Premiere im Netz
"030 - Der Anrufbeantworter" gewinnt
Elf Nominierte standen zur Wahl - die Jury hat sich für "Der Anrufbeantworter" von Benjamin Kloß entschieden. Die Nominierten und das Gewinnerstück stehen weiterhin zum Anhören, Kommentieren und Herunterladen bereit.
Im Wettbewerb "Premiere im Netz" 2009 setzte sich Benjamin Kloß mit "030 - Der Anrufbeantworter" durch. Mit seinem Kurzhörspiel über die verschmähte Zuneigung eines jungen Mannes zu seiner Bekannten überzeugte er die Jury. Zum vierten Mal wurde der ARD-Preis im Rahmen der ARD Hörspieltage vergeben. Benjamin Kloß war als Ehrengast zu dem mehrtägigen Festival eingeladen und gewann eine professionelle Hörspielproduktion in einem ARD-Studio. Das fertige Stück wird im Radioprogramm der ARD ausgestrahlt.
Die Nominierten und der Gewinner stehen weiterhin zum Herunterladen, Kommentieren und Anhören bereit.
Das Gewinnerstück
"030 - Der Anrufbeantworter" wurde bei den ARD Hörspieltagen vom 4. bis 8. November 2009 in Karlsruhe öffentlich aufgeführt.
- - Benjamin Kloß
Die Jury hob hervor, dass das Stück mit reduzierten, aber umso wirkungsvolleren Erzähltechniken arbeitet: "In Benjamin Kloß’ Hörstück gibt es kein akustisches Mittel, das zuviel erscheint oder fehlt. Faszinierend ist das präzise Psychogramm eines jungen Mannes, der vom harmlosen Verehrer unmerklich zum Stalker wird. Das Psychogramm entwickelt sich ausschließlich über improvisierte Sprüche auf einem Anrufbeantworter. Man weiß genau, was die junge Frau fühlt, obwohl sie nicht zu hören ist. In achteinhalb Minuten gelingt es Benjamin Kloß, eine Geschichte zu erzählen, die in einem dichten Spannungsbogen auf einen gut gesetzten Schluss zusteuert. Und ihm gelingt es, in den Humor das Beängstigende subtil einsickern zu lassen."
Der Wettbewerb
Für den Wettbewerb "Premiere im Netz" konnten freie Hörspielmacher unveröffentlichte Kurzhörspiele von maximal 15 Minuten Länge hier bei radio.ARD.de über ein Upload-Formular einreichen. Aus allen Beiträgen nominierte eine unabhängige Fachjury aus ARD-/Deutschlandradio-Hörspieldramaturgen und Mitarbeitern des Zentrums für Kunst und Medientechnologie (ZKM) elf Stücke.
Alle elf Beiträge der Endrunde 2009 wurden auch in der Hörspielbahn gespielt, die während der ARD Hörspieltage wieder täglich ihre Runden durch die Karlsruher Innenstadt drehte.
Die Teilnehmer der Endrunde
- - Lasse-Marc Riek
- "Die Ausreißerin" - Britta Schöwing
- "FLSCH" - Ferdinand Klüsener / Bernhard Greif / Deborah Neininger
- "In Radio" - Daniel Wild
- "Loslassen" - Andreas Horn
- "Marek, Damaskus" - Korbinian Jaud
- "Meyers Plan" - Claudia Weber
- "Tauben sind keine Zugvögel" - Ursula Nisser / Matthias Schreiner
- "Vehlgast Klaus" - Judith Stadlin / Michael van Orsouw
- "Wo bist du?" - Wortgruppe 3 (Ingrid Beerbaum / Claudia Mila Gach / Silvia Knossalla)
Die Jury der Premiere im Netz 2009
Regine Ahrem, Hörspieldramaturgin beim Rundfunk Berlin-Brandenburg:
"Längst hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein Alleinstellungsmerkmal als Produzent von Hörspielen verloren. Inzwischen wird landauf, landab an unzähligen Spielstätten gewerkelt und gemacht – in professionellen Studios ebenso wie an den heimischen Computern mit Wohnzimmerflair. Eine ungeheuer aktive und kreative Szene – und wie mir scheint, aktiver und kreativer denn je. Dieser 'Off'-Szene jenseits des öffentlich-rechtlichen Hörspiels bietet die Premiere im Netz eine gute Plattform. Mich als Jurorin jedenfalls hat sie neugierig gemacht."
