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Interview mit Robert Wilson
"Dita von Teese weiß, wie man sitzt"
Der Texaner Robert Wilson wurde als Theatermacher bekannt und hat seine Bühnenästhetik inzwischen weltweit etabliert. Sein einzigartiger Stil zieht sich auch durch seine Videoporträts, in denen er nicht nur Promis wie Johnny Depp oder Dita von Teese in Szene setzt.
ARD.de: Mr. Wilson, welches Ihrer Videoporträts mögen Sie am liebsten?
Robert Wilson: Ich habe kein Lieblingswerk, das ist wie mit Kindern: Du versuchst, niemanden zu bevorzugen. Weil sie eben sehr unterschiedlich sind. Es gibt ein Porträt von einem alten Automechaniker, aber auch eins von Prinzessin Caroline von Monaco. Ich habe den Adel dargestellt, berühmte Menschen, Tiere und Leute von der Straße. Es ist eine Art Familienalbum und deshalb gehören eigentlich alle Bilder zusammen: Die Schauspielerin Isabella Rossellini habe ich als comic-artigen Manga-Charakter dargestellt. Daneben ist die Pose der früheren iranischen Kaiserin Farah Diba Palavi elegant und mondän. Und Schauspieler Steve Buscemi stelle ich als Metzger dar. So verstärken sich meine Werke durch ihre Unterschiedlichkeit.
Nach welchen Kriterien suchen Sie die Menschen aus, die Sie abbilden?
Es sind meistens Menschen, die ich kenne oder bewundere. So schätze ich zum Beispiel den chinesischen, inzwischen in Frankreich lebenden Literaturnobelpreisträger Gao Xingjiang für seine Art zu schreiben, ich kenne ihn persönlich und habe darüber nachgedacht, eines seiner Stücke zu inszenieren. Darüber hinaus bewundere ich ihn für sein Schaffen als Künstler. Und ich mag sein Gesicht, deshalb habe ich ihn mit einer Nahaufnahme porträtiert.
Mit dem Hollywood-Star Brad Pitt verbindet mich das Interesse für Architektur. Wir teilen auch die Leidenschaft, Designer-Stühle zu sammeln.
Der Darsteller Sean Penn hat mich nach einer Vorstellung von meinem Stück "The Black Rider" angesprochen. Er mochte es sehr und fragte, ob wir nicht etwas zusammen machen könnten, also haben wir mit dem Videoporträt angefangen.
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Dem Automechaniker Norman Paul Fleming bin ich begegnet, als ich roten Autolack für das Porträt mit dem Filmstar Sharon Stone kaufen wollte. Ich mochte seinen Look und sein Gesicht, da habe ich ihn einfach gefragt: "Wie wär's, wenn Sie mit mir ins Studio kommen und wir ein Porträt von Ihnen machen?"
Sie haben auch eine Schneeeule porträtiert ...
Ja, solch ein Vogel ist mir schon in meiner Kindheit begegnet - Ich bin in Texas aufgewachsen. Vor meinem Schlafzimmerfenster stand eine Eiche, die sich in der Mitte teilte. In ihr lebte jahrelang solch eine weiße Eule. Vor kurzer Zeit habe ich in Südfrankreich dann wieder so ein Tier gesehen und fragte den Besitzer, ob ich sie porträtieren darf. Ich habe sie einen ganzen Tag lang im Studio aufgenommen. Am Morgen war sie sehr lebendig, aber im Laufe des Tages wurde sie immer müder. Es war ein bisschen wie eine Reise, den Tag mit dieser Eule zu verbringen.
Woher kommen Ihre Assoziationen? Warum haben Sie zum Beispiel Isabella Rossellini, die man eher als würdevolle und ernste Darstellerin kennt, als buntes Comic-Mädchen inszeniert, das an eine poppige "Alice im Wunderland" erinnert?
Beginn Texteinschub
Ich kenne Isabella schon seit vielen Jahren, wir sind gute Freunde. Sie hat einfach, wie alle von uns, viele Persönlichkeiten. Ich habe ihr mehrere Facetten, die ich in ihr sehe, vorgeschlagen, und sie hat die Komische gewählt. Es war also ganz allein ihre Wahl.
In welchem Ausmaß können die Protagonisten Ihrer Videoporträts entscheiden, wie sie inszeniert werden?
Ich mache immer Zeichnungen und fünf bis zehn Vorschläge. Die abgebildeten Personen können sich dann eine Richtung ihrer Darstellung aussuchen. Es findet also ein Dialog statt, ich zwinge ihnen nichts auf.
Wie war es, die Burlesque-Künstlerin Dita von Teese zu porträtieren?
Sie hat etwas Champagner getrunken und dann ging es ihr gut. Es hat fünf oder sechs Stunden gedauert sie abzulichten. Aber sie ist sehr professionell und weiß, wie man sitzt.
Stand: 15.04.2010
Interview mit Robert Wilson
Inhalt:
- Teil 1: "Dita von Teese weiß, wie man sitzt"
- Teil 2: "Mich interessiert die Wirkung, nicht die Ursache"





