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Das neue Digitalradio startet
Die Zukunft des Radios ist digital
Rachel Schröder
Seit 1. August senden einige öffentlich-rechtliche und private Radiosender auch über digitales Antennensignal. Das Ende von UKW bedeutet das nicht. Was kann die neue Technik und was müssen Sie beim Kauf eines neuen Empfangsgerätes beachten?
Auf DVD sehen wir unsere Filme digital - bald ist auch das Fernsehen weitgehend digital. Wir hören digital Musik und telefonieren digital. Nur das Radio ist mit UKW ein Relikt aus der guten alten analogen Zeit. Bis jetzt.
Seit 1. August sendet Deutschlandradio mit den drei Programmen Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und Dradio Wissen zusammen mit zunächst elf Privatsendern digital (im DAB+ Standard - parallel zum herkömmlichen UKW-Betrieb). Auch viele ARD-Wellen sollen laut Joachim Kraus, ARD-Koordinator Digitalradio, schon am 1. August digital zu hören sein: In Bayern, im Saarland, in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen.
Bis Ende 2011 sollen deutschlandweit gut 50 ARD-Programme und zudem Programmangebote der ARD, die bislang über UKW nicht zu empfangen sind, im Digitalradio ausgestrahlt werden, so Kraus. Der Empfang des Angebots wird sich zunächst auf die Ballungsgebiete konzentrieren. Doch das soll sich ändern: Bis spätestens 2015 ist geplant, in allen Bundesländern die entsprechenden ARD-Programme digital zu verbreiten.
Mitschneiden und später hören
Hierbei wird ein digitales Signal über Antenne verbreitet. Die Klangqualität kommt nach Betreiberangaben dem der CD nahe. Mit der passenden Ausrüstung lassen sich einzelne Angebote sogar in Surround Sound empfangen. Zahlreiche Zusatzinformationen gehören zum Angebot. Das Digitalradio bietet ein elektronisches Programmheft (EPG) und Hinweise über die laufende Sendung oder das aktuelle Musikstück, Wetter- und Verkehrsinformationen. Je nach Gerät können Sendungen programmiert, mitgeschnitten und gespeichert werden. Und wer ein internettaugliches Empfangsgerät hat, der kann sich weitere Infos zum Thema direkt aus dem Netz holen, interaktiv mit dem Programm umgehen oder mit dem Programmanbieter in Kontakt treten.
Sendersuche adé
Beginn Texteinschub
- Das digitale Angebot inklusive Zusatzdiensten wird nach und nach eingeführt
- UKW-Radios wird es weiterhin geben
- Bis 2015 sollen die entsprechenden ARD-Wellen in allen Bundesländern zu hören sein.
- Digitalradios gibt es schon jetzt als Küchen- und Autoradio, für PC und Handy
- Alle Infos über Hersteller, Geräte und Programme auf www.digitalradio.de
Die Sendersuche funktioniert in digitalen Empfangsgeräten automatisch. Der Hörer kann sich seine Lieblingssender ganz einfach in einer Favoritenliste speichern. Anders als im UKW-Netz sind die einzelnen Programmfrequenzen nicht nebeneinander angeordnet - mit dem lästigen Effekt, dass sich die Sender oft gegenseitig stören - sondern liegen allesamt gebündelt (in einem so genannten Multiplex) auf einer einzigen Frequenz.
Was wird aus dem guten alten UKW-Radio?
Auf UKW wird in absehbarer Zeit niemand verzichten müssen. Der ursprünglich vorgesehene Abschalttermin im Jahr 2015 wurde von der Bundesregierung aufgehoben, das entsprechende Detail in der Novelle des Telekommunikationsgesetzes Ende Oktober 2011 ersatzlos gestrichen. Ob UKW überhaupt abgeschaltet wird, ist daher ungewiss. "Der Hörfunk greift auf einen Markt mit 300 bis 350 Millionen Endgeräten und unglaublich vielen begeisterten Hörern zurück", sagt Joachim Kraus gegenüber ARD.de. Da werde man UKW nicht einfach abschalten. "Die privaten Veranstalter haben gar keine andere Refinanzierungsmöglichkeit als über UKW und – soweit es sie betrifft – werden sie es schon deswegen weiterbetreiben".
