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Nahrungskunde
Pilze: Giftig oder genießbar?
Anne Wiorkowski, Maurice Wojach
Hochsaison für Pilze: Im Wald und auf der Wiese warten Champignons, Pfifferlinge und Steinpilze darauf, gepflückt zu werden. Doch Vorsicht, häufig sehen giftige Pilze ihren genießbaren Verwandten zum Verwechseln ähnlich.
Pilze wachsen eigentlich das ganze Jahr über. Und trotzdem gilt vor allem die Spätsommer- und Herbstzeit als Hochsaison zahlreicher Pilzsorten. Gerade bei feuchtem Wetter sprießen auf Wiesen und in Wäldern die köstlichen aber auch die giftigen Pilze. Sammler sollten sich vor allem nach Regentagen auf den Weg machen, denn da sprießen besonders viele Pilze.
Wo und wie sammelt man Pilze?
Wer sich ein wenig Zeit nimmt, der wird problemlos genießbare Pilze finden. Während Pfifferlinge vor allem an den Wurzeln von Eichen und Buchen wachsen, sind Maronenröhrlinge hauptsächlich in Nadelwäldern unter Kiefern und Fichten zu finden. Steinpilze bevorzugen die Nähe von Eichen, Champignons wachsen sowohl auf Wiesen und Weiden als auch in Nadel- und Laubwäldern. Auch Morcheln sind fast überall zu finden. Hat man erstmal einen Pilz entdeckt, finden sich in der Nähe meist auch weitere Exemplare.
Mit einem Messer werden die Pilze knapp über dem Waldboden abgetrennt, und der Waldboden anschließend wieder zugedrückt. Auf diese Weise trocknet das Pilzgeflecht nicht aus. Ältere Pilze, die sich ohnehin nicht mehr zum Verzehr eignen, sollten nicht "geerntet" werden, da sich die Sorte so besser fortpflanzen kann. Transportiert werden die Pilze am besten in einem Korb. Hier bekommen sie genügend Luft und keine Druckstellen, im Gegensatz zu Plastiktüten oder Rucksäcken.
Wissen auffrischen
Wer sich auf Pilzsuche begibt, sollte sich vorab unbedingt über die einzelnen Arten informiert haben. Die Verwechslungsgefahr wird häufig unterschätzt. Wichtig ist, dass Sie Ihr Wissen zu Beginn jeder Pilzsaison auffrischen. Denn immer wieder wandern neue Pilzsorten nach Deutschland ein, wie zum Beispiel der Leuchtende Ölbaumpilz, der Pfifferlingen zum Verwechseln ähnlich sieht. Zudem können die Erkenntnisse älterer Pilzbücher mittlerweile überholt sein. So gilt der Kahle Krempling heute als gesundheitsschädlich, er kann bei häufigem Verzehr das Blut schädigen. Auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Mykologie e. V. finden Sie Experten in Ihrer Umgebung, die über die neusten Informationen verfügen. Eine Pilzberatungsstelle findet sich in fast allen größeren Gemeinden.
Giftiges Vergnügen?
Einsteigern liefern aktuelle Handbücher einen ersten Überblick über genießbare und giftige Pilze. Doch Vorsicht: Es gibt zahlreiche Exemplare, die genießbaren Pilzen sehr ähnlich sehen, aber hoch giftig sind. Sobald nur der geringste Zweifel daran besteht, ob es sich um einen genießbaren Pilz handelt, gehen Sie besser auf Nummer sicher. Lassen Sie also den Pilz stehen oder wenden Sie sich damit an einen Pilzexperten.
Selbst für erfahrene Pilzsammler ist das Risiko, versehentlich einen giftigen Pilz zu erwischen, nicht zu unterschätzen. Derzeit besonders tückisch: Viele grüne Knollenblätterpilze haben in dieser Saison auch eine gelbe und weiße Färbung und sehen den Wiesenchampignons sehr ähnlich.
Pilze nehmen durch ihr Wurzelgeflecht nicht nur Nähr- sondern auch Schadstoffe auf. Gefährlich für den Menschen sind vor allem Schwermetalle und radioaktive Stoffe, die sich auch mehr als 20 Jahre nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl noch im Boden befinden. Für gesunde Menschen sind selbst gesammelte Pilze in Maßen dennoch kein Problem. Schwangere und Kinder sollten zur Sicherheit auf Zuchtpilze zurückgreifen, von denen sie so viel essen können, wie sie wollen.
Aus dem Wald auf den Herd
Die Pilze sollten nach dem Sammeln möglichst schnell gegessen werden. Dabei gilt: Niemals roh verzehren. Beim Säubern sollte auf Wasser verzichtet werden, da Pilze dies wie ein Schwamm aufnehmen und der aromatische Geschmack verwässert. Stattdessen werden die Köpfe mit einer kleinen Bürste von Erdresten befreit. Werden die Pilze erst am nächsten Tag verzehrt, breitet man sie am besten auf Papier aus und bewahrt sie kühl und trocken auf. Sollen sie noch länger gelagert werden, schneidet man sie zuvor in Scheiben und lässt sie einige Minuten bei geöffneter Backofentür bei höchstens 40 Grad trocknen.
Bei der Zubereitung sind dann keine Grenzen gesetzt. Pilze lassen sich in unzähligen Variationen genießen. Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf, oder schauen Sie einmal, welche Pilzgerichte die ARD-Fernsehköche empfehlen.
Stand: 10.08.2011


