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Wenn es um Job-Angst geht, sind Arbeitnehmer über 50 meist mehr betroffen als sogenannte Jungdynamiker. Doch plötzlich umgarnen Firmen angeblich wieder die Senioren. Das Ende der "Altersdiskriminierung" in der Wirtschaft?
Erfahrung - ein wichtiges Kapital älterer Arbeitnehmer
Nokia Bochum: 2300 Arbeitsplätze vor dem Aus, BMW: sogar 8000 Stellen gestrichen. Angst vor dem Job-Verlust gehört für viele Angestellte mittlerweile ebenso zum Arbeitsalltag wie der Kantinenbesuch - obwohl es den Unternehmen nicht schlecht geht, im Gegenteil: Sie übertreffen sich zum Teil mit Rekordbilanzen. Und dennoch bangen Tausende Mitarbeiter um ihre Jobs, ältere in der Regel wesentlich stärker als jüngere.
Altersgemischte Teams - ein Erfolgsmodell?
Ihre Angst scheint nicht unbegründet. "Altersselektiver Personalabbau" ist immer noch der Trend, will sagen: Unternehmen entlassen eher Ältere als Jüngere. Nach Angaben der Nürnberger Arbeitsagentur liegt der Anteil der erwerbstätigen 55- bis 64-Jährigen bei knapp 50 Prozent. Damit liegt Deutschland unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten und deutlich unter den Zahlen von skandinavischen Ländern, die sich zwischen 60 bis 70 Prozent bewegen.
Weiterbildung - zunehmend auch für Senoiren interessant
Allerdings schlägt nun der demografische Wandel auch auf dem Arbeitsmarkt durch – er hat mit sich gebracht, dass vielen Unternehmen langsam die Fachkräfte ausgehen. Ist das nun die große Chance für die Älteren? Jedenfalls kursieren immer wieder Meldungen, dass sich die eine oder andere Chefetage vom "Jugendwahn" der vergangenen Jahre verabschiedet hat und gezielt ältere Arbeitnehmer einstellt oder auf sogenannte altersgemischte Teams setzt, also auf einen Mix aus Jung und "50 plus". Auch die Bundesregierung reagierte inzwischen und startete 2007 die "Initiative 50plus". Noch ist nicht klar, ob dem Projekt Erfolg beschieden ist. Das Bundesarbeitsministerium zeigt sich derzeit noch nicht in der Lage, eine Zwischenbilanz zu vermelden.
Als leuchtendes Beispiel wird in diesem Zusammenhang gern auf BMW Leipzig verwiesen. Der Autobauer hat dort seit 2005 einen neuen Standort, an dem die 3er-Reihe in Serie produziert wird. Nach Angaben von Michael Janßen, Pressesprecher von BMW Leipzig, setzte man dort von Anfang an auf eine ausgewogene Altersstruktur. Dieses Ziel sei zwar nicht ganz erreicht worden, aber immerhin seien 30 Prozent der Mitarbeiter älter als 40, sechs Prozent mindestens 50.
"Jüngere haben zwar mehr aktuelles Know-how und mehr Draufgängertum, aber die Älteren eine vielfältigere Berufs- und Lebenserfahrung. In kritischen Situationen bleiben sie gelassen und geraten nicht gleich in Panik", begründet Janßen die Personalpolitik seines Unternehmens. Allerdings: BMW Leipzig ist ein Prestigeprojekt in den neuen Bundesländern. Innerhalb von kurzer Zeit mussten etwa 2600 Leute eingestellt werden. Hätte man ausschließlich auf 2600 junge Fachkräfte gesetzt, wäre die Rekrutierung sicher keine leichte Aufgabe gewesen.
Ende des "Jugendwahns" in der Arbeitswelt?
Erfahrung, soziale Kompetenz, gute Ausbildung, Branchen- und Marktkenntnisse: Das sind die Schlagwörter, die stets genannt werden, wenn es um die Vorzüge älterer Arbeitnehmer geht. Auch Werner Kotschenreuther, Personalleiter beim TV-Gerätehersteller Loewe im oberfränkischen Kronach, nennt sie. Er versteht allerdings den Hype um das Thema gar nicht. In seinem Unternehmen müsse er nicht eigens altersgemischte Teams bilden - sie "gibt es ohnehin schon seit je her, als organisch gewachsene Strukturen", so Kotschenreuther. Bei Loewe habe man die Erfahrung gemacht, dass altersgemischte Teams am effektivsten seien. Die Kombination aus den jeweiligen Vorzügen der Altersgruppen erhöhe Stabilität und Flexibilität im Betrieb. Von insgesamt 1100 Mitarbeitern seien derzeit 25 Prozent älter als 50 Jahre.
Im produzierenden Gewerbe sind Beispiele von Integration älterer Arbeitnehmer allerdings nicht sehr häufig zu finden, am ehesten noch in Traditionsfirmen wie Loewe - oder im Dienstleistungsbereich, z. B. bei P-rsonal in Nürnberg. Die kleine Zeitarbeitfirma mit 20 Beschäftigten setzt bewusst auch auf Mitarbeiter über 50 oder 60 - auf Personal, das als Kapital ein "gelebtes Leben" mitbringt, sagt Marketing-Leiterin Andrea Gehrke. Und: "Ein Mitarbeiter, der selbst schon eine Industriemaschine bediente, kann doch einen solchen Job wesentlich besser vermitteln."
Drei Beispiele für Integration älterer Mitarbeiter in die Arbeitswelt - und es ließen sich noch einige mehr aufzählen. Von einem flächendeckenden Phänomen oder gar einer systematischen Trendwende in Deutschland könne deswegen aber noch lange nicht die Rede sein, meint Hartmut Buck vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart. Zu Euphorie bestehe kein Grund. So beschränke sich eine gewisse Neuentdeckung der Senioren im Wesentlichen auf den Dienstleistungssektor, außerdem - nach Angaben der Arbeitsagentur - im Wesentlichen auf kleine und mittlere Betriebe mit weniger als 250 Mitarbeitern. Aus reiner Menschenliebe erinnere man sich jedenfalls nicht an die Arbeitssenioren, "jedes Unternehmen verfolgt dabei einen ökonomischen Zweck", so Buck. Wie es um Job-Angst oder Altersarmut in Deutschland bestellt ist, wird sich wohl erst in einigen Jahren erweisen.
Autor: Ernst Eisenbichler
Viele Internet-Nutzer haben uns ihre Meinung zur Frage: "Senioren bevorzugt: Was sind die Vorteile der "Best Agers"?" geschrieben. Die Kommentar-Möglichkeit ist inzwischen beendet.






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