Suche in der ARD
Deutscher Hörspielpreis der ARD
"Altersglühen oder Speeddating für Senioren" gewinnt
"Illusionslos und komisch zugleich" lobte die Jury das Siegerstück von Jan Georg Schütte, in dem sich fünf Frauen und fünf Männer zwischen Ende sechzig und Ende achtzig zum Speeddating treffen.
Unter den zehn Produktionen, die von den Hörspiel-Redaktionen der ARD als beste des Jahres 2011 nominiert wurden, wurde der Deutsche Hörspielpreis der ARD an Jan Georg Schüttes "Altersglühen oder Speeddating für Senioren" vergeben. Die gleichen Produktionen waren auch für den ARD Online Award nominiert.
Die Begründung der Jury:
Preisträger Jan Schütte"Das Hörspiel "Altersglühen. Speed Dating für Senioren" des Autors und Regisseurs Jan Georg Schütte ist eine virtuose Stimmensymphonie. Fünf Frauen und fünf Männer zwischen Ende sechzig und Ende achtzig treffen in einem Hamburger Café zusammen, um sich in einem verbalen Reihum der Paarungen jeweils acht Minuten lang miteinander bekannt zu machen.
Sorgen, Probleme, Hoffnungen und Sehnsüchte werden ausgetauscht, Kürzestporträts von Lebensläufen skizziert. Im knappen Zwiegespräch mit dem wechselnden Gegenüber, aber auch im inneren Monolog der einzelnen Figuren entsteht - illusionslos und komisch zugleich - ein Beziehungsreigen aus Sympathie und Antipathie, aus Anziehung und Abwehr. Dass sich die ebenso einfache wie heikle Grundsituation dieses Hörspiels in ein bezwingendes Ensemble aus Gedanken und Gefühlen verwandeln kann, liegt in hohem Maße auch an der außerordentlichen Improvisationskunst der zehn Schauspieler. Aus den Rollenvorgaben entwickeln die Dialogartisten prägnante Figuren.
Jan Georg Schütte komponiert daraus ein Hörstück, in dem sich Sprache und Musik, Stimmen und Existenzräume wie selbstverständlich miteinander verbinden. Gerade weil Authentizität simuliert, also kunstvoll hergestellt wird, wirkt "Altersglühen" so real wie lebenswahr.
Lobende Erwähnungen:
Eine lobende Erwähnung sprach die Jury dem Autor und Regisseur Paul Plamper für das fabelhaft um die anwesend abwesende Hauptfigur kreisende Hörspiel "Tacet (Ruhe 2)" aus. Zudem erhielt auch die Schauspielerin Dorota Kusiak eine lobende Erwähnung für ihre eindringliche und bewegende Interpretation der Titelfigur in "Rutkas Tagebuch – Hörspiel nach den Aufzeichnungen der Rutka Laskier".
Die Nominierten waren:
(alphabetisch sortiert)
- "2 Uhr 14" - David Paquet
- "Altersglühen oder Speed Dating für Senioren" - Jan Georg Schütte
- "Das Rätsel der Qualia" - Sabine Worthmann
- "Die künstlichen Paradiese" - Charles Baudelaire / Bearbeitung: Kai Grehn
- "Grüne Lunge. Breites Pflaster" - Katja Hensel
- "liebesrap" - Gesine Schmidt
- "Nichts. Was im Leben wichtig ist" - Janne Teller / Bearbeitung: Leonhard Koppelmann
- "publikumsberatung" - Kathrin Röggla / Leopold von Verschuer
- "Rutkas Tagebuch" - Steffen Moratz
- "Tacet (Ruhe 2)" - Paul Plamper
Im Rahmen der Hörspieltage wurden die eingereichten Produktionen dem Publikum präsentiert und nach dem gemeinsamen Hören von einer unabhängigen Fachjury öffentlich besprochen. Beim anschließenden Frageforum hatte das Publikum Gelegenheit, sich mit den Machern auszutauschen.
Die Jury setzte sich aus Hörspielkritikern, Journalisten und Autoren zusammen, den Vorsitz hatte der Journalist und Literaturkritiker Jochen Hieber (FAZ), Mitjuroren waren die Literaturkritikerin Sigrid Löffler, die Autorin Theresia Walser, der Journalist Jens Bisky (SZ) sowie Uwe Kammann, Direktor des Grimme-Instituts.
Das prämierte Hörspiel wird durch alle Landesrundfunkanstalten der ARD und Deutschlandradio übernommen. Der Preis besteht aus einer Urkunde sowie einer Trophäe und ist mit 5.000 Euro dotiert.
Stand: 12.11.2011




