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Seit den 1970ern ist bekannt, dass die Geburten zurückgehen und die Menschen immer älter werden. Doch erst jetzt ist die Debatte um den demografischen Wandel entbrannt. Mancher schlägt daraus sogar Profit. Ein Kommentar von Ute Welty, SWR.
969 Jahre. So alt wurde Methusalem. Ob diese Altersangabe in der Bibel jedoch einer Überprüfung standhält, bestreiten Wissenschaftler. Offensichtlich hat sich nämlich die Bezugsgröße geändert. Wahrscheinlich sind nicht unsere Jahre mit "Jahre" gemeint, sondern die Monate eines Mondkalenders. Folglich müsste die Zahl durch 12,5 geteilt werden. Eine logisch erscheinende Rechnung, die sich leider mit anderen Angaben in der Bibel nicht deckt. Der Blick in die Vergangenheit bleibt schwierig und das gilt auch für den Blick in die Zukunft. Denn alle Szenarien über die älter werdende Gesellschaft sind und bleiben Szenarien.
Bröckelnder Jugendwahn?
Frank Schirrmacher, einer der klugen Köpfe hinter der FAZ, hat sich mit seinem Szenario vom Methusalem-Komplott eine goldene Nase verdient und gleichzeitig Angst und Schrecken verbreitet. Das Buch ein Erfolgsschlager, wenngleich Schirrmacher den Moderator einer Talkshow fragte, ob dieser das Werk denn auch verstanden habe. Neben vielen Zahlenspielen, die im Internet von Berufenen und Verschwörungstheoretikern auseinander genommen werden, geht Schirrmacher vor allem von einer Voraussetzung aus: Dass sich am Verhältnis zum Alter und zu den Alten nicht ändert und nach wie vor der Jugendwahn unsere Gesellschaft bestimmt - irgendwo zwischen "Deutschland sucht den Superstar" und "Germany’s Next Topmodel".
Dabei werden der "Superrenter" und die "Topgreisin" die bestimmenden Faktoren der Gesellschaft sein, denn in 40 Jahren sind die geburtenstarken Jahrgänge alt. Keine Marktwirtschaft wird an den Bedürfnissen eines großen, vielleicht des größten Bevölkerungsanteils vorbei gehen. Das kann sich eine Marktwirtschaft schlicht nicht leisten.
Der Wirtschaftsweise Bert Rürup stellt fest: Der Volkswirtschaft ist es egal, ob sie wächst, weil Autos und Immobilien gekauft werden oder Rollstühle und Pflegeheimplätze. Schon heute ist der Gesundheitsbereich ein boomender Wirtschaftszweig, der noch viel attraktiver wäre, wenn Pflegekräfte besser bezahlt würden. Da in Zukunft immer mehr Menschen Pflege in Anspruch nehmen, muss sich auch die Wertschätzung dieser Tätigkeit ändern.
Der viel beschriebene Pflegenotstand ist schon heute ein prima Druckmittel. Versicherungsmakler und Bankberater vermitteln den Eindruck, dass der Weg in die Altersarmut vorgezeichnet ist, denn sie haben ein gesteigertes Interesse daran, ihre Produkte zu verkaufen. Inzwischen gibt es allein mehr als zehn Millionen Verträge zur Riester-Rente, die anfangs höchstens als "Wort des Jahres 2001" Karriere machte und ansonsten wie Blei in den Regalen lag. Mehr Mitarbeiter, mehr zertifizierte Produkte, mehr Berichterstattung in den Medien – die Marketingmaschinerie ist angelaufen und kaum mehr zu stoppen, auch wenn die Riester-Rente womöglich für den einen oder die andere gar nicht passt.
Ute Welty, Redakteurin im ARD-Hauptstadtstudio Berlin
Die Politik kaschiert hier auch einen Großteil eigenes Versagen, denn dass die Geburtenrate sinkt, weiß man seit den frühen 70er Jahren. Und nichts ist passiert, was dem Generationenvertrag auf die Sprünge hilft, der jetzt zum Mühlstein um den Hals der Gesellschaft werden könnte.
Diese Generation Kinder fehlt einfach, auch wenn die neuesten Schätzungen aus dem Statistischen Bundesamt wieder eine andere Sprache sprechen. Mit der Einführung des Elterngeldes sind nämlich 2007 wieder mehr Kinder geboren worden als im Jahr davor. Zum ersten Mal seit 1997 steigt die absolute Kinderzahl. Ob diese Zahl eine Trendwende darstellt oder doch nur einen Ausreißer, das lässt sich heute nicht sagen, genauso wenig, wie sich wohl das genaue Alter Methusalems bestimmen lässt. Die Umrechnung in Mondmonate würde 78 Jahre ergeben – für die damalige Zeit ein fürwahr biblisches Alter.
Autorin: Ute Welty
Viele Internet-Nutzer haben uns ihre Meinung zur Frage: "Die Demografie-Debatte - wer schlägt daraus Profit?" geschrieben. Die Kommentar-Möglichkeit ist inzwischen beendet.






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