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Dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Alter und der Art der Erkrankung gibt, ist für Norbert Wrobel, Professor für Altersmedizin an der Universität Bremen, eine Tatsache mit schwerwiegenden Folgen. Für ihn stößt das deutsche Gesundheitssystem aufgrund des demografischen Alterns eindeutig an seine Grenzen. Das bisherige System sei ein Auslaufmodell und werde sich in den kommenden zehn Jahren komplett gewandelt haben. Denn perspektivisch würden nicht nur mehr Menschen aufgrund von Herzkreislauferkrankungen und Tumorerkrankungen sterben, sondern es werde vor allem die Zahl der nicht heilbaren, chronischen Erkrankungen, wie etwa Diabetes mellitus, der Parkinson-Krankheit oder Demenz steigen.
Entscheidend ist, dass ältere Menschen häufig an mehreren Krankheiten gleichzeitig leiden, also multimorbide sind. Eine vollständige Genesung ist deswegen für viele nicht mehr möglich. Dadurch laufen viele Betroffene Gefahr, ihr selbständiges Leben in ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr weiterführen zu können und sind daher auf mehr oder weniger intensive medizinische und pflegerische Versorgung angewiesen. Und das kostet.
Noch wird jedoch weniger Geld für die Gesundheit der Älteren ausgegeben als für den Rest der Bevölkerung - das hat zumindest die Soziologin Hilke Brockmann in einer Studie aus dem Jahr 2002 herausgefunden. Brockmann hat eine offensichtliche Rationierung der Ausgaben in deutschen Krankenhäusern beobachtet - und zwar je nach Alter der Patienten.
Laut Studie gehen ab 60 die Ausgaben deutlich zurück, steigen zwischen 75 und 80 Jahren kurz an, um dann wieder abzunehmen. Junge Patienten, so ihr Fazit, erhalten eine teurere Behandlung als ältere. Entschieden werde das in der Regel von den Ärzten, Richtlinien gebe es dafür keine. Schnelle Änderungen erwartet sie nicht. Denn Altersdiskriminierung basiere auf gesellschaftlichen Vorurteilen und Werthaltungen und werde nicht über Nacht verschwinden, befürchtet die Wissenschaftlerin.
Längst sind Stimmen laut geworden, die ein Umdenken in unserem Gesundheitssystem fordern. Dabei geht es zum einen um die Fragen, welche Leistungen in Zukunft noch finanzierbar sein werden und welche Bedeutung die Gesundheitsvorsorge haben wird. Zum anderen sollten, nach Ansicht von Wrobel, die verschiedenen Gesundheitsbereiche von den Ärzten bis zu Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen besser verzahnt werden, um es Älteren zu ermöglichen, lange zu Hause weiterzuleben.
Die koordinierte Betreuung kranker Menschen ist ein Aspekt, der für die Zukunft der Gesetzlichen Krankenkassen von Bedeutung sein wird - die Vermeidung von Erkrankungen ein anderer. Gerade für seine Gesundheit kann und muss jeder Einzelne etwas tun. Es ist gut möglich, dass in Zukunft ein Teil der Kosten nicht mehr vom Solidarsystem der Krankenversicherung übernommen werden kann.
In diese Richtung wird sich auch nach Ansicht von Stefan Fetzer die Gesetzliche Krankenversicherung entwickeln. Damit die Beiträge nicht stetig steigen werden, müssen wohl verschiedene Maßnahmen ergriffen werden: "Mehr Wettbewerb zwischen Krankenkassen und bei den Leistungserbringern wie Ärzten und Krankenhäusern sowie eine stärkere Beteiligung der Versicherten an den Leistungen in Form von Zuzahlungen oder Selbstbehalten. Mittelfristig muss wohl auch darüber nachgedacht werden, ähnlich wie bei der Rentenversicherung, die private Vorsorge zu stärken und somit einen Teil der GKV-Leistungen kapitalgedeckt zu finanzieren."
Autorin: Bettina Meier
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