Hyposensibilisierung im Herbst
Allergiefrei in den Frühling
Kaum ein Heuschnupfengeplagter will im Herbst schon an die Beschwerden des nächsten Frühlings denken - ist er sie doch gerade erst losgeworden. Doch wer jetzt, spätestens im Frühwinter mit einer Immuntherapie (Hyposensibilisierung) beginnt, kann vielleicht schon im nächsten Frühjahr beschwerdefrei sein.
Der Körper eines Allergikers, der unter Heuschnupfen leidet, betrachtet Pollen (Allergene) als Krankheitserreger und setzt sich gegen sie zur Wehr. Das Immunsystem setzt unter anderem das Gewebehormon Histamin frei, das die bekannten Symptome (Juckreiz, Niesreiz, Schnupfen, tränende Augen) auslöst. Mit einem speziellen Hauttest (dem so genannten Pricktest) lässt sich jedoch in den meisten Fällen schnell klären, worauf man genau allergisch reagiert.
Hyposensibilisierung - erfolgreich in der Ursachenbekämpfung
Die Therapie von Heuschnupfen ist dagegen sehr viel schwieriger. Zwar gibt es zahlreiche Medikamente, mit denen sich die Symptome lindern lassen. Bei der Ursachenbekämpfung hat sich bisher allerdings nur die Hyposensibilisierung (auch "Allergie-Impfung" genannt) als erfolgreich erwiesen. Die 3-5 jährige Therapie wird außerhalb der Pollenzeit, also im Herbst, spätestens im Frühwinter begonnen.
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Sie wird vor allem bei Heuschnupfen, aber auch bei leichtem und mittlerem allergischen Asthma gegenüber verschiedenen Pollen (z.B. Gräser-, Birken-, Haselpollen) und bei Hausstaubmilben eingesetzt. Bei Allergien gegenüber Bienen- oder Wespengift ist sie oft lebensrettend und daher unbedingt zu empfehlen.
Wichtig: Die Wirksamkeit der Hyposensibilisierung ist am besten, wenn man nur auf einen und nicht auf eine Vielzahl von Allergieauslösern allergisch reagiert.
Wie wird die Hyposensibilisierung durchgeführt?
Die Empfindlichkeit gegenüber der allergieauslösenden Substanz (Allergen) wird herabgesetzt, indem man den Allergiker mit diesem Stoff wiederholt und über einen längeren Zeitraum in Kontakt bringt. So kann sich der Körper allmählich an den vermeintlichen Krankheitserreger gewöhnen. Der Organismus wird unempfindlich, und schließlich normalisiert sich die überschießende Reaktion seines Abwehrsystems.
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Bei der am häufigsten durchgeführten Methode, der so genannten subkutanen Hyposensibilisierung, enthält das Medikament den jeweiligen Stoff in einer verdünnten Lösung. Geht es um mehrere Substanzen, so werden für den Patienten individuelle Mischungen angefertigt. Der Arzt spritzt die Allergenextrakte ein- bis zweimal wöchentlich in steigender Dosis unter die Haut des Oberarms. Diese Dosis wird danach als Erhaltungsdosis in einem längeren Zeitintervall (alle zwei bis vier Wochen) verabreicht. Die Behandlung endet vor Beginn der Allergiesaison.
Alternativen zur Spritze
Kann Allergikern die Hyposensibilisierung leichter machen: eine Behandlung mit Tabletten oder TropfenAls Alternative zur Spritze gibt es für Kinder und besonders empfindliche Menschen auch eine Art "Schluckimpfung" (sublinguale Hyposensibilisierung, SLIT), bei der die Allergene als Tropfen eingenommen werden. Sie bleiben für rund zwei Minuten unter der Zunge und werden dann geschluckt. Diese Behandlungsform hat den Vorteil, dass sie auch zu Hause angewendet werden kann. Von Nachteil ist, dass über den Langzeiteffekt (bleibende Wirkung nach Therapie-Ende) noch keine medizinische Klarheit besteht.
Seit Ende 2006 ist eine Immuntherapie gegen Gräserpollen in Tablettenform zugelassen. Die Einnahme sollte mindestens vier Monate vor der Gräserpollensaison beginnen und während der gesamten Saison fortgesetzt werden.
Wie erfolgreich ist die Behandlung?
Die wirksamste Form der Hyposensibilisierung ist die subkutane Hyposensibilisierung. Die Erfolgsquote liegt hier bei etwa 80 Prozent. Als Erfolg ist eine Verringerung der Beschwerden aufzufassen, im besten Fall treten diese gar nicht mehr auf. Viele Patienten spüren bereits im ersten Frühling eine deutliche Besserung der Symptome.
Die Behandlung mit Tropfen oder Tabletten ist bei Erwachsenen mit Pollenallergie laut aktuellen Studien etwa halb so wirksam wie die "Spritzentherapie". Sie eignet sich auch nicht zur Behandlung jeder Allergie. Bei Kindern ist ihre Wirkung noch nicht ausreichend belegt. Deshalb wird sie von den drei allergologischen Fachgesellschaften für diese Personengruppe derzeit nicht empfohlen.
Mögliche Risiken
Um Gefahren während der Behandlung frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, ist es wichtig, dass die Patienten nach der Impfung für mindestens 30 Minuten unter ärztlicher Aufsicht bleiben:
- Bei der Spritzenbehandlung kommt es relativ häufig zu leichten örtlichen Schwellungen an der Einstichstelle, die jedoch harmlos sind. Bei starken Schwellungen und wenn sich Quaddeln bilden, verlängert der betreuende Arzt die Nachbeobachtungszeit in der Praxis. Eine Kühlung der Einstichstelle und die Gabe spezieller Medikamente (Antihistaminika, evtl. Kortisonpräparate) helfen gegen die Symptome. In seltenen Fällen können Allgemeinreaktionen wie Juckreiz, Niesreiz, Hautausschlag, Unwohlsein oder Husten, manchmal auch Atemnot, Herzklopfen oder Schwindel auftreten. Ein ernstzunehmender Kreislaufschock tritt selten und fast ausschließlich im Erwachsenenalter auf.
- Bei der Impfung mit Tropfen oder Tabletten können vor allem in den ersten Tagen örtliche Nebenwirkungen wie Jucken, Brennen oder Anschwellen der Lippen bzw. der Schleimhäute im Mund-, Rachen- und Halsbereich auftreten. Gefährliche Komplikationen, die den ganzen Körper betreffen, wurden bisher nur selten beobachtet, am häufigsten nach Einnahme der ersten Tablette.
Stand: 22.10.2009
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