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Kommissar Fischer ist sauer. Mit dem Südharz-Städtchen Bleistedt verbindet er ungute Erinnerungen an einen ungelösten Fall. Jetzt liegt dort, am Fuße des Jagdhauses "Schöne Aussicht", eine Leiche. Während sich die neue Kollegin in dem "Stasi-Schlösschen" einmietet, wälzt Fischer die Akten. Im Hintergrund läuft der Countdown zu einem perfiden Mord …

Auszüge aus einem Pressegespräch zu "Schöne Aussicht"
Habe ich das richtig verstanden, Jost Fischer ist ein Magdeburger Kommissar?
Matthias Thalheim (Leiter der Abteilung Künstlerisches Wort bei MDR Figaro): Ja, das ist er. Das LKA ist in Magdeburg. Wir haben im Hinterkopf gehabt, dass Hilmar Eichhorn jemand ist, der weiß, wo der Rothehornpark ist. Natürlich brauchten wir auch einen Autoren, der mit Herzenswärme und Lokalkenntnis eine Geschichte entwickeln und ein sympathisches Ermittlerteam kreieren kann. Den haben wir in Volkmar Röhrig gefunden. Er kennt die Ausstrahlung eines Hauptdarstellers, er kann ihm ein paar Dinge auf den Leib schreiben.
Wolfgang Schilling (Moderator des Gesprächs): Und dann wurde nach einer Assistentin gesucht.
Thalheim: Der Generationswechsel spielte eine Rolle, ein Kommissar mit einer langen Biografie, auch mit einer DDR-Biografie und eine junge Kommissarin als Assistentin, die eigentlich mit dem schon gar nichts mehr zu tun hat. Sie bringt einfach eine ganz andere Perspektive hinein. Allerdings sollte sie keinesfalls ein zartes Mäuschen sein, das noch nichts erlebt hat. Jung aber tough, ehrgeizig aber emotional, sie werden es hören, da war Nele Rosetz die richtige Wahl.
Frage an den Autor, wir haben es schon gehört, es wird ein Widerspruch aufgebaut zwischen den beiden Ermittlern. Wie sind Sie vorgegangen?
Volkmar Röhrig (Autor): Es sind zwei vollkommen andere Generationen. Das war für mich das Reizvolle, mit Jost Fischer eine Figur zu haben, die schon ein bisschen abgeklärt und natürlich erfolgreich ist. Und diese kleine schrullige Reminiszenz mit den Papageien zeigt: Fischer ist ungeheuer bodenständig und will eigentlich seine Ruhe haben. Und das Schlimmste, was ihm passieren kann, nachdem sein Kompagnon aus dem Dienst gegangen ist, ist so ein "junges, wildes Ding" wie die Annika de Beer. Es ist gleichzeitig natürlich das Wunderbarste, weil die beiden zusammen auskommen müssen.
Nele Rosetz (Darstellerin der Annika de Beer): Annika hat nach der Polizeischule auch schon in Würzburg ermittelt. Sie hätte dort Karriere machen können. Aber es gab ein privates Problem, wenig Glück in der Liebe, und sie fängt jetzt bei Fischer praktisch noch mal von vorne an. Sie will den Job gut machen. Und wenn man etwas besonders gut machen will, dann vergreift man sich oft. Aber das Tolle an Annika ist, sie jammert nicht, sie muss etwas machen. Und Fischer lässt sie, auch wenn er dafür ganz bestimmte Gründe hat.
Bleistedt ist der Ort des Geschehens. Der Titel heißt "Schöne Aussicht". Worauf bezieht sich das, Volkmar Röhrig?
Röhrig: "Schöne Aussicht" ist der Name eines Hotels, mit langer Vorgeschichte, mitten im Wald, sehr schön gelegen, mit Blick in das Tal, in den Harz hinein. Irgendwann war es mal eine Fabrikantenvilla, mit der Zeit sind da irgendwelche Goebbels-Vasallen eingeritten oder Göring-Vasallen. Und nach der Wende gab es eine Rückübertragung. Der Sohn des ehemaligen Eigentümers hat nun diese "Schöne Aussicht", diese Kneipe, die in einem Zustand ist, wo man eigentlich nicht mehr "Schöne Aussicht" zu ihr sagen könnte. Entsprechend der Zeit, die sie hinter sich hat, liegen da auch "ein paar Leichen im Keller".
