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Kommissar Fischer ist sauer. Mit dem Südharz-Städtchen Bleistedt verbindet er ungute Erinnerungen an einen ungelösten Fall. Jetzt liegt dort, am Fuße des Jagdhauses "Schöne Aussicht", eine Leiche. Während sich die neue Kollegin in dem "Stasi-Schlösschen" einmietet, wälzt Fischer die Akten. Im Hintergrund läuft der Countdown zu einem perfiden Mord …

Viele Jahre schon arbeitet Blümchen mit Fischer zusammen, und die Kollegen fragen sich oft, wie sie das manchmal ausgehalten hat, besonders nach dem Tod von Fischers Frau. Aber Blümchen hat nicht nur ein dickes Fell, sie ist auch klug. Sie hat den oft übellaunigen Kommissar längst durchschaut - und sie kann sich vollkommen sicher sein, dass er sie als Mensch und Kollegin schätzt. Sie ist sein Gedächtnis, seine Ordnung, seine moralische Instanz und ganz nebenbei der Mensch im LKA, dem er auch nach 30 Dienstjahren immer noch vertraut. "Am Dienstjubiläum sperre ich mich ein und setzte mich vor meinen Käfig", sagt Fischer zu Blümchen. "Wenn du willst, bist du eingeladen." Ein größeres Kompliment hat es auf dieser Erde wohl kaum je gegeben.
Während Arne davon träumt, eines Tages die große Story über die Bleistedter Politmischpoke im "Spiegel" zu veröffentlichen, schreibt er brav und artig, was Bürgermeister Ott und seine Leute ihm erlauben. Heimlich aber sammelt er seit Jahren Material für den Moment, an dem er diesem verfilzten Städtchen, dieser provinziellen Heimat, endlich den Rücken kehren wird, um irgendwo, wenigstens beim "Magdeburger Boten", tatsächlich politischen Journalismus betreiben zu können.
Er hat immer versucht, nach oben zu kommen, und er hat es für seine Verhältnisse weit gebracht: Als Amtsleiter für Hochbau gehört er zu den Machern in Bleistedt. Aber Friedbert Feigler steht mächtig unter Druck. Er muss der Stadt ein Gutachten für die Jagdvilla "Schöne Aussicht" vorlegen, seine Frau, für die er sich all die Jahre nach oben gekämpft hat, ist dabei ihre Koffer zu packen, und genau in diesem Moment droht ihn eine längst vergessene Geschichte aus der Vergangenheit einzuholen.
Schenkendorff ist in Bleistedt geboren, allerdings ging er schon vor der Wende mit seinen Eltern in den Westen. Nach dem Fall der Mauer kam die "Schöne Aussicht", als ursprünglicher Familienbesitz, an ihn zurück. Schenkendorff, ein Tausendsassa mit Schurkenpotential, ein großspuriger Nichtsnutz mit Charme, bezog die Villa, holte sich mit Eva Ranitzky billige Arbeitskraft und sinnliche Gesellschaft in einer Person dazu und gedachte, groß in Hotelier zu machen. Doch mit diesem alten "Stasi-Schlösschen" hat Schenkendorff nicht nur Kapital geerbt, sondern auch einen Haufen finanzieller Belastungen. In einem letzten großen Schachzug will er die Immobilie loswerden - und zwar nicht bloß für einen Freundschaftspreis.
Eva, studierte Elektroingenieurin aus Bulgarien, ist wie so viele zum Geldverdienen hier. Die Stelle als Kellnerin in der "Schönen Aussicht" entpuppt sich allerdings schnell als Sackgasse. Es ist nicht viel los, und Schenkendorff ist ein Macho, vor dem sie die Tür verriegeln muss, damit er endlich begreift, dass zwischen ihnen nichts läuft. Eva ist einsam, doch obwohl bis auf Arne Listewnik keiner in diesem Kaff mit ihr redet, bekommt sie so einiges von Schenkendorffs Plänen mit.
Stand: 30.01.2008