Zwar wird auf europäischer Ebene darüber nachgedacht, die Pflicht zum Einbau digitaler Empfangsmodule in Radioempfänger bis ca. 2014 gesetzlich zu verankern. Jedes Digitalradio kann jedoch auch UKW empfangen.
Neustart unter guten Vorzeichen
Beispiel eines Radios mit Zusatzinfos: So könnte schon bald das Display eines Digitalradio-Empfängers aussehen.Im terrestrischen DAB-Standard (dem Vorläufer des jetzigen DAB+) senden schon seit Jahren einige ARD-Sender sowie das Deutschlandradio. Doch anders als in Großbritannien, wo DAB per Gesetz einfach zum geltenden technischen Standard gemacht wurde, konnte sich diese Übertragungsart nicht durchsetzen. Einer der Gründe dafür war, dass in Deutschland nur begrenzte Frequenzbereiche zur Verfügung standen. Die Sendeleistung war daher sehr gering und der Empfang oft schlecht. Zudem gab es nur einen Bruchteil der Programme, die über UKW zu hören sind. Warum also, fragten sich Hörer zu recht, auf DAB umsteigen, wenn die passenden Geräte außerdem wesentlich teurer waren als ein einfaches UKW-Radio? Beim neuen Start des Digitalradios sind die Voraussetzungen vielversprechend: Denn zahlreiche private sowie öffentlich-rechtliche Sender, Geräte- und Chiphersteller sowie Netzbetreiber und der Handel haben sich dieses Mal zusammengetan.
Europa setzt auf Digitalradio
In vielen Ländern ist Digitalradio längst Standard. In Dänemark und Großbritannien hört ein Drittel der Haushalte Digitalradio. Und auch in der Schweiz ist DAB+ bereits gut vertreten: Jeder zehnte Haushalt hat ein dafür ausgelegtes Empfangsgerät. Gerätehersteller, etwa Philips, Dual, Pure, Sony oder Terratec, Chip-Hersteller und einige Autoradioanbieter setzen darauf, dass sich Digitalradio europaweit durchsetzen wird.
Terrestrisches Digitalradio ergänzt Webradio
Wer vorwiegend unterwegs Webradio hört, weiß, dass der Empfang nicht nur häufig gestört ist. Je nach Empfangsweg fällt er manchmal auch ganz aus, zum Beispiel dann, wenn viele Menschen gleichzeitig ins Netz gehen. Dieses Problem hat das Digitalradio nicht, es soll auch unterwegs ungestörten digitalen Radioempfang bieten.
Zudem ist die digitale Technik viel effizienter. Ein DAB+ Signal transportiert nicht nur ein Programm, sondern mehrere. Zudem kommt ein Digitalradionetz mit weniger Energie aus als ein vergleichbares UKW-Netz.
Die neuen Geräte - was Sie beachten müssen
Wer sich für das Digitalradio ein neues Empfangsgerät kaufen will, muss unbedingt darauf achten, dass es DAB+ empfangen kann. Denn die alten DAB-Geräte können die neue Technik nicht entschlüsseln und taugen später allerdings weiterhin zum UKW-Empfang. Das alte DAB-Signal wird nur noch in einer Übergangszeit weiter ausgestrahlt.
Vom minimalistischen Radiowecker bis zur Stereoanlage ist in allen Preisklassen etwas zu haben. Pure und Sangean bieten einfache Geräte ab 49 Euro an. Kombigeräte mit iPod-Eingang, die UKW, DAB, DAB+ empfangen und internettauglich sind, kosten derzeit ca. 250 Euro. Die meisten Geräte sind jedoch deutlich preisgünstiger zu haben.
Wer Radio per USB-Stick über den PC hört, kann sich entweder den PC-Empfänger DR 403 von Albrecht für 69 Euro zulegen oder auf das Konkurrenzprodukt von Terratec für 20 Euro zurückgreifen. Im Mobilfunk spielt der Digitalradio-Empfang bislang noch keine Rolle. Nokia plant jedoch ein Digitalradio-Headset für Symbian3-Smartphones auf den Markt zu bringen, wie das Unternehmen auf ARD.de-Anfrage mitteilte.
Stand: 04.11.2011
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