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Westliche Jugendkulturen weltweit
No sex, no drugs, only rock'n'roll
Falk Sinß
Punkrocker in China, Heavy-Metal-Fans im Irak und HipHopper in Algerien - ursprünglich westliche Jugendkulturen sind inzwischen auf der ganzen Welt anzutreffen. In einigen Ländern leben Musiker und Fans jedoch ziemlich gefährlich.
Die Texte handeln oft von Gewalt, Satan und der Apokalypse: Die "Hölle auf Erden" ist bei vielen Heavy-Metal-Bands ein Thema - doch kaum eine hat sie erlebt. Eine Ausnahme sind Acrassicauda, der - laut Selbstaussage - ersten Heavy-Metal-Band aus dem Irak. Wenn die vier Musiker Firas al-Talif, Tony Aziz, Faisal Talal und Marwan Riyak Tod und Verderben thematisieren, dann wissen sie, wovon sie singen.
Heavy Metal aus dem Kriegsgebiet
Sie erlebten nicht nur die US-Bombardements auf Bagdad und das Chaos nach dem Krieg, sondern sie wurden selbst zum Ziel religiöser Fanatiker. Diese beschuldigten die Bandmitglieder, Satan zu verehren und drohten ihnen mit dem Tod.
Doch bei den Drohungen blieb es nicht. Nachdem eine Bombe in ihrem Proberaum explodiert war und alle Instrumente zerstört hatte, floh die Band aus dem Irak. Über die Stationen Syrien und Türkei landeten sie schließlich in den Vereinigten Staaten.
Massenverhaftungen in Ägypten
Doch nicht nur im Irak leben Rockmusiker mitunter gefährlich. So verhaftete die Polizei in Ägypten Mitte der 90er Jahre viele Heavy-Metal-Anhänger. Die ägyptische Boulevardpresse und regierungsnahe Zeitungen hatten zuvor das Gerücht in die Welt gesetzt, die "Metaller" seien Satanisten, die Sex- und Drogenorgien abhielten.
Mehr als 100 Anhänger seien damals verhaftet worden, gegen die später niemals Anklage erhoben worden sei, berichtete der ägyptische Journalist Hossam el-Hamalawy der Deutschen Welle. Er vermutet, dass die Regierung Mubarak die Gerüchte damals streute, um von innenpolitischen Problemen abzulenken.
Ähnliches ereignete sich 2003 in Marokko. Dort mussten mehr als ein Dutzend Musiker und Anhänger harter Rockmusik ins Gefängnis, weil ihre Musik den muslimischen Glauben verletze und die Moral unterminiere. Im Iran verzichtet der Rock-Musiker Farzad Golpayegani komplett auf Gesang und Liedtitel, um nicht in die Gefahr staatlicher Repressionen zu geraten.
Heavy Metal fristet ein Nischendasein
Trotz der Schwierigkeiten gibt es in diesen Ländern immer noch Bands und Anhänger, die nicht von ihrer Leidenschaft lassen wollen. Die jeweiligen Szenen führen jedoch ein Nischendasein und haben sich zum Teil angepasst. In Ägypten heißt das: no sex, no drugs, only rock'n'roll. Immerhin gibt es in der ägyptischen Hauptstadt Kairo heute wieder ab und zu Heavy-Metal-Konzerte, die von etwa 200 bis 300 Zuschauern besucht werden.
Traditionelle Rhythmen mit harten Gitarrenriffs
Viele Bands haben sich mittlerweile von ihren westlichen Vorbildern gelöst, um ihren eigenen Stil zu finden. Besonders deutlich zeigt sich das in Marokko. Dort sind es zum Beispiel Bands wie Total Eclypse, Barry oder Hoba Hoba Spirit (Hörprobe oben), die einheimische Stile wie Gnawa und Raï mit harten Gitarrenriffs, treibenden Schlagzeug-Beats, Reaggae-Rhythmen und HipHop verbinden. Beim größten alternativen Musikfestival, dem "Boulevard de Jeunes Musiciens" strömen jährlich 20.000 junge Marokkaner nach Casablanca, um ihre Lieblingsbands zu hören.
Stand: 30.06.2009
Links im WWW
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Acrassicauda
Offizielle Myspace-Seite -
Hoba Hoba Spirit
Offizielle Homepage -
Farzad Golpayegani
Offizielle Homepage -
Le Micro Brise le Silence
Offizielle Myspace-Seite -
Joyside
Offizielle Myspace-Seite -
Brain Failure
Offizielle Myspace-Seite -
Beijing Bubbles
Dokumentatarfilm über die chinesische Punkszene -
Fly Fast Records
Deutsche Plattenfirma von Joyside






