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Aus einem Schullandheim verschwindet eine Gans. Kein triftiger Grund für die Polizei zu ermitteln. Oder doch? Hauptkommissarin Claudia Evernich ist in Alarmbereitschaft. Das Tier diente als Wachposten, denn genau in diesem Schullandheim wurde vor drei Jahren ein Junge entführt und ermordet ...

Im Interview: Komponistin Sabine Worthmann
Wie sind Sie dazu gekommen, Musik für Hörspiele zu komponieren?
Sabine Worthmann: 2001 wurde ich erstmalig von der Regisseurin Andrea Getto als Komponistin für eine Hörspielproduktion beim NDR eingeladen. Wir hatten sehr viel Vergnügen in der Zusammenarbeit und es gab freundlicherweise für unser gemeinsames Debüt gleich einen Preis als Hörspiel des Monats. Aus diesem ersten Versuch entwickelte sich dann eine enge kontinuierliche Zusammenarbeit. Die Arbeit mit Frau Getto öffnete mir auch die Türen für die Kooperation mit anderen Regisseuren, so dass ich die Möglichkeit hatte, sehr unterschiedliche Konzeptionen für Hörspielumsetzungen kennen zu lernen. Mit Frau Ohaus habe ich vor dem Tatort schon zusammen gearbeitet und freue mich sehr über die Einladung.
Wie muss man sich die Vorbereitung für eine "ARD Radio Tatort"-Musik vorstellen?
Worthmann: Zunächst wird anhand des Textes die dramaturgische Funktion der Musik geklärt, es wird assoziiert über Klangfarben, Instrumentierung, eventuell Leitthemen und Platzierung der Musik. Darauf basierend wird ein musikalisches Szenario erstellt, die Musik komponiert und in Einzelthemen zerlegt. Die Entwürfe werden mit der Regie anhand von erstellten Layouts abgestimmt. Die Musik muss aus Dispositionsgründen schon vor den Wortaufnahmen fertig sein. Der Tonträger beinhaltet die Einzeltitel sowohl als Stereoreferenzmischung als auch in Einzelspuren, die wie ein Baukasten angeliefert werden. Damit hat die Regie die Möglichkeit später beim Mischen noch spontan die Dichte der Musik im Verhältnis zu Sprache und Geräusch auszudünnen oder Anteile mit Geräuschen zu mischen.
Worin liegen die Schwierigkeiten und worin der Reiz beim Komponieren für dieses Projekt?
Worthmann: Es gab vom Autoren die Vorgabe mit Kinderliedern zu arbeiten. Diese sind die Grundlage für das gesamte Stück. Der Spagat besteht darin, verschiedene frische Facetten in diesen Liedern aufzudecken und sie durch Bearbeitung, Reharmonisierung oder durch ungewohnten Instrumentalkontext zu modifizieren. Gleichzeitig sollen sie aber nicht ihre naive Kraft durch zu viel Verkünstelung einbüßen. Ich freue mich sehr, dass der Bremer Knabenchor "Unser lieben Frauen" zugesagt hat, zwölf Sänger für die Aufnahmen zur Verfügung zu stellen und auch die Einstudierung zu übernehmen.
Welche Instrumentierung haben Sie gewählt und warum?
Worthmann: Es gibt zusätzlich zum Knabenchor und dem Einsatz der Stimmen als abstrakte musikalische Klangfarbe noch den Einsatz von Klarinette (Bb-Klarinette, Altklarinette und Bassklarinette) und Kontrabass. Da ich akustische Instrumente nur ungern vom Sampler ersetze, weil der organische "Schmutz" und Atem fehlt, setze ich hier ganz besonders auf die vielfältigen Klangfarben der Klarinette, insbesondere der Bassklarinette. Diese wird von der hervorragenden Musikerin Silke Eberhard eingespielt. Die tiefen Klangfarben von Bassklarinette und Kontrabass kontrastieren den hellen Knabenchor, die Bb-Klarinetten sind sanft, aber auch unterkühlt und sollen nicht zu gemütlich werden.
Hatten Sie die Schere im Kopf, keine herkömmliche Krimimusik machen zu wollen?
Worthmann: Nein. Ich habe oft Vergnügen daran, Klischees auszuturnen. Aber im Zweifelsfall finde ich es schöner, bei einer geradeaus erzählten Geschichte mit Hörgewohnheiten zu brechen. Ich hoffe, dass das gelungen ist.
Gibt es spezielle Musiken für die Hauptcharaktere?
Worthmann: Es gibt die Kinderlieder, die eine stilisierte Jugendfreizeitidylle spiegeln und verstörende akustische Parallelwelten, in denen das Aufgeräumt-Übersichtliche aus den Fugen gerät. Ein mehrschichtiges Thema steht für die Erfahrungswelten von kindlichen Phantasien, Ängsten, das unaussprechliche Grauen, personifiziert im schwarzen Mann, dem bösen Onkel in der dunklen Nacht. So wird es parallel zu der realistischen Handlungsebene des Polizeialltags eine surreal anmutende Gegenwelt geben.
Das Interview führte Janine Lüttmann
Stand: 06.05.2008