach Italien. Nach einem Studium der Rechtswissenschaften promovierte er 1957 als 28-Jähriger. Nicht um Schauspieler zu werden, sondern um sich dieses Studium zu finanzieren, übernahm er 1951 unter seinem bürgerlichen Namen eine Nebenrolle als Neros Leibgardist im Monumentalfilm "Quo Vadis?". An eine Schauspiel-Karriere dachte er jedoch noch lange nicht.

Carlo Pedersoli wirkte in seinen Filmrollen meist schwerfällig. Er ist 1,90 Meter groß und soll bis zu 150 Kilogramm gewogen haben. Heute stützt er sich meist auf einen Gehstock, seine Haare sind lichter und weißer geworden. Er ist jedoch früher sehr sportlich gewesen.

Spitzensportler und Frauenschwarm

Was hierzulande nicht jeder weiß: In den 1950er Jahren machte Carlo Pedersoli in seiner Heimat Karriere als Spitzensportler. Er war der erste Italiener, der die 100 Meter Freistil in weniger als einer Minute schwamm. Der damalige Frauenschwarm gewann elf Mal in Folge den italienischen Meistertitel in dieser Disziplin.

Als Krönung seiner Sportlerkarriere nahm er 1952 als Schwimmer und Wasserballspieler an den Olympischen Spielen in Helsinki und vier Jahre später in Melbourne teil. Eine Goldmedaille brachte er jedoch nicht mit nach Hause.

Bis heute fühlt er sich dem Schwimmsport verbunden: Im August dieses Jahres überreichte er den Athleten der Schwimm-Weltmeisterschaften in Rom die Medaillen. Die Wettkämpfe verfolgte er gebannt auf dem Fernsehbildschirm.

Auf der Suche nach sich selbst

Pedersoli zog es nach seinem Studium und den beiden Olympia-Teilnahmen wieder nach Südamerika. 1957 half er im Dschungel neun Monate lang beim Bau der Panamericana, einem transamerikanischen Straßensystem. Dabei trieb ihn nicht etwa die Abenteuerlust, sondern die Suche nach sich selbst. Eigenen Angaben zufolge drohte ihm der Ruhm als Sportler den Boden unter den Füßen wegzureißen. Er wollte herausfinden, was er außer Leistungsschwimmen noch kann.

Als er nach drei Jahren wieder in seine Heimat zurückkehrte, stand eine Schauspiel-Karriere noch immer nicht auf dem Plan. Statt dessen betätigte sich Pedersoli als Musiker. In den 1960er Jahren komponierte er Lieder für die Schlagersängerin Rita Pavone und schrieb Filmmusik. "Cock a doodle Doo", eines seiner Lieder, trug er 1977 in "Sie nannten in Mücke" sogar selbst vor. Auch in weiteren Filmen wie zum Beispiel in "Das Krokodil und sein Nilpferd" sang er einzelne Stücke. 2003 brachte er ein eigenes Album mit neapolitanischen Volksliedern heraus.

Stand: 01.11.2009

Die ARD ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.
 Standort:
© SWR 2012

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW