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Ein langes Leben ist der innigste Wunsch der meisten Japaner. Alte Menschen genießen eine besondere Wertschätzung in dem asiatischen Land. Traditionell sorgt die Familie für die Alten – Heime und Pflegekräfte sind verpönt. Doch die Gesellschaft verändert sich – darum wird in Japan schon an Robotern für die Altenbetreuung gearbeitet.
Der moderne Gesellschafter: Roboter "Wakamaru"
"Ein langes Leben" - darum bitten viele Japaner, wenn sie einen Tempel besuchen. Die Götter haben sie erhört: Mit einem Durchschnittsalter von 43,5 (Deutschland: 43, China: 33,2) ist Japans Bevölkerung die betagteste der Welt. Dank guter Ernährung und Hygiene leben hier heute die meisten über Hundertjährigen. Gleichzeitig altert aber das Land der aufgehenden Sonne so rapide wie keine andere Industrienation. Seit 2005 nimmt Japans Bevölkerung kontinuierlich ab, da seit Jahrzehnten zu wenig Kinder geboren werden, zuletzt nur 1,29 pro Frau. Ändern sich Geburts- und Todesraten nicht, wird die Bevölkerung von derzeit 126 Millionen auf 100 Millionen im Jahr 2050 geschrumpft sein - und davon ist dann jeder Dritte über 65. Innerhalb von 60 Jahren hätte sich der Anteil der Pensionäre damit verdreifacht. Wer wird sich um die Millionen von Alten kümmern?
Tief verankert in der japanischen Kultur sind eine grundlegende Ehrfurcht vor dem Alter und ausgeprägter Familiensinn. War es noch bis vor Kurzem gang und gäbe, dass der älteste Spross seine Eltern zu sich nach Hause nahm und pflegte, erzwingt das anstrengende japanische Erwerbsleben nun ein Umdenken. Mit allen Mitteln sucht die Regierung nach Alternativen für die häusliche Altenpflege. Das lange verpönte Seniorenheim wird allmählich populärer. Doch auch dort fehlt zunehmend Personal.
Asiatische Nachbarn wie die Philippinen und Thailand haben deshalb vorgeschlagen, einige Zehntausend Pflegekräfte als Gastarbeiter zu schicken. In Japan, einem Land mit nicht mal einem Prozent Ausländeranteil, trifft dieser Gedanke allerdings auf wenig Gegenliebe. Einheimisches Pflegepersonal wehrte sich gegen die Billiglohnkonkurrenz und profitierte bei seinem Protest von der weit verbreiteten Fremdenphobie.
Hat die älteste Bevölkerung der Welt: Japan
Japans ganze Hoffnung ruht deshalb auf den Fortschritten der Technik. Schon vor fünf Jahren brachte der Elektrokonzern Sanyo eine Bademaschine auf den Markt. "Hirb" - für "Harmony In Roll-lo Bathing" - ist aus rosa Plastik und erinnert entfernt an eine Isetta mit rückwärtiger Andockstation. Auf einem wasserfesten Rollstuhl parkt man in das Gerät ein, von oben schließt sich die Klappe wie bei einer Muschel, und das Waschprogramm wird gestartet. Altenheimbewohner lobten einstimmig den herrlichen Massageeffekt im Sprudelbad. Auch das Pflegepersonal ist angetan: Es spart Zeit und Rückenschmerzen. Obwohl das Gerät immerhin 35.000 Euro kostet (etwa so viel wie der Jahreslohn für zwei philippinische Pflegerinnen), gilt es als wegweisend für die elektronische Zukunft der japanischen Altenpflege.
Hightech erobert alle Bereiche des Seniorenlebens. Krückstock und Gehwagen sind im fernen Osten schon bald Museumsobjekte. Noch in diesem Jahr wollen japanische Firmen einen "Roboteranzug" auf den Markt bringen, eine batteriebetriebene Hose zum Umschnallen, die wackligen Menschen beim Gehen hilft. Und damit Japans Senioren gelenkig bleiben, hat das National Institute of Advanced Industrial Science and Technology einen 60 Zentimeter großen Fitnessroboter auf zwei Beinen entwickelt, der 20 Leibesübungen vorturnen kann.
Kuscheln auf Knopfdruck: Die Therapie-Roboter "Paro"
Kaum ein Monat vergeht mittlerweile, ohne dass neue Gesellschaftsroboter vorgestellt werden. Zu diesen sogenannten "Humanoiden" (Menschenähnlichen) gehört zum Beispiel der "Wakamaru" von Mitsubishi. Er versteht rund 10.000 Wörter und kann mit seinen Kameraaugen zehn verschiedene Gesichter erkennen. Wohlhabende Berufstätige kaufen ihn gern, damit er auf ihre alten Eltern daheim aufpasst. Für 10.000 Euro ist der einen Meter hohe, quietschgelbe Blechgeselle immer auf dem Laufenden, was im Haushalt passiert.
Der Markt für Roboter hat in Japan eine glänzende Zukunft. Schon 2010 sollen die Umsätze etwa 15 Milliarden Euro betragen. Momentan gibt das Land zwar nur rund 7,6 Prozent seines Bruttoinlandprodukts für die Gesundheitsversorgung aus, die Patientenselbstbeteiligung an den Behandlungskosten steigt aber stetig, ebenso die Beiträge zur Krankenversicherung. Die Regierung ist zuversichtlich, durch die elektronischen Helfer der Kostenexplosion im Gesundheits- und Pflegebereich Einhalt gebieten zu können.
Eine Frage drängt sich dennoch auf: Wo bleibt bei all dem die menschliche Seite? Funktionell mag die künstliche Intelligenz ja alles Mögliche ersetzen können, aber schmusig ist sie nicht gerade. Gibt es nicht auch im Alter ein Bedürfnis nach Wärme und Nähe?
Möglicherweise hat eine Nation, die einen fußballspielenden Roboterhund hervorbrachte und sich kollektiv in das Computerküken "Tamagotchi" verliebte, tatsächlich ein zärtlicheres Verhältnis zu Technik.
Andererseits haben die Forscher auch schon an das Kuschelbedürfnis gedacht. Es wird befriedigt von Therapie-Roboter "Paro", einem kulleräugigen Seehundbaby mit wolligem Pelz. Die Elektrorobbe soll bei Heimbewohnern für Spaß und Gesprächsstoff sorgen. Mehrere Studien haben belegt, dass der Umgang mit "Paro" das Wohlbefinden steigert und Krankheiten wie Demenz vorbeugt.
In Japan ist die Robbe der Renner. Und den Sprung in deutsche Kliniken hat sie auch schon geschafft.
Autorin: Britta Probol
Viele Internet-Nutzer haben uns ihre Meinung zur Frage: "Roboter als Altenpfleger - bald auch in Deutschland?" geschrieben. Die Kommentar-Möglichkeit ist inzwischen beendet.


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