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09.02.2010

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Kunst & Ausstellung

Beginn des Inhaltes

80 Jahre MoMA

Marilyn, Kugellager und Toaster im Kunstmuseum

Sonja Kaute

Das Museum of Modern Art, kurz MoMA, in New York City überschreitet seit seiner Gründung im Jahr 1929 Grenzen - nicht nur, weil es ungewöhnliche Werke ausstellt. Besonders ist, dass es Exponate nicht allein für sich sprechen lässt, sondern sie so arrangiert, dass neue Zusammenhänge entstehen. Am 7. November hat das weltweit bedeutendste Museum für moderne Kunst den 80. Jahrestag seiner Eröffnung gefeiert.

"Gold Marilyn" von Andy Warhol und Eingangsbereich des MoMA; Foto: Andy Warhol Foundation for the Visual Arts / Artists Rights Society (ARS), New York / picture-alliance/dpa; Kombo: ARD.de

Bereits am Abend der Einweihung am 7. November 1929 verkündete Direktor Alfred H. Barr junior, das Museum werde sich auch jenseits von Malerei und Bildhauerei engagieren - für das damalige Kunstverständnis eine revolutionäre Ansicht. Lediglich acht Drucke und eine Zeichnung bildeten den Grundstock des Museum of Modern Art bei seiner Gründung. Diese wurde 1929 von drei kunstbegeisterten Damen der feinen New Yorker Gesellschaft, Lillie P. Bliss, Mary J. Sullivan und Abby Aldrich Rockefeller, initiiert. Heute beherbergt das MoMA genannte Museum die weltweit größte Sammlung moderner Kunst mit einer außergewöhnlichen Vielfalt an Darstellungsformen.

Darunter befinden sich mehr als 150.000 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Drucke, Fotografien, Architektur-Modelle, Plastiken sowie Design-Objekte. Zu den wichtigsten ausgestellten Gemälden gehören "Die Sternennacht" von Vincent van Gogh, "Die Badenden" von Paul Cézanne, "Gold Marilyn" von Andy Warhol sowie Werke von Salvador Dali und Marc Chagall.

Eine wichtige Rolle spielen auch die visuellen Künste. So lässt sich im MoMA die Geschichte der Fotografie von 1840 bis heute ebenso nacherleben wie ein Jahrhundert Filmgeschichte. Das MoMA-Archiv und die angeschlossene Bücherei beherbergen einen weltweit einzigartigen Fundus an Kunstwissen. 

Einfluss aus Deutschland

Alfred H. Barr, junior; Foto: The Museum of Modern Art, New York Bild gross Alfred H. Barr, junior, erster Direktor des MoMA.

Alfred H. Barr junior, der bis 1943 Direktor des Museums war, unterhielt sowohl beruflich wie auch privat gute Kontakte zu zeitgenössischen Künstlern, darunter Pablo Picasso und Vertreter der Bauhaus-Bewegung aus Deutschland.

1928 hatte Barr in Dessau Walter Gropius kennen gelernt. Dieser war Direktor des 1919 in Weimar gegründeten Bauhauses, einer der ersten Hochschulen für Gestaltung mit großem Einfluss auf die Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Dahinter stand die revolutionäre und geradezu provozierende Idee, Kunst und Handwerk miteinander zu verbinden.

Voller neuer Inspirationen kehrte Barr zurück in seine Heimat. Dort lehnte er die Konzeption des MoMA an die avantgardistische, deutsche Kunstbewegung an. Auch deshalb finden sich im MoMA Abteilungen wie Grafik, Design und Architektur. Von da an gab es viele weitere Grenzüberschreitungen, die durchaus auch auf Kritik stießen.

Die Kunstszene mit industriellen Objekten aufgemischt

Konservative und sogar Mitglieder der modernen Kunstszene kritisierten Barr dafür, die Kunst im MoMA zu sehr selbst zu gestalten, anstatt sie darzustellen und zu reflektieren. Ein Blick auf die Ausstellungen während der ersten Jahrzehnte der Museumsgeschichte zeigt, inwiefern das Museum die Kunstszene beeinflusst und aufgemischt hat.

1934 sorgte die vom Bauhaus inspirierte Ausstellung "Machine Art" für Aufsehen. Hier wurden unter anderem Teile von Schreibmaschinen, Kugellager, Propeller, Toaster, Kompasse, Mikroskope, Petrischalen und Flakons, Registerkassen und ähnliche industrielle, kommerzielle und wissenschaftliche Objekte gezeigt.

Für das damals vorherrschende Kunstverständnis war dies eine fremdartige und daher stark kritisierte Zusammenstellung von Objekten.

