Nominiert für den ARD Online Award
::Das Wunderwerk - oder The RE-Mohammed-TY-Show ::
Wünscht sich der moderne Mensch im Grunde die Katastrophe? Weil Panik dazu führt, dass wir endlich etwas Anderes als Gleichgültigkeit empfinden? Ein hochbrisantes Stück mit schwarzem Humor.
Kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sagte Karlheinz Stockhausen auf einer Pressekonferenz: "Was da geschehen ist, ist - jetzt müssen Sie alle Ihr Gehirn umstellen - das größte Kunstwerk, das es je gegeben hat." Ein Aufschrei der Empörung bewegte Stockhausen wenig später zu einer öffentlichen Entschuldigung: "Wenn sich irgendjemand verletzt fühlt durch meine Äußerungen bei der Pressekonferenz, dann bitte ich um Verzeihung, denn ich habe nie gefühlt oder gedacht, was in meine Worte hineingelegt worden ist."
Der Autor Christian Lollike nimmt Stockhausens irritierende Worte als Ausgangspunkt für seinen Text, in dem er seine Figuren auf die Suche nach dem "Wunderwerk" schickt. Es soll nicht so falsch und gespielt sein, wie die Reality-Shows, die "RE-Mohammed-TY-Shows".
Es soll echt sein und wahr und es soll Aufmerksamkeit erregen: "Das Wunderwerk wirft die Frage auf: Wünscht sich der moderne Mensch im Grunde die Katastrophe? Weil die Katastrophe die Panik erregt, die dafür sorgt, dass wir endlich etwas anderes als Gleichgültigkeit empfinden?"
Das Publikum soll sich besser fühlen
Es ist das Stück "Die Fremden", das die Figuren proben und mit dem sie ein "Wunderwerk" zu erschaffen hoffen. Das Publikum soll aber nicht lernen, sich in Fremde hineinzuversetzen und toleranter zu werden, sondern es soll sich besser fühlen. Denn hat das Publikum nicht schon allein dadurch, dass es sich das Stück anhört, alles getan, um sich in Fremde hineinzuversetzen?
"Das Wunderwerk oder The RE-Mohammed-TY Show" wurde in Dänemark als Meisterwerk gefeiert und war gleichzeitig Anlass für kontroverse öffentliche Diskussionen. Thematisch hochbrisant, mit schwarzem Humor und sprachlich versiert, wirft es ein Schlaglicht auf den Komplex von Kunst, Glauben und Terror.

Stockhausen hat 9/11 als "größtes Kunstwerk" bezeichnet. Aber war "Titanic" nicht doch besser - und echter?

Mohammed Atta sitzt im Flugzeug. Doch, sein Glauben ist fest - da ist er ganz sicher. Denn schließlich schafft er ja gleich das "Wunderwerk".

Ich spüre Deinen Hass, sagt Mohammed. Aber ich will an meinen Werten festhalten – bist Du sicher, dass DU die richtigen Werte verteidigst?
Die Mitwirkenden
Mira Partecke
Laura Maire
Fabian Busch
Barnaby Metschurat
Tontechnik: Ute Hesse und Angela Raymond
Regie: Antje Vowinckel
Regieassistenz: Benno Schurr
Dramaturgie: Dagmar Schnürer
Produktion: Südwestrundfunk 2008
Dauer: 55'36''
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Stand: 22.10.2008
Der Autor
Christian Lollike, geboren 1973 in Dänemark, ist Gründungsmitglied von "The Sheriff", einer Gruppe, die dem vorhersehbaren Theater den Kampf angesagt hat. Im Jahre 2001 schloss er sein Studium des Szenischen Schreibens am Theater Aarhus ab. Zu seinen Werken zählen Hörspiele, Drehbücher und mehrere Theaterstücke. Die dänische Produktion von "Das Wunderwerk" wurde 2006 mit dem Prix Europa ausgezeichnet.
Die Nominierten