Stefan Dutt, tätig im Hörfunk und Fernsehen, Schwerpunkt Hörspiel und Feature beim Saarländischen Rundfunk:
"Meine Leidenschaft für das Hörspiel hat ihre Ursache in einem Erlebnis im Jahr 1979. Ich war Freier Mitarbeiter beim Saarländischen Rundfunk beim Fernsehen und Hörfunk. Werner Klippert, der damalige Hörspielleiter, bot mir die Regieassistenz für die Produktion 'Jakob und sein Herr' von Denis Diderot in der Bearbeitung von Hans-Magnus Enzensberger an. Ich war noch ziemlich naiv, was Hörspiel anbelangt. Aber dann - im Studio - hat es bei mir klick gemacht. Jetzt noch eine Kolportage von Werner Klippert, wenn ich mich recht erinnere - ein Zitat von Heinz Schwitzke: Was ist ein Hörspiel? - eine Pause mit 'was drumrum!"
Barbara Gerland, Dramaturgin und Redakteurin Freispiel bei Deutschlandradio Kultur:
"Experiment ist gefragt, Wagnisse müssen eingegangen werden - selbst auf das Risiko hin, dass sie scheitern, aber mindestens der Ansatz muss stimmen. Wenn sich Neugier auf das Radio und seine Spielmöglichkeiten verbindet mit einem wachen und klugen Blick auf die Welt, die uns umgibt, sind die Grundvoraussetzungen für ein gelungenes Hörspiel gegeben."
Christina Hänsel,RedakteurinHörspiel und Medienkunst Bayerischer Rundfunk
Dr. Achim Heidenreich, ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) und HfG (Hochschule für Gestaltung Karlsruhe), Leiter musiktheater intégrale:
"Hörspiel sagt mehr als tausend geschriebene Worte."
Manfred Hess, Hörspieldramaturg beim Hessischen Rundfunk:
"Hörspiel verstehe ich als eine Plattform, auf der die Künste grenzüberschreitend die Grammatik des Akustischen nutzen und das Radio als ihr Medium verstehen."
Susanne Hoffmann, Dramaturgin und Redakteurin Hörspiel-Feature beim Norddeutschen Rundfunk
Steffen Moratz, Redakteur Hörspiel / Lesezeit beim Mitteldeutschen Rundfunk
Holger Rink, Redakteur Kultur / Hörspiel bei Radio Bremen
Dagmar Schnürer, Hörspiel-Dramaturgin beim Südwestrundfunk:
"Die vielen Einreichungen zur Premiere im Netz zu hören, ist wie Geschenke auspacken: ich weiß nicht, was mich erwartet. Das eine möchte ich gleich wieder einpacken und weiterschenken oder sogar verschämt verschwinden lassen, anderes überrascht und manches begeistert. Wenn ich alle Geschenke ausgepackt habe, weiß ich wieder genauer, was ich mir wünsche und was ich schätze. Und ich habe eine Ahnung davon, was sich andere wünschen und was im öffentlich-rechtlichen Warenhaus nicht immer zu finden ist."
Natalie Szallies, Redakteurin 1Live / Plan B beim Westdeutschen Rundfunk:
"Für die 'Soundstories' in 1LIVE, der jungen Welle des WDR, bin ich immer auf der Suche nach neuen und kreativen Hörspiel-Ideen. Daher ist ein Wettbewerb wie 'Premiere im Netz' für mich eine super spannende Sache: Auf welche Ideen und Ansätze sind die Teilnehmer gekommen? Gibt es 'revolutionäre' Einfälle, auf die noch keiner der 'etablierten' Autoren gekommen ist? Die Suche nach diesen besonderen Fundstücken macht die Arbeit in der Jury zu einer wahren Schatzsuche. Nicht immer findet man dabei die Kronjuwelen, aber das eine oder andere Goldstück liegt doch meist dazwischen - und macht eine passionierte Schatzsucherin auch sehr glücklich!"
Stand: 09.11.2009
Was, wann, wo?
So wars 2009: Das Programm der ARD Hörspieltage aus dem vergangenen Jahr - für jeden Tag auf einen Blick. [mehr]