Skulpturen vom Zoll beschlagnahmt

1936 wurde der innovative Charakter einiger Kunstwerke zum Stolperstein. Für die Ausstellung "Cubism and Abstract Art" wurden 59 Gemälde und 19 Skulpturen aus Europa geliehen und in die USA eingeflogen. Zwar kamen die Gemälde ohne Umwege im MoMA an - doch bei der Überführung der Skulpturen, darunter solche von Jean Miró und dem deutsch-französischen Künstler Hans Arp, gab es unerwartete Schwierigkeiten: Die US-Zollbehörden beschlagnahmten die Werke kurzerhand.

Skulpturen wurden in den USA gesetzlich definiert als "Imitationen natürlicher Objekte, vornehmlich des menschlichen Körpers in realistischen Proportionen von Länge, Breite und Dicke". Doch dies traf auf die für die Ausstellung bestimmten Werke schlicht nicht zu. Deshalb verweigerten die Zollbeamten deren Einfuhr in die Vereinigten Staaten. Erst nachdem das Museum eine unbekannten Summe Geldes gezahlt hatte, durften die Kunstwerke die Landesgrenzen passieren und konnten im MoMA ausgestellt werden.

15.000 Besucher pro Woche

"Les Demoiselles d'Avignon" von Pablo Picasso (Ausschnitt); Foto: 2007 Estate of Pablo Picasso / Artists Rights Society (ARS), New York Bild gross Picasso-Bild "Les Demoiselles d'Avignon".

Auch die erste Picasso-Retrospektive in den USA war im New Yorker Museum of Modern Art zu sehen. Von November 1939 bis Januar 1940 wurden in Zusammenarbeit mit The Art Institute of Chicago etwa 300, zum Teil noch nie zuvor ausgestellte Werke gezeigt.

Die Ausstellung trug dem Titel "Picasso: Forty Years Of His Art". Bis zu 15.000 Museums-Besucher strömten für Picasso in das MoMA - pro Woche.

1944 kaufte das MoMA mit "She-Wolf" als erstes Kunstmuseum ein Jackson-Pollock-Gemälde.

Porträt der Menschheit nach dem Zweiten Weltkrieg

In gleich mehrfacher Hinsicht überschritt die Ausstellung "Familiy of Man" im Jahr 1955 Grenzen. Der damalige Leiter der Fotografie-Abteilung, Edward Steichen, hatte 503 Aufnahmen von 273 Fotografen aus 68 Ländern zusammengestellt. "Family of Man" sollte die Menschheit zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg porträtieren und eine humanitäre Friedensbotschaft verkünden.

Die fotografischen Arbeiten zeigten Menschen weltweit, thematisch unterteilt in 37 kulturübergreifende Themen wie Liebe, Tod, Geburt, Kinder und Krieg. So machten sie kulturelle Unterschiede, aber auch interkulturelle Gemeinsamkeiten deutlich. Nach der Ausstellung reisten die Fotos durch 37 Länder auf sechs Kontinenten. Furore machte, dass sie auch im japanischen Hiroshima gezeigt wurde, in der Stadt also, die im zweiten Weltkrieg durch einen Atombombenabwurf fast vollständig zerstört wurde. "Familiy of Man" gehört bis heute zu den berühmtesten Fotografie-Sammlungen und wurde 2003 von der Unesco in das Register "Gedächtnis der Menschheit" aufgenommen.

Phasen räumlicher Expansion

Das neuartige, umfassende Verständnis moderner Kunst und deren Darstellung machte immer wieder auch räumliche Expansionen erforderlich. In den vergangenen acht Jahrzehnten fanden zur Vergrößerung der Ausstellungsfläche wiederholt Phasen der Renovierung, des Anbaus oder Umzugs statt, zuletzt von 2002 bis 2004. Das MoMA ist heute selbst ein architektonisch anspruchsvolles Gebäude.

Seit 2000 kooperiert das Museum zudem mit dem im New Yorker Stadtteil Queens angesiedelten P.S.1 Contemporary Art Center, das weltweit als Plattform für zeitgenössische, experimentelle Kunst bekannt ist.

Zum Jubiläum zurück zu den Wurzeln

Zum 80-jährigen "Geburtstag" kehrt das MoMA zurück zu seinen Wurzeln. Vom 8. November bis zum 25. Januar 2010 findet die Ausstellung "Bauhaus 1919-1933: Workshops for Modernity" statt. Gezeigt werden unter anderem Werke von Vasily Kandinsky, Paul Klee, Walter Gropius und Oskar Schlemmer. Insgesamt handelt es sich um über 400 Werke, die die Vielfalt der Kunstbewegung verdeutlichen sollen.

Ohne Deutschland wäre eine solche Vielfalt gar nicht möglich: 150 dieser Werke sind Leihgaben der drei deutschen Bauhaus-Sammlungen in Berlin, Dessau und Weimar. Neben dem eigenen Geburtstag feiert das Museum mit dieser Ausstellung auch das 90-jährige Bestehen der Bauhaus-Bewegung. In den USA kann es dafür keinen passenderen Ort als das MoMA geben.

Stand: 07.11.2009

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