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23.05.2012

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Mensch & Alltag

Beginn des Inhaltes

Schule

Die Wahl der "richtigen" Grundschule

Inès Plume

Ratlos, ängstlich, orientierungslos – so fühlen sich Eltern oft schon lange vor dem ersten Schultag ihres Kindes. Es herrscht Stress statt Vorfreude, die Wahl der "richtigen" Grundschule wird auf dem Spielplatz zum Dauerthema. Doch ist tatsächlich Panik angesagt?

Schultafel  Foto: ARD.de

Die einen Eltern erkundigen sich schon lange vor der Einschulung nach einer geeigneten Grundschule, die ihr "lernstarkes" Kind besonders fördern soll. Andere sind bereit, für ihren Junior auch eine lange Fahrzeit auf sich zu nehmen, wenn er nur in die angestrebte Schule aufgenommen wird. Ein weiteres Elternpaar liebäugelt mit dem mehrfach ausgezeichneten Unterrichtskonzept der Grundschule im Nachbarort und sucht Rat, wie die Einschulung dort zu bewerkstelligen ist. Eine Mutter mit ähnlichem Problem bekommt den Tipp, noch schnell in einen anderen Stadtteil umzuziehen oder zum Schein die Adresse von Bekannten zu melden, wenn die Grundschule im eigenen Bezirk "grottenschlecht" ist.

Derartige Reaktionen auf die bevorstehende Einschulung sind in verschiedenen Internet-Foren wie zum Beispiel "eltern.de", "wer-weiss-was.de" oder "grundschule.de" zu lesen. Es wird klar: Bei der Wahl der richtigen Schule möchten Eltern nichts falsch machen.

Grundschulen schneiden gut ab 

Zwei Schüler heften Karten mit Wörtern an die Tafel. Darüber steht "PISA". Foto: picture-alliance/dpa Studien entfachen die Bildungs-Debatte immer wieder neu.

Schuld an dem wachsenden Bildungsdruck sind nicht zuletzt Bildungsstudien wie IGLU oder PISA: Sie entfachen immer wieder neu die Debatte, wie es um das Bildungssystem und das Wissen unserer Kinder bestellt ist.
Dabei kann man zumindest bei den Grundschulen Entwarnung geben, denn sie stehen im internationalen Vergleich gut da: Bei der IGLU-Studie 2006 zum Beispiel waren die deutschen Viertklässler mit ihren Lese-Leistungen EU-weit die besten, weltweit haben sie es ins obere Viertel geschafft. Und auch insgesamt haben sie gegenüber der vorherigen Studie noch einmal deutlich besser abgeschnitten.

Die Grundschule ist in den vergangenen Jahren moderner und fortschrittlicher geworden. Und hat damit offensichtlich Erfolg.

Beim jüngst veröffentlichten nationalen "Bildungsmonitor 2008" hat sich gezeigt, dass es inzwischen an vielen Grundschulen flächendeckenden Fremdsprachenunterricht gibt. Viele Grundschüler lernen sogar zwei Sprachen, heißt es in der Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

Eltern haben Angst, etwas zu verpassen

Ein weiterer Grund für die Orientierungslosigkeit der Eltern: Das Angebot an Schul-Konzepten und Methoden wird immer größer - von traditionell bis reformpädagogisch. Soll sich mein Kind in der Grundschule einfach nur wohl fühlen und grundlegende Dinge lernen. Oder ist nicht vielmehr entscheidend, wie speziell es schon dort gefördert wird, fragen sich Eltern heute. Schulpsychologen sehen sich deshalb mit immer mehr verunsicherten Eltern konfrontiert.

Grundschüler schreibt in ein Heft. Foto: picture-alliance/dpa Viele Eltern sind unsicher, wie viel Förderung ihr Kind in der Grundschule braucht.

Das bestätigt Stefan Drewes, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.: "Viele Eltern denken, dass sie ihrem Kind jegliche Art von Förderung bereits ganz früh angedeihen lassen müssen. Aus Angst, sonst etwas zu verpassen."

Sie suchen deshalb Hilfe bei einer schulpsychologischen Beratungsstelle, die es in den meisten Städten gibt. Schließlich möchte niemand seinem Kind mit der falschen Grundschulwahl Chancen verbauen, wird hier doch - so die Sorge vieler Eltern - der Grundstein für die spätere Karriere gelegt - oder eben auch nicht.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung ("Eltern unter Druck", 2008). Darin heißt es: "Der Druck nur keine Chance auszulassen, da sie sonst ihrer heutigen Elternpflicht, das Kind optimal zu fördern, nicht gerecht werden, scheint allgegenwärtig."

Stand: 19.09.2008

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