Thalheim: Jeder der Ortskundigen weiß, dass es Bleistedt nicht gibt. Aber ich sage jetzt mal zwischen Wernigerode, Blankenburg und Thale gibt es Orte, die vielleicht ähnlich beschaffen sind, der Schauplatz ist also auch mitten im schönen Sachsen-Anhalt gelegen.
Herr Röhrig, als Autor, spielt für Sie die Region eine Rolle? Haben Sie vor, Geschichten in verschiedenen Regionen Mitteldeutschlands anzusiedeln?
Röhrig: Ja, natürlich sind das "Spaziergänge". Aber es kommt nicht in erster Linie auf die Region an, sondern darauf, welche regionalen Umstände machen welche Fälle möglich, wo ergeben sich Reize. In dieser Geschichte ist das die ehemalige grenznahe Situation, in der sich die "Schöne Aussicht" befindet. Und im nächsten Fall wird es wieder anders sein. Wir werden keine Region abarbeiten, genauso wenig, wie wir Dialekte abarbeiten. Wir werden einfach schauen, welche Fälle sich hier am besten exemplarisch inszenieren lassen.
Wenn die Protagonisten nicht über ihren Akzent, den sie vielleicht sprechen, erkennbar sind, welche Mentalität haben Sie denn vor Augen, was sind das jetzt für Leute?
Thalheim: Zum Beispiel Günter Junghans, der den Bürgermeister dieser kleinen Ortschaft spielt, das ist jemand, der diesen Kleinstadtbürgermeister, wie wir ihn kennen, mit hiesiger Biografie wunderbar mit ein paar ganz wenigen Strichen hinlegt. Auch die Frauke Poolman, die die Frau des Bauamtsleiters spielt. Jeder kennt den Bauamtsleiter einer solchen mittleren Stadt. Und jeder weiß auch ungefähr, welche Gattin der hat. Und das sind die Finessen unserer Rezeptur.
Ich muss doch noch einmal auf den Typ zurückkommen, den Hilmar Eichhorn jetzt geben soll. Wir alle wissen, wenn er auf der Bühne aus sich rausgeht, wenn er brüllt, wie das klingt. Aber in dem Ausschnitt, denn wir uns anhören durften, kommt er so ganz schaumgebremst. Das verheißt auch nichts Gutes, das klingt fast bedrohlich. Was soll das für ein Kommissar?
Hilmar Eichhorn (Darsteller des Hauptkommissars Jost Fischer): Man kann die Figur nicht in einem Teil kennen lernen. Solche Figuren entwickeln sich. Bodenständig ist er und vielleicht ein bisschen bärbeißig. Man kann sagen: raue Schale, weicher Kern. Er hat seine Marotten.
Rosetz: Und er liebt Vögel.
Eichhorn: Ich liebe Vögel, ja, in Ermangelung vielleicht von anderem. Und dann kommt so ein junges, hübsches Wesen, was ihn ein bisschen aufschreckt in seiner Lethargie, und was ihn aber auch gleichzeitig wieder jung macht und belebt. Der Beginn ist schwierig. Und was das Brüllen anbelangt, werde ich wahrscheinlich auch irgendwann noch dazukommen zu brüllen. Wir fangen leise an, um uns dann zu steigern.
Schilling: Es hat TV-Kommissare gegeben, die haben sich so entwickelt, dass sie am Ende nur noch gesungen und nicht mehr ermittelt haben.
Rosetz: Wer weiß. Aber singen glaube ich nicht, oder Hilmar?
Eichhorn: Nein, nein, dann schon lieber brüllen.
Röhrig: Da wollen wir jetzt nicht vorgreifen.
Das Pressegespräch fand am 19.09.07 im Hörspielstudio Halle statt.
Stand: 30.01.2008