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Suche im Radio Tatort

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Illustration Foto: Jürgen Frey, Berlin

Die Unsichtbare

Ein aufgebrachter Kleingärtner meldet einen Einbruch und bittet um Polizeischutz. Hauptkommissarin Evernich nimmt ihn nicht ernst und geht mit ihrer Tochter auf den Bremer Freimarkt. Kurz darauf ist der Kleingärtner tot. Evernich und Staatsanwalt Gröninger stehen vor einem Fall mit bundesweiten Dimensionen.

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Im Interview: Autor John von Düffel

"Kriminalisten sehen die Welt mit anderen Augen"


John von Düffel, Sie arbeiten seit 1991 als Dramaturg an verschiedenen Theatern und verfassen außerdem Prosa und Essays. Nun haben Sie bereits den zweiten Bremer Radio Tatort geschrieben. Hatten Sie Freude daran, die Figuren Evernich und Gröninger weiter zu entwickeln?

John von Düffel Foto: Eva Koplin

John von Düffel: Unbedingt! Seit ich Marion Breckwoldt und Markus Meyer in der ersten Folge als ungleiches Paar "in Aktion" erlebt habe, fallen mir ständig Szenen und Dialoge für die beiden ein.

Der erste Tatort war sehr humorvoll, viele Spitzen von Gröninger gegen Evernich und umgekehrt. Wird das im zweiten auch so sein?

Evernich und Gröninger passen nicht zusammen, wie Frau und Mann überhaupt. Sie lernen sich kennen und fangen gleich an, sich zu streiten wie ein altes Ehepaar. Sie halten sich kaum aus und brauchen einander – es ist also alles wie im wirklichen Leben.

Wie sind Sie auf den Fall "Die Unsichtbare" gekommen?

Ich habe von dem Heilbronner Polizistenmord im Radio gehört und davon, dass am Tatort die DNA-Spuren einer Frau gefunden wurden, die schon in zahlreiche Mordfälle verwickelt war. Ihr genetischer Fingerabdruck ist wie ein Siegel des Todes – aber noch nie hat sie jemand gesehen.

Das Phantom hat vielen Leuten Angst eingeflößt, die Brutalität der Verbrechen und die Skrupellosigkeit sind einzigartig. Plötzlich kommt heraus, es steckt kein Phantom dahinter. Aus der Tragödie wird eine Farce, obwohl sich für die Opfer nichts ändert. Wie gehen Sie als Autor damit um?

Tatsächlich schien für einen Moment nicht nur die jahrzehntelange Arbeit der Ermittler, sondern auch unser Plot in Frage gestellt: Aber bei näherem Hinsehen ist der so genannte Wattestäbchen-Skandal, dass die meistgesuchte Verbrecherin eine Frau ist, die am Fließband einer Sanitärfabrik steht, für den Radio Tatort eine überraschende Wendung, die sich in die Geschichte gut integrieren lässt. Denn "die Unsichtbare", der Evernich und Gröninger auf der Spur sind, ist damit ja nicht gefasst, es ist nur ihre einzige Spur, die sich auf einmal in Wohlgefallen auflöst.

Zeigt der Radio Tatort exemplarisch auf, wie Polizisten reagieren, wenn die DNA in eine klare Richtung weist?

Ich hoffe, er zeigt erst einmal, wie hart und intensiv die Radio-Tatort-Ermittler, aber auch die realen Experten an einem Fall gearbeitet haben, der unter völlig fehlgeleiteten Vorzeichen untersucht wurde.

Verengen Ihrer Meinung nach die technischen Möglichkeiten die praktische Polizeiarbeit oder erweitern sie sie?

Meine Meinung als Laie: Ich denke, die DNA-Analyse und andere technische Verfahren sind methodische Erweiterungen, aber eben keine Allheilmittel. Am Ende kann man dem Wattestäbchen-Skandal sogar etwas abgewinnen: Er verhindert, dass man den genetischen Fingerabdruck als ultima ratio ansieht.

Die Presse gießt viel Häme aus über die polizeiliche Ermittlung zum Phantom, finden Sie das gerechtfertigt?

Häme finde ich völlig unangebracht. Ich habe mich viel mit der Arbeit der wirklichen Ermittler beschäftigt, das sind die besten Leute in den Reihen der deutschen Polizei. Sie haben ihr Leben, ihre Arbeit, unzählige Tage und Nächte in den Dienst dieser Sache gestellt. Mein Respekt dafür bleibt.

Wie muss man sich die Recherche zu so einem Radio Tatort im Detail vorstellen?

Ich lese alles, was ich über den Fall finden kann und nutze meine inzwischen guten Kontakte zur Polizei, um mich mit Experten darüber zu unterhalten. Dabei lerne ich sehr viel. Kriminalisten sehen die Welt mit anderen Augen – diesen Blick versuche ich mir anzueignen.

Basieren Ihre Werke immer auf Recherche? Sind Sie also, im weiteren Sinne, ein Journalist, der Prosa schreibt, statt ein Schöpfer fiktionaler Welten? Oder sehen Sie sich da in einer literarischen Zwitterposition?

Ich selber habe keine ausgeprägte kriminalistische Phantasie – zumindest habe ich gemerkt, dass die Wirklichkeit meist spannender ist. Aber Fakten allein machen noch keinen Krimi, der lebt vom Fall und von den Figuren, die erfunden sind – und diese verschiedenen Elemente müssen sich zu einer guten Geschichte verbinden.

Sind Sie stolz darauf, dass die Bremer einen so aktuellen Fall haben, über den alle Zeitungen diskutieren?

Unbedingt! Ich bin – nach dem ersten Schock über diese völlig unerwartete Wendung – sehr froh, dass wir noch ein, zwei Wochen Zeit hatten, mit der Produktion darauf zu reagieren. Und ich finde, dass der Radio-Tatort dadurch sogar noch besser geworden ist. Das war gutes Timing!

Das Interview führte Janine Lüttmann, Radio Bremen.

Stand: 05.05.2009

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