Suche in der ARD
10. Todestag von Ella Fitzgerald
Die Stimme des Jazz
"Wichtig für mich ist, dass die Leute mich lieben, so wie ich sie liebe", hat Ella Fitzgerald einmal gesagt. Dieser Wunsch wurde ihr erfüllt. Mit ihrer facettenreichen Stimme hat sie sich in die Herzen ihres Publikums gesungen.
Ella Fitzgerald liebte ihr Publikum, sie genoss es, auf der Bühne zu stehen und zu singen. Zu gefallen ging ihr über alles, und schlechte Kritiken nahm sie sich sehr zu Herzen. Daher galt die große Sängerin im Gegensatz zu kapriziöseren Kolleginnen als sehr kompromissbereit und machte alle Strömungen und Wandlungen des Jazz mit. Dabei half ihre Stimme, die das schwarze Mädchen aus dem New Yorker Viertel Harlem so virtuos einsetzte wie keine andere Jazzsängerin. Die besondere Reinheit ihrer Drei-Oktaven-Stimme ermöglichten ihr jegliche Art der Improvisation: Ella Fitzgerald säuselte in den höchsten Tönen, klang weich und voll in den mittleren Lagen und konnte knarzen wie Louis Armstrong.
Trotz Lampenfieber ein Jazzstar
Dabei wollte sie eigentlich Tänzerin werden. Mit 16 nahm sie an einem Talentwettbewerb im heute noch legendären Apollo Theater in New York teil. Doch als sie tanzen wollte, zitterten ihr dermaßen die Beine, dass sie sich stattdessen fürs Singen entschied. Sie gewann den Wettbewerb und das war der Startschuss für eine märchenhafte Karriere. Denn das sonst eher schüchterne Mädchen entdeckte: Auf der Bühne war sie zu Hause, hier fühlte sie sich wohl.
Erste Erfolge
Nicht lange - und ihr Talent fand einen Mentor: Als Sängerin von Chick Webbs Bigband feierte sie erste Erfolge, darunter das verswingte Kinderlied "A-Tisket, A-Tasket" und die Jazzballade "Mr. Paganini". Den Sprung zum Welterfolg schaffte die Sängerin dann als Ensemblemitglied von "Jazz at the Philharmonic". Bei diesem Ensemble ließ der eigenwillige Jazzmanager Norman Granz Jazzstars bunt zusammengewürfelt miteinander auftreten. Anpassungsfähig und facettenreich wie Ella Fitzgerald war, fügte sie sich überall perfekt ein. Sie musizierte mit allen Meistern des Genres und avancierte so schnell zur "First Lady des Jazz".
Die Stimme als Instrument
First Lady of JazzUnvergesslich bleibt Ella Fitzgerald vor allem durch ihre Songbooks. In dieser Reihe nahm sie die Werke von Jazzgrößen wie Cole Porter, Jerome Kern, Irving Berlin und den Gershwins neu auf und setzte damit Maßstäbe. So sagte Ira Gershwin: "Ich wusste gar nicht, wie gut unsere Lieder sind, bevor ich Ella sie singen hörte." Auch einer neuen Gesangstechnik, dem Scat, verhalf die Sängerin zu ungeahnter Qualität. Die improvisierte Aneinanderreihung von - bedeutungslosen - Silben beherrschte Ella Fitzgerald wie keine Zweite, wie sie unter anderem in "How High The Moon" and "Lullaby Of Birdland" bewies.
Keine Kritik
Auf die Texte kam es ihr sowieso weniger an. Ob nun Kinderlied, Schlager oder Evergreen: Ella Fitzgerald begeisterte durch ihre Stimme und durch ihr natürliches Charisma, nicht durch intelligente oder kritische Texte. Sie, die in ihrer Jugend als Aufpasserin im Bordell gearbeitet hat, die sich als Teenager alleine in New York City durchschlug und die unter der Rassentrennung litt, kümmerte sich in ihren Liedern nicht um Gesellschaftskritik. Ella Fitzgerald wollte unterhalten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Stand: 15.06.2006







