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Suche im Radio Tatort

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Illustration Foto: Jürgen Frey

Mordlauf

"Morgen passiert was am Hermann-Hesse-Gymmi! Guckt in YouTube!", ruft ein junger Grufti in einer Stuttgarter Polizeiwache. Im Internetportal wird eine anonyme Drohung ausgestoßen: "Am elften Juni sollt ihr brennen." Die LKA-Profiler Xaver Finkbeiner und Nina Brändle haben 24 Stunden Zeit.

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Im Interview: Regisseur Günter Maurer

"Phantasie zu entwickeln tut uns allen gut"

SWR.de: Zehn Tage aufwändige Produktion liegen hinter Ihnen. Der zweite vom SWR produzierte ARD Radio Tatort ist im Kasten. Wie war's? Sind Sie zufrieden?

Regisseur Günter Maurer: Ja, absolut. Es war super spannend. Bei meiner ersten ARD Radio-Tatort-Folge "Himmelreich und Höllental" haben wir gemeinsam mit den Schauspielern Karoline Eichhorn und Ueli Jäggi sozusagen noch nach den Figuren gesucht. In der neuen Produktion ging es darum, die beiden genauer zu definieren. Zum Beispiel war es wichtig, wie viel Dialekt die beiden sprechen sollen.

Und wie viel Dialekt ist dabei herausgekommen?
Es war für uns wichtig, dass man den ARD Radio Tatort zum Beispiel auch auf Helgoland verstehen kann. Schließlich wird er in der gesamten ARD gesendet. Die ganz wichtigen Dialoge sind deshalb hochdeutsch gesprochen. Kleine Randfiguren aber durften so richtig zulangen. Das bringt Atmosphäre.

Stichwort Atmosphäre. Wie haben Sie das Stuttgarter Flair und Lebensgefühl akustisch in den ARD Radio Tatort gehoben?
Wir sind einfach mit einem Aufnahmegerät durch Stuttgart gelaufen und haben Geräusche und Atmosphäre vor Ort mitgeschnitten. Der Tatort spielt ja in Stuttgart-Ost, im dort typischen Multikulti-Milieu. In einer Döner-Bude haben wir zum Beispiel das Stimmengewirr der verschiedenen Sprachen aufgenommen, in der Pizzeria nebenan genauso. Am Ostendplatz haben wir die Straßenbahn aufgenommen und so weiter. Wichtig beim Hörspiel ist, dass die Bilder möglichst schnell und genau im Kopf entstehen.

Und im Studio? Wie funktioniert das da mit der Atmosphäre?
Ein Teil der Produktion wurde tatsächlich szenisch aufgenommen. Also wie im Theater. Es gibt eine Kulisse mit Treppen und Türen, in der sich die Schauspieler bewegen. Überall sind Mikrophone angebracht. Ziemlich aufwändig das Ganze. Aber genau das macht ein Hörspiel dann auch gut. Außerdem ist die Musik natürlich ganz wichtig. In "Mordlauf" geht es ja um die ausweglose Lebenssituation vieler Jugendlicher. Die Musik ist deshalb düster bis dunkel. Rap und Hip-Hop - also alles, was man so als 17-Jähriger hört.

Was ist an einem Hörfunk-Tatort anders oder sogar besser als an einem Fernseh-Tatort?
Das Hörspiel weckt mehr Phantasie. Die Bilder entstehen individuell im Kopf und werden nicht einfach so serviert. Wenn ich mich aus dem Fenster lehne, würde ich sogar behaupten, ein Radio Tatort ist und macht klüger. Auch wenn man ihn zum zweiten oder dritten Mal anhört, kann man Neues entdecken. Uns allen täte es besser, mehr zu hören als einfach nur zu glotzen. Die Phantasie anzuregen kann uns allen nicht schaden.

Das Interview führte Steffi Schneider / SWR.de -Kultur

Stand: 15.07.2008

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