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Bestseller-Verfilmung "Wüstenblume"
Von der Nomadentochter zum Topmodel
Margret Koehler
Die bewegende Lebensgeschichte des somalischen Topmodels Waris Dirie avancierte zum Bestseller. Nun hat Sherry Hormann das Buch für die Kinoleinwand adaptiert. In der BR-Koproduktion beeindruckt vor allem Liya Kebede in der Hauptrolle.
Die Geschichte klingt wie ein bittersüßes Märchen: Die junge Waris wächst in Somalia als Tochter von Nomaden auf. Als 13-Jährige soll sie verheiratet werden. Doch das Mädchen flieht, irrt durch die Wüste und schlägt sich nach Mogadischu durch.
Nach Jahren eines "Sklavendaseins" als Dienstmädchen in der somalischen Botschaft in London taucht sie in die Illegalität ab. Beim Putzen in einem Fast-Food-Restaurant wird Waris Dirie (Liya Kebede) schließlich vom berühmten Modefotografen Terry Donaldson (Timothy Spall) entdeckt. Es ist der Beginn einer Weltkarriere.
Enthüllungen, die die Welt schockierten
Bald lächelt Waris Dirie als eines der bestbezahlten Models der Welt rätselhaft und stolz von Plakaten und Magazin-Titeln. Eine Afrikanerin, die es nach ganz oben geschafft hat. Aber hinter der glamourösen Fassade verbirgt sich ein schreckliches Geheimnis. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere will Waris Dirie nicht die übliche Aschenputtel-Story erzählen.
In einem Interview mit der französischen Zeitschrift "Marie Claire" berichtet sie stattdessen von dem Tag, der ihr Leben wirklich veränderte. Der Tag, an dem sie als Fünfjährige brutal beschnitten wurde. So wie im Film schockte auch der echte Artikel aus der "Marie Claire" die Welt. Er brach ein Tabu und löste weltweit Diskussionen über ein Verbot des archaischen Rituals aus, der Genitalverstümmelung von täglich 6.000 Mädchen.
Zurückhaltendes Porträt
Regisseurin Sherry Hormann gelingt es, die verschiedenen Fäden der Vorlage zu komprimieren, unspektakulär und fast beiläufig das Individuelle und das Politische zu verknüpfen zu einem Drama mit einer fein dosierten Prise Humor.
Statt nur Stationen eines komplizierten Lebens abzuhaken, greift sie subtil entscheidende und prägende Momente heraus und entwickelt einen runden Bogen. Großen Stellenwert nimmt die Freundschaft zu einer ausgeflippten Engländerin (Berlinale-Preisträgerin Sally Hawkins) ein, in deren Filmfigur mehrere reale Personen verschmelzen.
Topmodel spielt Topmodel
Ein Glücksfall ist die Hauptdarstellerin Liya Kebede, wie Waris Dirie auch ein Topmodel. Sie überzeugt bei dieser schauspielerisch schwierigen Odyssee durchgängig als zähe Kämpferin und in ihrer Weiblichkeit versehrten Frau, ob sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält, auf dem Catwalk glänzt oder in eine Zweckehe flieht, um an die notwendigen Papiere heranzukommen.
Nicht spektakulär, sondern zurückhaltend ist dieses Porträt einer psychisch zerrissenen Frau, hinter dem Hochglanzlook der Modelwelt liegt ein Labyrinth des Schmerzes, das Wissen um die körperliche und daraus resultierende seelische Verstümmelung. "Wüstenblumen sind unzerstörbar" heißt es in dem autobiografischen Roman. Das gibt Mut - aber die Verwundungen sind trotzdem weiterhin zu spüren.
Quelle: "Kino Kino" | br-online.de
mehr | Stand: 24.09.2009
Film-Info
- Filmtitel:
- Desert Flower (D/Österreich/Frankreich, 2009)
- Regie:
- Sherry Hormann
- Darsteller:
- Kebede
- Sally Hawkins
- Timothy Spall
- Länge:
- 120 Min.
- Kinostart:
- 24. September 2009
Quelle: br-online.de
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