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14.03.2010

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Film & Theater

Beginn des Inhaltes

"Schande" - beklemmendes Drama nach J.M. Coetzees Bestseller

Menschliche Tragödie vor majestätischer Kulisse

Margret Koehler

Literaturnobelpreisträger J.M. Coetzee gelang im Jahr 1999 mit "Schande" ein Welterfolg. Nun hat Steve Jacobs das Werk verfilmt: die Tragödie eines weißen Professors und seiner Tochter im Südafrika nach der Apartheid, deren Leben durch Gewalt und Rache aus den Fugen geraten.

Filmszene: Vater umarmt seine Tochter Foto: Alamode

David Lurie (John Malkovich) ist einer dieser arroganten Typen, die nichts dazu lernen. Der Professor für romantische Literatur an der Universität Kapstadt führt ein geregeltes Leben zwischen der Lektüre von Byron, Joyce oder Musil, sucht regelmäßigen Sex bei einer Prostituierten und hält wenig von dem Land, in dem er lebt.

Die Affäre mit einer farbigen Studentin, ein passives Objekt der Begierde, endet unrühmlich. Der arrogante Mann gesteht seine Tat ohne ein Fünkchen Reue und verliert seinen Posten.

Idylle wird zum Albtraum

Filmszene: Mann spielt Banjo Foto: Alamode Bild gross John Malkovich spielt Professor David Lurie.

Zuflucht findet er bei seiner lesbischen Tochter Lucy (Jessica Haines) auf dem Land, die dort mit ihren Hunden friedlich lebt und Blumen verkauft, ihrem schwarzen Hilfsarbeiter viel Freiheit lässt und sogar ein Stück Boden verkauft hat.

Dann überfallen drei schwarze Heranwachsende die Farm, töten die Hunde und versuchen, Lurie anzuzünden. Der kann sich in letzter Sekunde "löschen" und muss hilflos mit anhören, wie die Verbrecher seine Tochter Lucy brutal vergewaltigen.

Durch das Erlebte gerät die Existenz beider aus den Fugen. Die Frau betrachtet die Vergewaltigung als "Strafe" für die koloniale Schuld und sieht von Verfolgung ab. Ihr Vater verzweifelt an dem neuen Südafrika mit seinem neuen Rassismus und der Würdelosigkeit der neuen Herren, die sich für das ihnen einst zugefügte Leid bitter rächen.

Bildergalerie zu "Schande"

Galerie PiktogrammErschütterndes Porträt Südafrikas

Filmszene: Vater und Tochter spazieren über eine blühende Wiese Foto: Alamode

Ein brutaler Raubüberfall wirft einen weißen Professors in Südafrika aus der Bahn. Er wird von einer Gruppe junger Schwarzer mir Benzin übergossen und angezündet, seine Tochter brutal vergewaltigt. [br]

Südafrika im Schatten der Vergangenheit

Die Verfilmung des Weltbestsellers des in Kapstadt geborenen Literaturnobelpreisträgers J.M. Coetzee beeindruckt durch Dramatik und Intensität. Am intensivsten beschäftigt aber die schmerzhafte Erkenntnis, dass in der Postapartheid-Ära immer noch eine Trennlinie durch Südafrika geht, die von der Vergangenheit beschattete Gegenwart in der jetzigen Form noch keine Zukunftsperspektiven bietet - weder für die schwarze noch für die weiße Bevölkerung.

In linearer Erzählstruktur entwirft der australische Regisseur Steve Jacobs einen unheilvollen Albtraum, der im bewussten Kontrast zu den ruhigen Bildern einer wunderschönen Landschaft steht, vor deren majestätischer Kulisse sich eine menschliche Tragödie abspielt. John Malkovich als Zyniker und Jessica Haines als Überlebensstrategin personifizieren zwei Tendenzen in der weißen Bevölkerung: Die einen - selbst wenn sie liberal sind - vermissen ihre Privilegien, die anderen akzeptieren die Wirklichkeit, auch wenn sie damit noch nicht umgehen können.

Fein austarierte und ungeschönte Tragödie

Filmszene: Lurie und seine Tochter begegnen einer Gruppe junger Schwarzer, Foto: Alamode Bild gross Drei Jugendliche verschaffen sich unter einem Vorwand Zutritt zu Lucys Haus - und vergehen sich anschließend an ihr.

Wie die literarische Vorlage nimmt Regisseur Jacobs in dieser fein austarierten und ungeschönten Tragödie keine falsche Rücksicht auf Befindlichkeiten oder Animositäten der einen oder der anderen Seite. Er zeigt vielmehr die offene Wunde einer wie im Schock erstarrten Gesellschaft und deren immensen Werteverlust.

Die klare und unmissverständliche Aussage brachte Coetzee, der seit 2002 in Australien lebt, von der südafrikanischen Regierungspartei ANC den Vorwurf des Rassismus' ein - ungeachtet der Statistik, nach der drei Morde pro Stunde und drei Vergewaltigungen pro Minute passieren. "Schande" wirft harte politische und persönliche Fragen auf, die niemand jetzt beantworten kann. In einem Land, das die Umorientierung noch nicht geschafft hat, liegen Wahrheit und Gerechtigkeit noch in weiter Ferne.

Quelle: "Kino Kino" | br-online.de

br | Stand: 16.09.2009

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Film-Info

Filmtitel:
Disgrace (Australien/Südafrika, 2008)
Regie:
Steve Jacobs
Darsteller:
John Malkovich
Jessica Haines
Fiona Press
Antoinette Engel
Länge:
120 Min.
Kinostart:
17. September 2009

Quelle: br-online.de

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